Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2022

09:34

Auktion

Álvaro Saieh: Kunstverkäufe wegen Insolvenz

Von: Barbara Kutscher

Der chilenische Sammler besitzt eine einzigartige Sammlung Alter Meister. Jetzt muss er sie bei Christie’s für mindestens 30 Millionen Dollar versteigern lassen.

Ein psychologisch mitreißendes Gruppenbildnis von Musikern, das ohne Posen auskommt. Quelle: Christie’s

Bartolomeo Manfredi „Zechende Musiker“:

Ein psychologisch mitreißendes Gruppenbildnis von Musikern, das ohne Posen auskommt. Quelle: Christie’s

New York Mit der Ausstellung von knapp 80 Bildern im Pariser Musée Jacquemart-André traten der diskrete chilenische Unternehmer Álvaro Saieh und Gattin Ana Guzmán im Herbst 2019 zum ersten Mal als Marktmacher für italienische Altmeister ins Rampenlicht. Die in ihrem New Yorker Apartment an Fifth Avenue dicht gehängte „Alana“-Sammlung war bis dahin nur Experten bestens bekannt. Ihr Name besteht aus den beiden zusammengezogenen Vornamen der Sammler.

Saieh ist Gründer der Unternehmensgruppe Corp Group mit Sitz in Santiago. Von renommierten Kunsthistorikern beraten, hatte der Milliardär seit den 1990er-Jahren gezielt im ausgedünnten Angebot bei Händlern sowie großen und kleinen internationalen Auktionshäusern eingekauft.

Teile von Saiehs Unternehmensgruppe waren während der Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und mussten im letzten Sommer Insolvenzschutz anmelden. Deshalb suchen nun 54 Werke der Alana-Sammlung bei Christie’s in einem „single owner sales“ am Donnerstagvormittag neue Besitzer. Erwartet werden am 9. Juni insgesamt 30 bis 50 Millionen Dollar.

Den ursprünglichen Fokus auf Goldgrundmalerei der Frührenaissance, dem sogenannten Trecento, hatten Saieh und Guzmán in den letzten Jahren bis in den Barock erweitert. So kamen stimmungsvolle Gemälde des 17. Jahrhunderts aus dem Caravaggio-Umkreis hinzu. Darunter Bartolomeo Manfredis psychologisch eindringliches Gruppenbildnis zechender Musiker und Orazio Gentileschis innige „Madonna mit Kind“. Beider Schätzpreise liegen bei je 4 bis 6 Millionen Dollar.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nach dem Vorbild Caravaggios hatte Orazio Gentileschi sein rührendes Madonnenbildnis um 1607 nach lebenden Modellen gemalt. Laut neuester Forschung könnte es sich sogar um seine Frau und seinen jungen Sohn handeln.

    Für den üppigen blauen Umhang der Madonna wurden leuchtende Lapislazuli-Pigmenten gewählt, die auf einen sehr wohlhabenden Auftraggeber schließen lassen.
    Saieh hatte das Bild im Jahr 2007 in London aus der Sammlung der Millionenerbin Barbara Piasecka Johnson zu 2,04 Millionen Pfund ersteigert, damals 4,2 Millionen Dollar.

    Laut Keith Christiansen, ehemaliger Chairman der Abteilung European Paintings am Metropolitan Museums in New York, sammelte Saieh bewusst „mit dem Blick über die großen historischen Namen hinaus. Er war interessiert an der künstlerischen Bedeutung, dem Charakter individueller Künstler und daran, Dinge in einem breiteren historischen Kontext zu sehen“.

    Wahrscheinlich hat der Maler seine Ehefrau und seinen Sohn Modell sitzen lassen. Erwartet werden 4 bis 6 Millionen Dollar. Quelle: Christie’s

    Orazio Gentileschi „Madonna mit Kind“:

    Wahrscheinlich hat der Maler seine Ehefrau und seinen Sohn Modell sitzen lassen. Erwartet werden 4 bis 6 Millionen Dollar. Quelle: Christie’s

    Dabei scheute Saieh nicht davor zurück, einzelne Stücke seiner mittlerweile großen Sammlung, die auch Antiken umfasst, gegen hochwertigere Bilder zu ersetzten.

    Ein nur 16 Zentimeter hohes Holztäfelchen mit der Darstellung des „Heiligen Dominikus und der Stigmatisierung des Heiligen Franziskus“, das erst 2013 in einer französischen Sammlung entdeckt wurde, zählt zu den Highlights des Angebotes. Es stellt eine wichtige Ergänzung zum Werk des für die Entwicklung der florentinischen Renaissance so wichtigen Malers Fra Angelico dar. Geschätzt ist es auf 4 bis 6 Millionen Dollar. Experten identifizierten ein Pendant, „Maria mit Kind und vier Engeln“ im Detroit Institut of Art. Gemeinsam bildeten sie einst ein zweiteiliges Bild zur privaten Andacht.

    Das repräsentative Angebot aus der „Alana”-Sammlung zu attraktiven Preisen soll für jeden etwas bieten. Christie’s Marketingkampagne versucht dazu auch Sammler von zeitgenössischer Kunst anzusprechen. Etwa wenn sich motivische Parallelen zu zeitgenössischer Kunst ziehen lassen. Den kürzlich angezogenen Markt für Porträts der Renaissance bedient ein dem Leonardo-Umkreis zugewiesenes Damenbildnis im Profil, für das 600.000 bis 800.000 Dollar veranschlagt sind.

    Christie’s verschafft der Alana-Auktion zusätzliche Aufmerksamkeit durch eine am Freitag folgende außerplanmäßige Auktion „Old Masters“. Die findet eigentlich seit einigen Jahren im April statt.
    Mehr: Drei Millionenzuschläge bei Grisebach in Berlin

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×