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30.06.2022

18:25

Asiatika Auktionen bei Nagel, Koller und Lempertz

Chinesische Sammler interessieren sich für buddhistische Objekte

Von: Sabine Spindler

Die Asiatika-Versteigerer schauen hauptsächlich auf den Markt mit chinesischer Kunst. Doch auch Werke aus Indien rücken in den Fokus.

Mit 492.000 Euro (inkl. Aufgeld) wurde das Gebetsbild von circa 1425/1450 teuerstes Los bei Nagel. Die Darstellung mit dem Bodhisattva der Weisheit erhielt ein amerikanisches Museum. Nagel Auction

Thangka aus Tibet

Mit 492.000 Euro (inkl. Aufgeld) wurde das Gebetsbild von circa 1425/1450 teuerstes Los bei Nagel. Die Darstellung mit dem Bodhisattva der Weisheit erhielt ein amerikanisches Museum.

München Die Erwartungen der Asiatika-Versteigerer sind bescheidener geworden. Aber wenn hochkarätige Kunst aus dem Reich der Mitte angeboten wird, können sich die Taxen auch in Europa immer noch verzehnfachen. Das unterstreicht das Stuttgarter Auktionshaus Nagel mit dem Erlös von 492.000 Euro (alle Preise inklusive Aufgeld) für ein tibetisches Thangka von circa 1425/1450.

Den Zuschlag für das große Gebetsbild mit der Darstellung des Bodhisattvas der Weisheit erhielt allerdings ein amerikanisches Museum. Ein Zeichen für chinesische Zurückhaltung ist das gleichwohl nicht. Die Unterbieter kamen ausschließlich aus China.

Aber nur zwei weitere Male rutschte bei Nagel der Preis ins Sechsstellige. Rund 162.000 Euro investierte ein Chinese in einen großen, hellgrün-weißen Jade-Pinselbecher aus dem 18. Jahrhundert. Von taxierten 30.000 auf 110.000 Euro wurde eine feuervergoldete Bronze des Buddhas Amitayus, auch aus dem 18. Jahrhundert, gehoben. Das Gros jedoch spielt sich weit darunter ab.

Michael Trautmann, Nagels Asiatika-Experte, beschreibt die Auktion im Gespräch mit dem Handelsblatt als „durchschnittliche, durchgehend gut bebotene Auktion“. Von den 448 in den zwei Hauptkatalogen aufgerufenen Losen wurden 90 Prozent verkauft. Unübersehbar bleibt, dass das schwächer gewordene Angebot ein Schrumpfen der Umsätze zur Folge hat.

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    Inklusive der rund 1000 angebotenen asiatischen Variaobjekte summierten sich die Erlöse auf brutto 5,4 Millionen Euro, das Doppelte der unteren Schätzwertsumme. Aber der aktuelle Umsatz beläuft sich nur mehr auf ein Viertel der Erlöse zur Hochzeit des Chinabooms vor etwa zehn Jahren. Auffällig war diesmal, dass auch der Kopf eines Bodhisattvas aus der Gandhara-Region des zweiten bis dritten Jahrhunderts in chinesische Hände ging.

    Das kleine, naturalistische Buchsbaum-Netsuke in einer Form einer Schnecke stieg bei Lempertz auf 16.400 Euro. Lempertz

    Japanisches Netsuke

    Das kleine, naturalistische Buchsbaum-Netsuke in einer Form einer Schnecke stieg bei Lempertz auf 16.400 Euro.

    Die Kunst der Gandhara-Region im heutigen Pakistan und Afghanistan besticht durch die Verschmelzung von griechischem und buddhistischem Stil. Das meditative Stein-Objekt brachte es auf 64.800 Euro. „Für Chinesen ist der buddhistische Aspekt daran interessant“, meint Trautmann.

    Fast rege chinesische Beteiligung bei einigen Kunstwerken aus Indien beobachtete auch Lempertz-Experte Adrian Heindrichs in der Kölner Asiatika-Auktion Anfang Juni. Sowohl für eine Bronze der hinduistischen Gottheit Bhudevi und eine „Tanzende Shiva“ aus dem 19. Jahrhundert als auch für Lempertz“ Hauptlos, eine große südindische Bronze der Göttin Lakshmi aus dem 15. Jahrhundert, kamen laut Heindrichs Gebote aus China.

    Die grazile Göttin des Glücks, der Schönheit und des Wohlstands sicherte sich für 138.600 Euro allerdings ein amerikanischer Sammler. Nach China wird Lempertz demnächst eine indische Stein-Stele des Buddhas Shakyamuni aus dem neunten bis elften Jahrhundert exportieren. Sie kostete rund 11.400 Euro. Inwieweit Aufmerksamkeit aus China dem Markt mit indischer Kunst Impulse verleiht, wird man erst in Zukunft bewerten können.

    Auktion bei Nagel: Künstlerdrachen landen unter dem Hammer

    Auktion bei Nagel

    Künstlerdrachen landen unter dem Hammer

    Das Auktionshaus Nagel versteigert fast 150 Künstlerdrachen aus der Sammlung Paul Eubel. Insbesondere schwäbische Unternehmer griffen begeistert zu.

    Insgesamt fuhr Lempertz mit 422 aufgerufenen Losen 1,5 Millionen Euro ein. Das ist eine wertbezogene Quote von 120 Prozent. Anteil daran haben die zum Teil stattlichen Ergebnisse für Netsukes. Den höchsten Preis unter der miniaturhaften japanischen Schnitzerei erzielte mit fast 53.000 Euro eine polychrom lackierte Figur eines „Alten Sennin“.

    In der Asiatika-Auktion bei Koller in Zürich Anfang Juni übernahmen die Preisspitze zwei von der französischen Moderne beeinflusste vietnamesische Maler. Für 183.300 Schweizer Franken ging ein frühes Werk des 1906 geborenen Mai Trung Thu mit der Darstellung zweier junger Frauen in neue Hände. Für 122.300 Franken wechselte ein „Blumenbild mit Mädchen“ des Matisse-Freundes Le Pho den Besitzer.

    Kollers Angebot an chinesischer Kunst fehlten die Highlights. Hier setzen eine 700 Jahre alte vergoldete tibetische Buddhafigur aus Kupfer mit einem Erlös von 67.400 Franken und eine bauchige Bronzevase der Song-Dynastie in der sogenannten Hu-Form mit 65.700 Franken die oberen Marken. International vergleichbare Höchstpreise sehen anders aus.

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