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13.05.2022

10:00

Auktionen in New York

Christie's setzt 1,3 Milliarden in nur einer Woche um

Von: Barbara Kutscher

Ein wildes Tanzbild, ein Skelett und ein amerikanisches Historienbild machen auf Christie's jüngster Abendauktion Furore. Herausragend auch die Ergebnisse der Sammlung Anne Bass.

22 Telefonbieter konkurrierten um das 1976 entstandene Bild, das von Hedgefonds-Manager Bill Perkins für 15,3 Millionen Dollar übernommen wurde. Geschätzt war es auf 150.000 Dollar. Christie's Images Ltd. 2022

Ernie Barnes „The Sugar Shack“

22 Telefonbieter konkurrierten um das 1976 entstandene Bild, das von Hedgefonds-Manager Bill Perkins für 15,3 Millionen Dollar übernommen wurde. Geschätzt war es auf 150.000 Dollar.

New York Ungefähr zur Halbzeit der Abendauktion „20th Century“ bei Christie’s verwandelte sich der sonst wohltemperierte Saal minutenlang in eine Arena. Ernie Barnes“ Bild „The Sugar Shack“ von 1976, das in der Retrospektive des ehemaligen Profi-Sportlers in Los Angeles vor drei Jahren Besucherschlangen anzog, war an der Reihe. Eine fast identische erste Version der sinnlichen Tänzer von 1970 mit den für Barnes typischen überlangen Gliedmaßen war unter anderem durch eine TV-Show berühmt geworden.

22 Telefonbieter hätten Interesse angemeldet, kündigte Auktionator Adrien Meyer das Los an. Aber die kamen gar nicht zum Zuge. Sofort rief Hedgefonds-Manager Bill Perkins in der letzten Reihe „600.000 Dollar!“ in den Saal. Nur wenige Sitzplätze entfernt konterte Dane Jensen, Vertreter der Kunstberatungsfirma Gurr Jones in Los Angeles, im Auftrag seines Kunden mit 700.000 Dollar.

Fast elf Minuten lang duellierten sich die Männer, 8,5 Millionen! 10 Millionen! Schätzten sich hin und wieder ab. Jensens Kunde gab schließlich bei 12,5 Millionen Dollar netto auf. Das von Christie's auf nur 150.000 Dollar geschätzte Bild kostet Perkins 15,3 Millionen Dollar.

Christie’s dritte Abendauktion in dieser Woche brachte am Donnerstag herausragende Ergebnisse. Unter 55 angebotenen Losen, die Impressionismus, Moderne, Abstrakten Expressionismus und Minimalismus abdeckten, blieb nur Georgia O’Keeffes ungewöhnliches Gemälde einer Sonnenblume liegen. Geschätzt war es auf 6 bis 8 Millionen Dollar.

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    Auch das noch vor wenigen Tagen hinzugekommene selten komplette Skelett eines fleischfressenden Dinosauriers (Deinonychus Antirrhopus) aus der frühen Kreidezeit fand vier Bewerber. Ein asiatischer Käufer verdoppelte hier bei 12,4 Millionen Dollar inklusive Aufgeld die Erwartung.

    Das 1851 entstandene Historienbild hing lange im Weißen Haus in Washington. Jetzt wurde von mindestens erwarteten 15 Millionen Dollar auf 45 Millionen Dollar gehoben. Christie's Images Ltd. 2022

    Emanuel Leutze „Washington Crossing the Delaware“

    Das 1851 entstandene Historienbild hing lange im Weißen Haus in Washington. Jetzt wurde von mindestens erwarteten 15 Millionen Dollar auf 45 Millionen Dollar gehoben.

    Insgesamt trug der Abend 831,3 Millionen Dollar zu Christie’s laufenden Wocheneinnahmen bei, die sich - mit noch ausstehenden Tagesauktionen - bisher auf 1,25 Milliarden Dollar summieren.

    Bewährt hat sich auch die Aufnahme wichtiger „Americana“. Man denke nur an das bei Sotheby's versteigerte Manuskript der amerikanischen Verfassung im Herbst. Christie’s bot jetzt Emanuel Leutzes Historienbild „Washington Crossing the Delaware“ (1851) mit einer sehr illustren Ausstellungsgeschichte an.

    Von 1979 bis 2014 hatte das geschichtsträchtige Bild sogar im Weißen Haus in Washington, D.C. gehangen. Vier Bieter hoben es von mindestens erwarteten 15 Millionen Dollar auf 45 Millionen Dollar.

    Der frühe Guss erneuerte bei 41,6 Millionen Dollar den Bestpreis, der seit Juni 2015 bei 15,8 Millionen Pfund (24,8 Millionen Dollar) stand. Christie's Images Ltd. 2022

    Edgar Degas „Petite danseuse de quatorze ans“

    Der frühe Guss erneuerte bei 41,6 Millionen Dollar den Bestpreis, der seit Juni 2015 bei 15,8 Millionen Pfund (24,8 Millionen Dollar) stand.

    Der Abend begann mit zwölf marktfrischen Raritäten aus dem New Yorker Apartment der 2020 verstorbenen Investorin und Philanthropin Anne Bass, Ex-Frau des texanischen Öl-Milliardärs Sid Bass. Dieser wichtigste amerikanische Nachlass der Saison brachte allein 363,1 Millionen Dollar.

    Edgar Degas' berühmte Skulptur „Petite danseuse de quatorze ans“ (Wachsmodell um 1879-1881, Guss 1927), angeboten als einer der frühesten Güsse in Privathand, erneuerte bei 41,6 Millionen Dollar den Bestpreis, der seit Juni 2015 bei 15,8 Millionen Pfund (24,8 Millionen Dollar) stand.

    Für den Dänen Vilhelm Hammershøi (1864-1916) hatte sich Bass schon früh interessiert. „Stue (Interior with an Oval Mirror“) aus dem Jahr 1900 setzte auch hier einen Rekord bei 6,3 Millionen Dollar. Der auf 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar geschätzte Gemälde wurde von einer asiatischen Sammlung übernommen.

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    Christie‘s nimmt für das Skelett eines Dinosauriers mehr ein als für ein Bild von Mark Rothko. Dabei wurde mit einem Preis von höchstens acht Millionen Dollar gerechnet.

    Drei kapitale Bilder von Claude Monet aus der Sammlung Bass brachten allein 168,9 Millionen Dollar ein. Hier faszinierte vor allem die späte Londoner Ansicht „Le Parlement, soleil couchant“ (1900-1903). Neben sieben Telefonen bewarb sich auch der Händler David Nahmad im Saal um das Gemälde. Erst bei 76 Millionen Dollar wurde es an einen Telefonbieter gewiesen. Die Taxe lag bei 40 bis 60 Millionen Dollar.

    „Das Preisniveau am oberen Ende des Marktes ist sehr stark“, resümierte Alex Rotter, Christie’s Chairman 20th and 21st Century Art.

    Mehr: Christie's in New York Andy Warhols Marilyn: Der Hammer fiel schon nach fünf Minuten

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