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12.12.2022

09:15

Auktionen in Köln

Glücklich und zufrieden: Van Ham erzielt 17 Ergebnisse im sechsstelligen Bereich

Von: Christiane Fricke

Das Kölner Auktionshaus Van Ham beschließt das Jahr mit einer sehr erfolgreichen Moderne- und Contemporary-Session. Für die mit viel Aufwand erklärte digitale Kunst interessieren sich noch wenig Bieter.

Die spätimpressionistische Straßenansicht von Liebermanns Sommerresidenz am Wannsee erzielte mit Aufgeld 422.000 Euro. Der Hammer fiel bei 320.000 Euro deutlich über der auf 200.000 bis 250.000 Euro angesetzten Schätzung. Van Ham

Max Liebermann

Die spätimpressionistische Straßenansicht von Liebermanns Sommerresidenz am Wannsee erzielte mit Aufgeld 422.000 Euro. Der Hammer fiel bei 320.000 Euro deutlich über der auf 200.000 bis 250.000 Euro angesetzten Schätzung.

Köln Mit herausragenden 9,3 Millionen Euro Umsatz und 17 Ergebnissen in sechsstelliger Größenordnung an einem einzigen Tag stehen die „Modern Week“-Auktionen vom 30. November in den Büchern von Van Ham. „Wir sind glücklich und zufrieden“, resümierte Auktionator Markus Eisenbeis. Das Kölner Auktionshaus untermauert mit diesem Resultat eine immer stärker werdende Position im Bereich der zeitgenössischen Kunst.

Versteigert wurde Kunst der Klassischen Moderne und der Nachkriegszeit, 15 Lose digitaler Kunst mit NFT-Zertifikat und danach zeitgenössische Kunst. Insgesamt kamen 355 Lose live unter den Hammer; die wöchentlichen Online only-Auktionen nicht mitgezählt.

Spitzenlos der Sektion Moderne wurde – wenig überraschend – Max Liebermanns spätimpressionistische Straßenansicht seiner Sommerresidenz am Wannsee für 422.000 Euro mit Aufgeld. Der Hammer für das aus dem Nachlass des Kaufmanns Hermann Hugo Neithold eingelieferte Gemälde fiel bei 320.000 Euro deutlich über der auf 200.000 bis 250.000 Euro angesetzten Schätzung.

Zwei weitere Bilder aus dieser Sammlung scheiterten an ihrer zu hohen Preisvorstellung: ein skizzenhafter Gartendurchblick mit Birkenstämmen von Liebermann, der bis zu 200.000 Euro bringen sollte, und ein dunkles Jagdstillleben von Lovis Corinth mit einer Erwartung von bis zu 160.000 Euro. Die während der „Classic Week“ Mitte November angebotenen Altmeister aus der Sammlung Neithold, darunter auch ein Spitzweg-Gemälde, wurden alle verkauft.

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    In der Abteilung Post War setzte sich Fernando Boteros Skulptur „Le Matin“ an die Spitze der Top-Lose. 370.000 Euro zahlte die Sammlung „Collett Prague Munich“ mit Aufgeld für die lebensgroße schwarz patinierte Bronze. Sie war auf 280.000 bis 350.000 Euro geschätzt worden. Dahinter steht eine tschechische „Aktiengesellschaft“, die sich laut ihrer Website „mit der Galerietätigkeit beschäftigt“ und zu der auf Immobilien und Objektentwicklung spezialisierten Gruppe Lettenmayer & Partner gehört.

    Die Aktiengesellschaft zählt zu den sehr aktiven Bietern in Deutschland und kauft gern große Formate. Sie erwarb auch das in der Zeitgenossen-Auktion ausgebotene, farblich explosiv gepinselte Ölgemälde „Heile, Heile, Meise (Schande Teil 4)“ von André Butzer. Mit Aufgeld landete der Hingucker mitten in der Taxe zwischen 150.000 bis 200.000 Euro.

    Einen internationalen Auktionsrekord verbuchte Van Ham für ein 1986 entstandenes Werk der ungarischen Künstlerin Dora Maurer. Die zweiteilige Arbeit wird für 145.000 Euro von einer ungarischen Sammlung übernommen. Van Ham

    Dora Maurer

    Einen internationalen Auktionsrekord verbuchte Van Ham für ein 1986 entstandenes Werk der ungarischen Künstlerin Dora Maurer. Die zweiteilige Arbeit wird für 145.000 Euro von einer ungarischen Sammlung übernommen.

    Erwartbar waren die 251.000 Euro für Andy Warhols attraktive Farbvariante aus der „Marilyn“-Serie und für das frühe, blau flirrende Op-Art-Gemälde des stets gefragten polnischen Künstlers Wojciech Fangor. Bemerkenswert der deutsche Auktionsrekord von 211.000 Euro für ein Gemälde des Argentiniers Julio Le Parc, der in den sechziger Jahren Furore mit kinetischen Skulpturen machte.

    Einen internationalen Auktionsrekord verbuchte Van Ham für ein Werk der Künstlerin Dóra Maurers, die als Vertreterin der ungarischen Neo-Avantgarde erst im Frühjahr in Bielefeld vorgestellt wurde. Ein Landsmann holt die zweiteilige Arbeit nun für 145.000 Euro zurück nach Ungarn.

    Konstruktiv-konkrete Kunst: Dóra Maurer in Bielefeld: Sonderweg zur abstrakten Malerei

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    Im Bereich Zeitgenössische Kunst löste Wolfgang Tillmans die Erwartungen an seine großformatige Fotoarbeit „Mental Picture #52“ mehr als ein. 150.000 bis 200.000 Euro waren für die attraktive abstrakte Arbeit aus der Sammlung Olbricht angepeilt, 356.000 Euro wurden erreicht – dank eines Online-Gebots für ein Privatmuseum.

    Von den beiden Cindy Sherman-Fotos der Olbricht- Sammlung konnte nur eines zur unteren Taxe zugeschlagen werden. Diese drei Lose gehören zu den letzten Posten aus dieser riesig großen Privatsammlung, die bis auf zentrale Konvolute in den letzten Jahren aufgelöst wurde.

    Was mit Herzblut beworben und allen nur erdenklichen Mitteln – dazu gehörte auch ein Workshop – erklärt wurde, erzielte das am wenigsten erfreuliche Ergebnis: die „digitale Kunst“ mit NFT-Zertifikat. Von den 15 eigens und exklusiv für die Auktion bei Van Ham produzierten Werken, die am 30. November ausgeboten worden waren, konnten nur fünf zugeschlagen werden, darunter Arbeiten von Banz & Bowinkel und Tim Berresheim. Und zwar zu Euro-Preisen um die Taxen herum.

    356.000 Euro erlöste die hochformatige Fotoarbeit aus der Olbricht Collection. Angepeilt waren 150.000 bis 200.000 Euro. Van Ham

    Wolfgang Tillmans „Mental Picture #52“

    356.000 Euro erlöste die hochformatige Fotoarbeit aus der Olbricht Collection. Angepeilt waren 150.000 bis 200.000 Euro.

    Das ist ein herber, angesichts der Entwicklungen auf dem Kryptomarkt jedoch fast erwartbarer Rückschlag, der indes zunächst nicht kommuniziert wurde. Ursprünglich waren weder die Ergebnisse in den einschlägigen Listen vermerkt, noch verlor Markus Eisenbeis im soeben fertiggestellten Jahresbericht 2022 dazu ein Wort. Zu Unrecht. Denn den nicht gerade innovationsscheuen und investitionsbereiten Unternehmer zeichnet es aus, neue Wege auszuprobieren, auch wenn sich dies zunächst nicht auszuzahlen scheint.

    Dass sich ein langer Atem aber rentiert, zeigt der Jahresbericht gleichwohl. Um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr wuchs der Umsatz mit den inzwischen wöchentlich laufenden Online Only-Auktionen. Sie allein summieren sich in diesem Jahr auf mehr als 6,2 Millionen Euro.

    370.000 Euro wurden mit Aufgeld für die lebensgroße, schwarz patinierte Bronze bewilligt. Die Taxe lag bei 280.000 bis 350.000 Euro. Van Ham

    Fernando Botero „Le Matin“

    370.000 Euro wurden mit Aufgeld für die lebensgroße, schwarz patinierte Bronze bewilligt. Die Taxe lag bei 280.000 bis 350.000 Euro.

    Weniger gewichtig ist der Umsatz von rund einer Million Euro bei den „Private Sales“ – eine in deutschen Häuser ohnehin eher ungeliebte Kategorie. Dazu kommt der in diesem Jahr entwickelte „Art Store“, durch den monatlich zwei bis drei Werke aus den von Van Ham betreuten Künstlernachlässen verkauft werden.

    In Planung befindet sich ein Gesamt-Nachverkaufskatalog für den Online Only-Bereich. Ihm soll später auch einer für die zurückgegangenen Lose der live abgehaltenen Saalauktionen folgen. Unter dem Strich führten klassische und digitale Absatzmöglichkeiten 2022 bei Van Ham zu einem Gesamtjahresumsatz von beinahe 40 Millionen Euro. Damit rangiert das Haus nur minimal unter dem Vorjahresergebnis.

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