Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2022

15:59

Auktion

Olbricht Collection bei Van Ham: Erfolg trotz wählerischer Bieter

Von: Christiane Fricke

Wella-Erbe Thomas Olbricht hat bei Van Ham den fünften Teil seiner Riesensammlung versteigern lassen. Das Kölner Haus verbucht einen respektablen Umsatz.

Das Leinwandbild „Chicken of the Golden Egg“ (2007) des brasilianischen Brüderpaars kam dank US-amerikanischem Gebot auf 112.000 Euro mit Aufgeld (Ausschnitt). Van Ham

Os Gêmeos

Das Leinwandbild „Chicken of the Golden Egg“ (2007) des brasilianischen Brüderpaars kam dank US-amerikanischem Gebot auf 112.000 Euro mit Aufgeld (Ausschnitt).

Düsseldorf Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, dass der ehemalige Arzt und Wella-Erbe Thomas Olbricht sein Berliner Privatmuseum „me collector’s room“ schloss und mit der Auflösung seiner Sammlung begann. Nun hat Van Ham den fünften Teil der rund 4000 Werke zählenden „Olbricht Collection“ versteigert. Und ein Ende ist immer noch nicht abzusehen, auch wenn sich das Kölner Auktionshaus bezüglich einer Fortsetzung der Auktionsserie bedeckt hält.

Nach Angaben des Hauses klopfte Auktionator Robert van den Valentyn mit 32 Prozent Aufgeld 2,5 Millionen Euro zusammen. 80 Prozent der Lose sollen verkauft und 145 Prozent nach Wert umgesetzt worden sein, allerdings gemessen an der unteren Taxe im Verhältnis zum Gesamtergebnis inkl. Aufgeld. Insgesamt sollen mit der Olbricht-Sammlung bislang rund 10,5 Millionen Euro umgesetzt worden sein.

Die am 9. Juni 2022 versteigerte Tranche enthielt fast 300 Lose zeitgenössischer Kunst, wobei zeitgenössische, aber auch klassische Fotografie diverse Akzente setzten. Komplett absetzen ließen sich erwartungsgemäß die Arbeiten Cindy Shermans; allen voran Sherman in der Rolle einer leicht unglücklich wirkenden „Dame der Gesellschaft“. Ein österreichischer Sammler hob das „Untitled #353“ betitelte Farbfoto von geschätzten 15.000 bis 20.000 Euro auf 53.000 Euro mit Aufgeld.

„Menschlich zu sein“ („Being Human“) ist angesichts von Krieg und Krisen ein fein formulierter Titel für diese Auktion. Es spiegelt sich darin natürlich auch und zu allererst das zentrale Interesse des Sammlers, dem wir im Nachhinein geradezu bei seinem Tun über die Schulter schauen können.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Mensch-Sein in all seinen Facetten interessierte den ehemaligen Arzt, Zumutungen, Angst, Lust inbegriffen. Ein Spektrum, das sich in den Arbeiten Shermans wiederfindet und auch erklärt, warum diese Künstlerin einen so großen Stellenwert in der Olbricht-Collection einnahm.

    Ein Sammler aus Hongkong bewilligte für die 2,50 Meter breite Leinwand „To calm“ (2007) 119.000 Euro, eine Rekordnotierung für diesen Künstler hierzulande. Van Ham

    Jia Wei

    Ein Sammler aus Hongkong bewilligte für die 2,50 Meter breite Leinwand „To calm“ (2007) 119.000 Euro, eine Rekordnotierung für diesen Künstler hierzulande.

    Mit dem Erfolg der Sherman-Tranche konnte das übrige Fotoangebot nicht mithalten, wenn man etwa von einem ca. 1984 datierten Einzelbild Sigmar Polkes absieht, für das der Hammer bei 15.000 Euro fiel. Die umfangreiche Strecke mit den Schwarzweißfotografien Lee Friedlanders traf die Schätzungen oder überstieg sie in ihren besten Beispielen. Indes wurden die beiden auf 20.000 bis 30.000 Euro getaxten Portfolios von Lisette Model und Otto Steinert trotz guter Provenienz zurückgereicht.

    Ebenfalls liegen blieben die mit Spannung angekündigte Fotoarbeit „Flur“ von Thomas Demand, die mindestens 40.000 bis 60.000 Euro erreichen sollte, und der von Helmut Newton ganzfigurig dargebotene, knabenhafte Körper des Models Kristen McMenamy (1995).

    Zeitgenössische Kunst aus der Olbricht Collection: Zu sperrig geworden: Großsammler trennt sich von Kunst im XXL-Format

    Zeitgenössische Kunst aus der Olbricht Collection

    Zu sperrig geworden: Großsammler trennt sich von Kunst im XXL-Format

    Am 23. Juni versteigert Van Ham den zweiten Teil der Sammlung des Wella-Erben Thomas Olbricht. Dieses Mal liegt ein Fokus auf extrem dimensionierten Werken.

    Das Duo war vor dreieinhalb Jahren in einer der letzten Ausstellungen des me Collectors room zu sehen. Für das Bildpaar, auf dem die versehrt wirkende McMenamy einmal mit rasierter Scham in Schwarzweiß, einmal in Farbe posiert, waren ambitionierte 50.000 bis 70.000 Euro ins Visier genommen worden.

    Interessant sind die hohen Preise für hierzulande nicht gerade geläufige Künstler. Im Fall von Os Gêmeos, einem in São Paolo geborenen Zwillingsbrüderpaar, war damit aber gerechnet worden. Die auf 70.000 bis 90.000 Euro geschätzte surreale Leinwandszene „Chicken of the Golden Egg“ (2007) erzielte dank US-amerikanischem Gebot 112.000 Euro mit Aufgeld; das zweithöchste Gebot des Tages.

    Zeitgenössische Kunst aus der Olbricht Collection: Auktionsmarathon mit Kunst im XXL-Format

    Zeitgenössische Kunst aus der Olbricht Collection

    Auktionsmarathon mit Kunst im XXL-Format

    Nicht alle übergroßen Werke aus der Sammlung Olbricht erzielen bei Van Ham Höchstpreise. So viele Bieter, die Zumutungen gewachsen sind, gibt es nämlich nicht.

    Nicht gerechnet hatte man mit dem Resultat für zwei Gemälde des in Peking geborenen Künstlers Jia Wei. Ein Sammler aus Hongkong bewilligte für die 2,50 Meter breite Leinwand „To calm“ (2007) 119.000 Euro, eine Rekordnotierung für diesen Künstler in Deutschland. Die 3 Meter breite Leinwand „Illuminate the unlimited darkness“ kam auf 99.000 Euro. Beides Mal wurde die Taxe mindestens verdreifacht.

    Die fantastische, zweideutige Szenerie „Hunting“ von Wei Dong sicherte sich die sehr aktiv und erfolgreich mitbietende Privatsammlung Collett Prag Munich – zum internationalen Auktionsrekord von 27.000 Euro. Macht mit Aufgeld 36.000 Euro. In dieselbe Prager Sammlung kommen David Zink Yis Bodenskulptur eines schlaffen Riesenkalmars aus Keramik und Kiki Smiths aus 97 Glaskörpern zusammengesetztes Skulptur-Ensemble „Bloodline“.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×