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20.05.2022

09:03

Auktionen in New York

Investments in großartige Kunst

Von: Barbara Kutscher

Sotheby’s Versteigerungen aktueller Kunst haben am Donnerstagabend 283,4 Millionen Dollar eingespielt. Rekorde gab es für etliche Künstlerinnen.

Es wird wieder live geboten. Rechts außen hängt das Großformat "Night Fell Upon Us Up On Us" von Christina Quarles. Es kostete am Ende 4,5 Millionen Dollar. Quelle: Sotheby's

Sotheby's Auktion "The Now"

Es wird wieder live geboten. Rechts außen hängt das Großformat "Night Fell Upon Us Up On Us" von Christina Quarles. Es kostete am Ende 4,5 Millionen Dollar. Quelle: Sotheby's

New York Die Lust auf Kunst ist unter wohlhabenden und sehr reichen Sammlern ungebrochen. Sotheby’s erzielte mit seinem Format „The Now“ für ganz junge Kunst Donnerstagabend in New York 72,9 Millionen Dollar Umsatz. Die Vorab-Schätzung hatte zwischen 35,9 und 51,9 Millionen Dollar gelegen. Auch nach zwei Wochen ungebremsten Einkaufens konnte das Haus die Zeitgenossen sehr gut absetzen. Da alle 23 Lose verkauft werden konnte, spricht die Szene von einem „White-Glove“-Sale.

Erfolgreich und ganz im Trend liegend setzte Sotheby’s auf eine Schar junger Künstlerinnen. Von einer ganzen Lawine von Geboten wurde das besonders gelungene Großformat „Night Fell Upon Us Up On Us“ von 2019 des Christina Quarles verfolgt. Der kalifornische Superstar wird seit einem Jahr von der Großgalerie Hauser & Wirth vertreten. Durch ihren Auftritt in der Biennale-Schau von Cecilia Alemani ist sie auch in Europa in den Focus gerückt. Ihr neuer Bestpreis liegt nun bei 4,5 Millionen Dollar.

Jennifer Packers zweiteiliges Riesenformat „Fire Next Time“ von 2012 war gerade noch bis April in ihrer wichtigen großen Einzelshow im New Yorker Whitney Museum zu bewundern. Nun absolvierte sie ihr Auktionsdebut bei 2,4 Millionen Dollar. Die Taxe hatte bei 600.000 Dollar gelegen.

Fünf ernstzunehmende Rekorde fielen, darunter erstaunlicherweise auch wieder für den sehr produktiven Matthew Wong (1984-2019). „The Night Watcher“ von 2019 wurde gegen starke Konkurrenz bei 5,9 Millionen Dollar an einen Telefonbieter in Hongkong gewiesen. Erst vor wenigen Tagen beanspruchte Christie’s den Rekord von 5,3 Millionen Dollar für sich. Auch dort war das Großformat „Green Room“ nach Asien gegangen.

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    Im letzten November hatte man an York Avenue zum ersten Mal, sehr erfolgreich die Plattform „The Now“ für ganz junge Künstler abgespalten. Das ist ein Gebiet, auf dem sich bisher Konkurrent Phillips erfolgreich profilierte. Auch in der zweiten Ausgabe traf Sotheby’s qualitätvolles und mit attraktiven Taxen versehenes Angebot auf hier und da enorm lebhaftes internationales Interesse.

    Der gefragte Maler reagiert hier auf ein Selbstporträt von Vincent van Gogh. Es kostete am Ende 9,3 Millionen Dollar. Sotheby's

    Adrian Ghenie „Degenerate Art”

    Der gefragte Maler reagiert hier auf ein Selbstporträt von Vincent van Gogh. Es kostete am Ende 9,3 Millionen Dollar.

    In der anschließenden „Contemporary”-Auktion ging es bedächtiger zu. Zwar wurden alle Toplose zugeschlagen, aber oft nur dank des vor der Auktion verhandelten „unwiderruflichen Gebots“. So fiel auch Cy Twomblys Großformat von 1969 aus der „Blackboard”-Serie noch unter der Taxe bei 38 Millionen Dollar an den durch Patti Wong vertretenen Garantiegeber.

    Und auch für Francis Bacons „Study of Red Pope 1962, Second Version 1971“ interessierte sich ein einziger Telefonanbieter. Er bekam den Papst bei 46,3 Millionen Dollar brutto zugesprochen.
    Besser erging es vier Werken von Georg Baselitz aus der bekannten Sammlung des im Januar verstorbenen Unternehmers Hardie Beloff. Mindestens fünf Bieter, darunter auch kurz der Händler Thaddaeus Ropac, bewarben sich um die große gelb gestrichene Skulptur „Dresdner Frauen - Besuch aus Prag“ von 1990. Sie war gerade noch in der Baselitz-Retrospektive im Centre Pompidou gezeigt worden. Sie verdoppelten die höchste Erwartung auf den überzeugenden Rekord von 11,2 Millionen Dollar brutto.

    Die beiden Abendauktionen von Sotheby’s am Donnerstag waren das Schlusslicht einer aufregenden New Yorker Versteigerungsrunde. Mit den Erlösen von 72,9 Millionen Dollar für „The Now“ und 210,6 Millionen Dollar für „Contemporary“ kamen 283,4 Millionen Dollar zum Gesamtergebnis. Das beläuft sich bei Sotheby’s – ohne die Tagesauktionen vom heutigen Freitag - auf über eine Milliarde Dollar.

    Damit steht fest: allein die neun Abendauktionen brachten den drei großen Versteigerern Christie’s, Sotheby’s und Phillips insgesamt 2,4 Milliarden Dollar ein. Christie’s war allein für 1,3 Milliarden Dollar verantwortlich. Aber wie der New Yorker Kunstberater Josh Baer zu bedenken gibt: Eine durchgehende Verkaufsquote nach Losen von über 90 Prozent, auch in den Tagesauktionen der vergangenen beiden Wochen, kann auf einen überhitzten Markt verweisen.

    Teuerster Oldtimer aller Zeiten

    Noch will man davon nichts wissen. Sotheby’s gibt dem Markt, was er braucht an Kunst. Für Oldtimer ist die eigenständige Firma RM Sotheby’s zuständig. Doch weil der Superpreis so gut in die aktuelle Stimmungslage passt, gab Kunst-Auktionator Oliver Barker vor der Auktion einen Rekord bekannt.

    Das Auktionshaus RM Sotheby's hat in Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz einen seltenen Mercedes-Benz 300 - SLR Uhlenhaut Coupe aus dem Jahr 1955 für 135 Millionen Euro an einen Privatmann verkauft. Das ist das teuerste jemals verkaufte Auto. Dieser astronomische Preis passt in die Champagnerlaune der vergangenen beiden Auktionswochen. Der Kunstmarkt beweist wieder mal, dass er sich gegenläufig zur wirtschaftlich-politischen Lage entwickelt.
    Mehr: Christie's, Sotheby's und Phillips: New Yorker Abendauktionen: Trophäen zu Millionenpreisen

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