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07.04.2022

18:27

Antiquitätenmesse

The Winter Show in New York: Kunst im ikonischen Luxus-Kaufhaus

Von: Barbara Kutscher

New Yorks Antiquitätenmesse The Winter Show ist in die Jahre gekommen. Zeitgenössische Objekte verpassen ihr eine erfrischende Verjüngung.

Messedirektorin Helen Allen weicht in das leer stehende Gebäude des Luxuskaufhaus Barneys aus. Simon Cherry

The Winter Show mit Schaufenstern

Messedirektorin Helen Allen weicht in das leer stehende Gebäude des Luxuskaufhaus Barneys aus.

New York Mit etwas Glück könnte sich der erzwungene Szenenwechsel als Frischzellenkur entpuppen. Coronabedingt hatte die splendide New Yorker Antiquitätenmesse The Winter Show ihre für Ende Januar angesetzte 68. Ausgabe canceln müssen. Weil aber zum rasch angesetzten Ausweichtermin der eigentliche Veranstaltungsort, das prächtige historische Zeughaus Armory an der Park Avenue, nicht mehr zur Verfügung stand, wich Messedirektorin Helen Allen kurzerhand in das seit über zwei Jahren leer stehende Gebäude des bankrottgegangenen Luxuskaufhaus Barneys aus.

Ein kluger Schachzug Allens, die ihre Sporen auf verschiedenen Messen für Gegenwartskunst verdiente. 2018 war sie angeworben worden, um die betagte Winter Show endlich einem jüngeren Publikum zu öffnen. 

„Sammler und Besucher können eine frische Gegenüberstellung von historischen und zeitgenössischen Objekten in einer ikonischen modernen New Yorker Umgebung erleben“, beschreibt Allen ihr Konzept in einem Interview.

Der New Yorker Stararchitekt Peter Marino hatte das Edelkaufhaus in den 1990ern überholt und großzügig in hellem Marmor ausgestattet. Geschickt spielt die Messe nun auf vier Etagen mit den Besonderheiten des Raums. Marino schuf – abweichend vom üblichen Messeraster – Blickbezüge und einladende Ruhezonen. 

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    Fast jeder der im November angekündigten 71 internationalen Aussteller machte den Ortswechsel mit. 62 Händler (neun können zu diesem Zeitpunkt nur online präsent sein) breiten ihren üblichen Mix von Kunst, Antiquitäten, Schmuck, Silber, Asiatika, Design bis in die Gegenwart, dazu etwas Stammeskunst aus.

    „Die meisten Händler ließen sich begeistert auf die neuen Umstände ein“, beobachtete Martine Haspeslagh von Didier Ltd. (London), die stets mit ausgewähltem Künstlerschmuck besticht.

    Die Eröffnung im Luxuskaufhaus ist ein gesellschaftliches Ereignis. Simon Cherry

    The Winter Show

    Die Eröffnung im Luxuskaufhaus ist ein gesellschaftliches Ereignis.

    Verjüngung ist notwendig, wie Maureen Zarember von Tambaran ( New York), eine Topanbieterin von Stammeskunst, betont. Ihr vor wenigen Jahren noch mit über 20 Galerien gut in der Stadt repräsentiertes Gebiet ist heute kaum noch besetzt. „Diese Objekte müssen aber gezeigt werden“, sagt sie. Star auf ihrem Stand ist eine weiße Punu-Maske mit besonders lieblichen Zügen ( 19. Jahrhundert, Gabun, 425.000 Dollar) aus französischem Vorbesitz. 

    Aronson of Amsterdam, Spezialist für Delfter Blau, zeigt dem großen US-Kundenstamm auch wieder auserlesene Stücke, darunter eine Vase (um 1680) aus der im „Goldenen Zeitalter von Delfter Blau“ führenden Manufaktur Samuel van Eenhoorns (78.000 Dollar). 

    Starker Markt für Tiffany-Objekte

    Zuverlässig bedient Lillian Nassau (New York) den überaus starken Markt für Objekte aus den Tiffany Studios. Während des Lockdowns habe sie an neue Sammler jeder Altersgruppe verkaufen können, so Eigentümerin Arlie Sulka. Jetzt lockt sie mit der ungewöhnlichen „Virginia Creeper“-Tischleuchte (1902), die bereits 1995 bei Sotheby’s Schlagzeilen machte. Zahlte damals ein japanisches Privatmuseum den Rekordpreis von über einer Million Dollar, muss man nun bereits 2,5 Millionen Dollar berappen. 

    The Winter Show gewann einige Aussteller, nachdem die führende Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf (The European Fine Art Fair) im vergangenen Jahr nach nur vier Ausgaben ihren gepriesenen Ableger Tefaf New York Fall eingestellt hatte. Sie ist nun die einzige große Messe für historische Werke in der Stadt. Es habe nicht an mangelnden Umsätzen gelegen, weiß ein Händler.

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    Mehr Sammler und Anleger setzen ihr Vertrauen in Kunst als Vermögensklasse. Das geht aus dem jüngsten „Art & Finance Report“ des Finanzdienstleisters Deloitte hervor.

    The Winter Show wird seit 1954 von der gemeinnützigen Organisation East Side House Settlement betrieben, an die sämtliche Nettoeinnahmen fließen. 

    Auf „young money“ hofft auch Altmeisterhändler Adam Williams Fine Art (New York), einer von zehn Neuzugängen in diesem Jahr. Neben flämischen und niederländischen Gemälden, die den New Yorker Geschmack ansprechen, zeigt Williams auch eine Skulptur von Jean Antoine Houdon, der als erster europäischer Bildhauer 1785 Aufträge in den Vereinigten Staaten annahm. Seine ungewöhnlich große Marmorbüste der kaum zwanzigjährigen französischen Comtesse Jean-Isaac de Théllusson de Sorcy (1770 - 1845) (um 1791) wurde erst 2019 wieder entdeckt und soll nun 1,6 Millionen Dollar kosten. 

    Auch Lawrence Steigrad (New York) zeigt seine alten Meister zum ersten Mal auf der Winter Show. Für Adriaen van Ostades „Scheune mit musizierenden Bauern“ aus dem Jahr 1633, im Jahr 2007 von einem Privatsammler auf der Tefaf Maastricht gekauft, verlangt er 195.000 Dollar. 

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    Aus der einst eigenständigen Antiquitätenmesse wird eine Sektion auf der Art Cologne. Aber nur für handverlesene Aussteller mit alter und außereuropäischer Kunst.

    Auch auf Kenner von Textilkunst wartet eine Sensation: Der auf antike Teppiche spezialisierte Händler Peter Pap (Dublin, New Hampshire und San Francisco) bietet einen seit 1931 als verschollen geltenden berühmten Bildteppich an. Die vom Art Nouveau beeinflusste norwegische Weberin Frida Hansen (1855-1931) fertigte das ungewöhnlich große Werk.

    „Südwärts“ („Sørover“) kam 1903 in die USA und wurde bis 1931 in Museen des Landes gezeigt. Dargestellt sind zehn Göttinnen auf den Rücken von Schwänen hockend, die nach der altnordischen Legende nach dem Winter die Sonne und Blumen aus dem Norden zurückbringen. Pap setzt den Teppich mit über einer Million Dollar an, Institutionen in den USA und Norwegen zeigten sich sehr interessiert, so der Händler.

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