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14.12.2022

12:22

Auktionen in London

Alte Meister sind wieder gesucht und teuer

Von: Stephanie Dieckvoss

Bei den Londoner Versteigerungen Alter Meister hatte Sotheby's das hochwertigere Angebot. Christie's fehlte ein tragendes Meisterwerk.

Das beliebte erotische Motiv musste Tizian dutzend Male mit seiner Werkstatt auf die Leinwand bringen. Diese Version erlöste 11,2 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's

Tizian "Venus und Adonis":

Das beliebte erotische Motiv musste Tizian dutzend Male mit seiner Werkstatt auf die Leinwand bringen. Diese Version erlöste 11,2 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's

London Die Auktionen mit Alten Meistern in London stellen wieder Rekorde auf. Das hat es schon länger nicht mehr gegeben. Vor allem marktfrische Stillleben und Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert kommen bei Sammlern an – wenn die Provenienz stimmt. Arbeiten mit Motiven, die nicht den Zeitgeist treffen, wie Porträts, frühe Italiener oder Skulptur, haben es aber immer noch schwer, Käufer zu finden.

Die Käufer kommen vor allem aus den USA, asiatische Käufer halten sich weitgehend zurück. Das erklärt auch, warum die Highlights der Saison in London zwar ausgestellt wurden, aber erst im Januar in New York unter den Hammer kommen. London muss sich trotz der jahrhundertealten Tradition des Altmeisterhandels mit kleineren Arbeiten begnügen.

Christie’s Auktion am Donnerstagabend spielte bei 27 Losen nur 13 Millionen Pfund ein. Hier fehlte ein tragendes Spitzenwerk. Jean-François de Troys charmantes Gruppenbild einer „Reading Party“ aus dem 18. Jahrhundert wurde zum teuersten Los des Abends. Das Bild in Watteau-Manier brachte schätzungsgemäß knapp drei Millionen Pfund.

Einen Rekord stellte ein Porträt des Erasmus von Rotterdam von Hans Holbein und seiner Werkstatt auf. Das kleinformatige Bild stammt aus einer Privatsammlung und wurde noch nie ausgestellt. Das auf 1 bis 1,5 Millionen Pfund geschätzte Bild spielte am unteren Ende der Schätzung 1,1 Millionen ein. Das Interesse hielt sich also an dem bisher unveröffentlichten Porträt in Grenzen.

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    Drei italienische Goldgrundtafeln aus dem 13. und 14. Jahrhundert verkauften sich gut – sicher spielt dabei die Geschichte der Bilder eine Rolle. Alle drei stammen aus dem Nachlass der Privatsammlung von Hans Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza. Insgesamt verzeichnete die Auktion eine Verkaufsrate von 89 Prozent, ein Rekord für eine Londoner Auktion in diesem Segment. Der Gesamterlös wird allerdings beim Jahresumsatz des Hauses keine große Rolle spielen.

    Das Porträt des berühmten Humanisten ist eines der wenigen Bildnisse, die zurzeit Erfolg haben. Quelle: Christie's

    Hans Holbein "Erasmus von Rotterdam":

    Das Porträt des berühmten Humanisten ist eines der wenigen Bildnisse, die zurzeit Erfolg haben. Quelle: Christie's

    Da sah es Sotheby’s schon besser aus. Hier erzielte die Abendauktion ein Gesamtergebnis von 33 Millionen Pfund bei 86 Prozent verkaufter Arbeiten. Dabei konnte Sotheby’s acht Werke für mehr als eine Millionen Pfund verkaufen, während es bei Christie’s nur drei waren.

    Die Auktion wurde von einer von 12 Versionen der Mythologie von Venus und Adonis angeführt, die Tizian in seiner Laufbahn schuf. Ehemals aus der Sammlung von Maximilian von Heyl von Hernsheim und später im Besitz von Philipp Reemtsma, blieb das Bild 1998 bei Christie’s unverkauft. Nun fand es bei mehreren Geboten für 11,2 Millionen Pfund bei einer Taxe von 8 bis 12 Millionen ein neues Zuhause.

    Exquisite Stillleben gefragt

    Erfolgreich verkauften sich auch 16 Arbeiten aus der Sammlung des Spaniers Juan Manuel Grasset, der über Jahrzehnte hinweg Alte Meister auf Auktionen ankaufte, zu einer Zeit, als dort fast nur der Kunsthandel agierte. Er stellte mit Geduld eine exquisite Sammlung vor allem von niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts zusammen, die durchgehend sehr gefragt waren und insgesamt 12,7 Millionen Pfund einspielten.

    Im Gegensatz zu Christie’s bot Sotheby’s in der Auktion Alter Meister auch europäische Malerei des 19. Jahrhunderts an. Sotheby’s spart damit eine eigene live Auktion ein, während Christie’s diese Sparte am 13. Dezember in London anbieten wird. Das Interesse an den Arbeiten war groß. John William Godwards „Campaspe“, ein mythologischer Frauenakt von 1896, verdoppelte die Schätzung und auch den Gewinn für den Einlieferer. Zuletzt war die Arbeit 2006 bei Sotheby’s für 624.000 Pfund verkauft worden, nun spielte sie 1,3 Millionen Pfund ein.

    Direkt vor der Abendauktion versteigerte Sotheby’s die zweite Tranche der Sammlung des 2021 verstorbenen Sir Joseph Edward Hotung. Der lebte zwischen Hongkong und London und baute eine umfassende, eklektische Sammlung mit asiatischer und europäischer Kunst auf. Teile seiner Sammlung sind nun in nach ihm benannten Galerien unter anderem im British Museum zu sehen.

    Gute Ergebnisse mit Asiatika

    In der Londoner Auktion kamen asiatisches Kunstgewerbe und Möbel, sowie europäische Möbel und Kunst zum Aufruf, deren Provenienz und Qualität Interessenten aus der ganzen Welt anzog. Die Hälfte der Objekte verkaufte sich oberhalb der Schätzung. Insgesamt spielte die Privatsammlung 30 Millionen Pfund ein. Ein erster Teil der Sammlung, war im Oktober in Hongkong versteigert worden und brachte 64,4 Millionen Pfund.

    Eine Online-Auktion, die noch bis 13. Dezember offen ist, wird das Gesamtergebnis der Hotung-Sammlung sicher über 100 Millionen Pfund bringen. Insofern ändert sich trotz der guten Londoner Ergebnisse wenig. Höchstpreise werden entweder in Asien mit asiatischen Antiquitäten erzielt oder mit den Meisterwerken der europäischen Geschichte in New York. Kunstfreunde und Marktbeobachterinnen warten gespannt auf die Januar-Auktionen mit Alten Meistern in New York, um zu sehen, ob sich die Preise dort halten.

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