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30.11.2022

08:05

Auktion

Zeichnungen unter dem Hammer: Karl & Faber spielt seine Trümpfe aus

Von: Sabine Spindler

Der Versteigerer Karl & Faber hat mit hervorragenden Zuschlägen für Kunst auf Papier seine Topposition in diesem Bereich untermauert. Rund 2,5 Millionen Euro Umsatz kamen zusammen.

Die in den 1830er-Jahren aquarellierten Eichen und Felsen eines Hünengrabes wurden für 127.000 Euro von einer süddeutschen Sammlung übernommen. Karl & Faber

Carl Blechen

Die in den 1830er-Jahren aquarellierten Eichen und Felsen eines Hünengrabes wurden für 127.000 Euro von einer süddeutschen Sammlung übernommen.

München Wo Werke von Carl Blechen auftauchen, sind die Sammler von Kunst des 19. Jahrhunderts elektrisiert. Bei Karl & Fabers Auktion „Alte Meister und 19. Jahrhundert“ Mitte November rangen Sammler aus der Schweiz, den USA und Großbritannien eisern um ein Aquarell des Meisters der Naturstimmung. Die in den 1830er-Jahren flüchtig hingetuschten Eichen und Felsen eines Hünengrabes gingen letztlich für 127.000 Euro in eine süddeutsche Sammlung (alle Erlöse inkl. Aufgeld).

Ein Auktionsrekord für eine Papierarbeit Blechens, aber auch ein Indiz dafür, dass Einkaufpreise selbst für subtile Werke gefragter Künstler nicht automatisch große Preissprünge vollziehen. Laut Rupert Keim, Geschäftsführer des Hauses, wurde das Blatt 2001 im Antiquariat C. G. Boerner für 205.000 D-Mark verkauft. Die niedrige Taxe von nur 40.000 Euro war anscheinend nur ein verlockendes Einstiegsangebot.

Viel Zuspruch erhielt auch Heinrich Drebers zarte, auf 12.000 Euro taxierte Zeichnung von 1840/41. Die mit großer Präzision dargestellten Baumwurzeln an einem Felsen waren einem nordamerikanischen Sammler 106.000 Euro wert. Auch dieser Zuschlag ein Weltrekord.

Qualitätvolle Papierarbeiten und Ölskizzen des 19. Jahrhunderts haben in den letzten Jahren häufig für Höchstpreise gesorgt. Als frühverstorbenes Malergenie um 1800/1820 gilt Achille Etna Michallon. Seine Ölskizze eines Baumes in felsiger Landschaft vervierfachte mit rund 47.000 Euro die Taxe.

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    Bemerkenswerte Ergebnisse brachte die Zeichenkunst des 17. Jahrhunderts. Eine auf 1679/80 datierte mythologische Szene des Spaniers Claudio Coello sicherte sich für 45.750 Euro ein Pariser Händler. Giovanni Benedetto Castigliones virtuose Rötelzeichnung „Die Geburt Christi“ ging für 50.800 Euro in neue Hände.

    Die Ölskizze „Kleinkind mit weißem Kopftuch“ aus den späten 1870er-Jahren stieg von taxierten 3000 auf 17.000 Euro. Karl & Faber

    Wilhelm Leibl

    Die Ölskizze „Kleinkind mit weißem Kopftuch“ aus den späten 1870er-Jahren stieg von taxierten 3000 auf 17.000 Euro.

    „Der Zeichnungsmarkt ist ein Kennermarkt“, sagte Keim kurz nach der Auktion. Eine Gruppe von nicht einmal 20 Händlern bestimmt international das Geschehen. Karl & Faber kann sie bestens bedienen. Denn nach fast 100 Jahren Konzentration auf Meisterzeichnungen bekommt das Haus international gefragte Einlieferungen aus den USA, aus Israel, Dänemark und natürlich Deutschland.

    Während manche Häuser das Angebot an Druckgrafik auf null reduzieren, fuhr Karl & Faber 76 Rembrandt-Radierungen und 32 Holzschnitten und Stichen von Albrecht Dürer auf. „Der Markt ist aufnahmefähig, der Dollar steht gut und es gab verschiedene Druckzustände und entsprechend unterschiedliche Preise.“ So fasst Keim das pralle und inzwischen vollständig verkaufte Angebot dieser beiden Künstler zusammen.

    Mit je 69.850 Euro standen die Blätter „Christus lehrend“ und „Landschaft mit Hütte bei dem großen Baum“ an der Spitze der Rembrandt-Offerte. Bei den Dürer-Drucken wurde ein früher Abzug der 1498/99 gestochenen „Beweinung Christi“ mit 44.500 Euro das teuerste Los. Das sind solide Resultate.

    Ein Blatt wie „Der heilige Eustachius“, für das 2021 hier der Spitzenpreis von 137.000 Euro eingefahren wurde, aber fehlte. Laut Rupert Keim sind zwei Drittel der Meistergrafik ins Ausland verkauft worden.

    Die amourös-voyeuristische Szene „Psyche betrachtet den schlafenden Amor“ von 1640/50 brachte 15.240 Euro. Karl & Faber

    Schule Guido Reni

    Die amourös-voyeuristische Szene „Psyche betrachtet den schlafenden Amor“ von 1640/50 brachte 15.240 Euro.

    Anteil an der positiven Bilanz haben auch zahlreiche Steigerungen im Gemäldebereich. Wilhelm Leibls Skizze „Kleinkind mit weißem Kopftuch“ aus den späten 1870er-Jahren stieg von taxierten 3000 auf 17.000 Euro. Wilhelm von Kobells glasklares Sujet „Auf der Alm“ von 1828 wurde erst vor elf Monaten bei Sotheby’s in London für rund 13.000 Euro erworben und nun in Bayern für 29.000 Euro verkauft.

    Bei den Altmeistern verdoppelte die amourös-voyeuristische Szene „Psyche betrachtet den schlafenden Amor“ von 1640/50 ihre Taxe. Das stattliche Gemälde eines Malers aus der Schule Guido Renis brachte 15.240 Euro.

    Von Krisenstimmung war nichts zu spüren. Mit 2,5 Millionen Gesamtumsatz hat Karl & Faber die Potenz von Papierarbeiten des 19. Jahrhunderts und Altmeister-Zeichnungen verdeutlicht. Bei 68 Prozent verkaufter Lose wurde eine wertbezogene Quote von 115 Prozent erzielt. „Dieser Sammlungsbereich ist in unsere Firmengenealogie eingebrannt“, meint Rupert Keim nicht ganz ohne Stolz.

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