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24.11.2022

14:07

Auktionswoche

Christie’s nimmt in New York mehr als zwei Milliarden Dollar ein

Von: Barbara Kutscher

Dem letzten Abend dieser denkwürdig erfolgreichen Versteigerungswoche fehlt der Elan. Das Gros der Lose schlägt Christie’s zu niedrigen Taxen zu. Insgesamt stehen aber hohe Einnahmen in den Büchern.

Aufgerufen bei 60.000 Dollar schnellte das Bild „One-On-None“ (1979) auf 945.000 Dollar hoch. Christie's Images Ltd. 2022

Ernie Barnes

Aufgerufen bei 60.000 Dollar schnellte das Bild „One-On-None“ (1979) auf 945.000 Dollar hoch.

New York Christie’s Abendauktionen „20th Century“ und „21st Century“ bildeten am 17. November die Schlusslichter von zwei spektakulären Versteigerungswochen. In ihnen wurde so viel Kunst wie noch nie verkauft. Allein Christie’s verbuchte Einnahmen von mehr als zwei Milliarden Dollar. Sehr gute Umsätze machten auch die anderen Häuser (Bericht folgt).

Nun addierte Christie’s Auktionator am Rockefeller Center gestern Nacht nochmals insgesamt 421,97 Millionen Dollar für 104 verkaufte Werke. Das Ergebnis traf mitten in die Erwartungen. Es gab acht Rekorde; acht Werke kletterten über die 10-Millionen-Dollar-Marke, und Bieter aus 24 Ländern waren aktiv.

Das täuschte nicht darüber hinweg, dass dem Abend der Elan fehlte. „Es ist ein solides Ergebnis und wir sehen immer noch Stärke im Markt. Aber als letzte Veranstaltung trafen wir auf viel Gegenwind. Der Markt ist selektiver geworden. Das spiegelt auch, wie viel Geld in diesen Wochen bereits für Kunst ausgegeben wurde“, so CEO Guillaume Cerutti.

Im Vorfeld musste Christie’s die Reserven herunter verhandeln. Das Gros der Lose wurde um die niedrigen Taxe oder sogar darunter zugeschlagen.

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    Zu den wenigen begeisternden Werken gehörte das in lebhaften Rottönen gehaltene Gemälde „I See Red: Talking to the Ancestors“ (1994) von Jaune Quick-To-See Smith (82). Es konnte seine höchste Erwartung auf 642.600 Dollar vervielfachen. Die sehr bekannte Künstlerin, die Native American ist, wurde zum ersten Mal von Christie’s angeboten.

    Das von Rashid Johnson zugunsten eines wohltätigen Zwecks gestiftete Werk, „Surrender Painting „Sunshine“ (2022), sorgte bei 2,94 Millionen Dollar ebenfalls für einen Rekord. Hier griff die New Yorker Kunstberaterin Deborah Robinson zu.

    Am letzten Versteigerungsabend nimmt Christie's noch einmal über 420 Millionen Dollar für 104 verkaufte Werke ein. Christie's Images Ltd. 2022

    Christie's Auktionatorin Georgina Hilton am 17. November 2022

    Am letzten Versteigerungsabend nimmt Christie's noch einmal über 420 Millionen Dollar für 104 verkaufte Werke ein.

    Auch an dem in New York lebenden geborenen Pakistani Salman Toor können sich Sammler nicht sattsehen. Sotheby’s schaffte gestern mit dem wichtigen Gemälde „Four Friends“ von 2019 bei 1,65 Millionen Dollar seinen neuen Rekord. Bei Christie’s sprang Toors 2019 entstandenes Bild „4 Guests“ von einer sehr niedrig angesetzten Taxe von höchstens 180.000 Dollar auf 856.800 Dollar.

    Auch der Schwarze Maler Ernie Barnes (1938-2009) war vertreten: und zwar mit einem für ihn typischem Thema, das sich um den Basketball-Sport dreht. Vom Aufruf bei 60.000 Dollar schnellte das Bild „One-On-None“ (1979) auf 945.000 Dollar hoch.

    Unter den vier Bietern war auch sein New Yorker Galerist Andrew Kreps auszumachen, der angeblich für einen Kunden bot. Im Mai war Barnes durch ein spektakuläres Duell um „The Sugar Shack“ schlagartig bekannt geworden. Es endete erst bei 15.3 Millionen Dollar.

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    Das Highlight des Abends, Jean-Michel Basquiats intensiv farbiges Gemälde „Sugar Ray Robinson“ (1982), erfüllte dagegen nicht die (unveröffentlichte) Erwartung von 35 Millionen Dollar. Beim letzten Auktionsauftritt im November 2007 hatte es 7,3 Millionen Dollar gekostet. Zwei Telefonbieter bewarben sich um das Bild; der Hammer fiel bereits bei 32,7 Millionen Dollar inklusive Aufgeld.

    Später erklärte Alex Rotter, Christie’s Chairman 20/21 Art Departments: „32 Millionen Dollar sind ein sehr starker Preis. Eigentlich ist es ein 50-Millionen-Dollar-Bild, aber 32 Millionen sind der Preis, den man in der heutigen Situation bekommt“.

    Auch die schöne kommerzielle Landschaft „Untitled III“ von Willem de Kooning, etwa 1978 entstanden, sollte für um 35 Millionen Dollar die Hände wechseln. Obwohl sie 1981 in der wegweisenden Londoner Ausstellung „A New Spirit in Painting“ ausgestellt worden war, stieß sie jetzt auf gar kein Interesse.

    „In dieser Woche waren viele Werke de Koonings auf dem Markt“, spekulierte Cerutti. Christie’s hatte dem Einlieferer eine Garantiesumme gezahlt und ist nun Eigentümer. Aber vielleicht nicht für lange. „Wir haben schon Anrufe erhalten“, freute sich Rotter.

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