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28.06.2022

12:34

Auktionsmarkt

Bonhams übernimmt französischen Mitbewerber

Von: Olga Grimm-Weissert

Das britische Auktionshaus Bonhams, das dem Investmentfonds Epiris gehört, bleibt auf Expansionskurs. Soeben erwarb es den Pariser Versteigerer Cornette de Saint Cyr.

Bonhams CEO stellt sich gemeinsam mit Arnaud Cornette de Saint Cyr, Direktor des gleichnamigen französischen Auktionshauses, dem Fotografen. Bonhams

Bruno Vinciguerra (li.) und Arnaud Cornette de Saint Cyr

Bonhams CEO stellt sich gemeinsam mit Arnaud Cornette de Saint Cyr, Direktor des gleichnamigen französischen Auktionshauses, dem Fotografen.

Paris Seit September 2021 versteigert Bonhams in Paris. Heute nun gibt das britische Unternehmen die Akquisition des französischen Auktionshauses Cornette de Saint Cyr bekannt. Anfang dieses Jahres hatte Bonhams bereits das schwedische Haus Bukowski erworben; im März folgten die Übernahmen des dänischen Versteigerers Bruun Rasmussen und des US-Hauses Skinner.

Das 1973 von Pierre Cornette de Saint Cyr gegründete französische Auktionshaus residiert seit 2014 in einem angemieteten, zweistöckigen Stadtpalais in der vornehmen Avenue Hoche beim Triumphbogen. Dort schwingen die Söhne Arnaud und Bertrand de Saint Cyr den Hammer für die freiwilligen und die Zwangsversteigerungen.

Demnächst wird sich das 15-köpfige Team von Cornette de Saint Cyr das sorgsam renovierte Haus mit seinen 1600 Quadratmetern mit den 35 Mitarbeitern von Bonhams teilen. Ergänzend verfügen die jetzt unter dem Namen Bonhams Cornette de Saint Cyr geführten Häuser über die Brüsseler Räume von Cornette de Saint Cyr. Bonhams beschränkte sich bisher auf das „Sourcing“, also die Warenbeschaffung, während Cornette de Saint Cyr in Brüssel versteigert und bis Luxemburg aktiv ist.

Im Vorjahr betrugen die Jahresumsätze 35 Millionen Euro für Cornette de Saint Cyr und 28,4 Millionen für Bonhams. Vor 2021 punktete Bonhams in Paris nur auf dem Automobilsektor.

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    Die finanziellen Bedingungen der Transaktion werden nicht kommuniziert. Darauf bestehen sowohl der CEO von Bonhams, der Franko-Amerikaner Bruno Vinciguerra, als auch Direktor Arnaud Cornette de Saint Cyr. Die 1966 geborene Auktionatorin Catherine Yaiche, Generaldirektorin von Bonhams France, führt das Haus seit zehn Jahren.

    Das neue Auktionshaus wird das Duo Yaiche/Cornette leiten. Zufrieden erwähnt Yaiche dem Handelsblatt gegenüber die Expansions-Strategie des englischen Hauses, dessen Team innerhalb des letzten Jahres von fünf auf 35 Mitarbeiter anwuchs.

    Das 1973 gegründete französische Auktionshaus residiert seit 2014 in einem angemieteten, zweistöckigen Stadtpalais in der vornehmen Avenue Hoche beim Triumphbogen. Cornette de Saint Cyr

    Das Domizil von Cornette de Saint Cyr in Paris

    Das 1973 gegründete französische Auktionshaus residiert seit 2014 in einem angemieteten, zweistöckigen Stadtpalais in der vornehmen Avenue Hoche beim Triumphbogen.

    Der 1963 bei Paris geborene Bruno Vinciguerra steuert Bonhams von seinem Büro in New York aus. Er erklärt dem Handelsblatt seine strategischen Pläne im Gespräch in Paris: „Bereits als ich von New York aus Sotheby’s managte war es klar, dass Frankreich ein wichtiger und ausbaufähiger Markt ist. Die Kunden lieben Paris!“ Bonhams sei außerdem mit den – von ihm systematisch ausgebauten – digitalen Versteigerungen global präsent. 2018 hätten rund 10 Prozent der Auktionen digital stattgefunden, in diesem Jahr würden es 50 Prozent.

    Vinciguerra zufolge fährt Bonhams eine doppelte Strategie: „Wir sind weltweit physisch mit insgesamt 14 Auktionshäusern präsent. Aber da die Leute heute digital vernetzt sind, offerieren wir immer beide Möglichkeiten, Online und physische Präsenz. Und zwar bewusst auch im unteren und mittleren Preissegment, ab 1000 bis 10.000 Euro.“ Hinzu kämen Sammlungen, die Bonhams gut am Markt positionieren oder Oldtimer für mehrere Millionen.

    Bonhams gilt als „schlafende Schönheit“

    Durch die letzten Ankäufe sind die von Bonhams angebotenen Marktsegmente auf 53 verschiedene Gebiete angewachsen. Cornette de Saint Cyr etwa beschert Bonhams Comics-Auktionen.

    Vinciguerra diskutiert natürlich jede Neuakquisition eines Auktionshauses mit dem „Board“ des Investmentfonds Epiris, der ihm finanzielle Freiheit lässt. Er meint, die Entscheidung, Bonhams im Jahr 2018 anzukaufen, sei wegen des Entwicklungspotentials dieser „schlafenden Schönheit“ gefallen. Sie sei seit 1793 als eine solide Marke bekannt.

    Vinciguerra hatte früher leitende Funktionen bei Bain & Compagnie, Disney, Sotheby’s (2007–2015) und Dell. Seit 2020 baut er Bonhams als CEO systematisch aus. Er glaubt an ein junges, glaubwürdiges und kompetentes Team von Spezialisten, das Authentizität garantieren muss.

    Auktionsmarkt: Bonhams expandiert nach Skandinavien

    Auktionsmarkt

    Bonhams expandiert nach Skandinavien

    Das britische Auktionshaus Bonhams hat den schwedischen Mitbewerber Bukowskis übernommen. Die Akquise soll Bonhams mehr Gewicht in Europa geben.

    In Asien unterhält Bonhams Büros in Hongkong; in Australien ist das Unternehmen in Sydney ansässig. Versteigern will Vinciguerra vorläufig nicht in Asien, obwohl bereits 33 Prozent der weltweiten Kunden Asiaten sind.

    Im Gegensatz zur Konkurrenz des Duopols Christie’s und Sotheby’s, das immer mehr Privatverkäufe tätigt, will Vinciguerra in erster Linie das Auktionssystem weiter entwickeln. Dabei ist sein persönlicher Einsatz weit vom Starsystem seiner CEO-Kollegen entfernt.

    Pragmatisch isst Vinciguerra seinen Salat rasch im Büro; auch ist er auf keinem Foto der Luxusrevue „Bonhams Magazine“ zu sehen. Dabei ist er sich bewusst, welche Bedeutung die Kundenbetreuung an der Spitze der Hierarchie der Auktionshäuser hat. Schließlich schuf der charmante, heute 83-jährige Pierre Cornette de Saint Cyr „die Marke Cornette“, wie sein Sohn Arnaud strahlend hervorhebt.

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