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C/O Berlin

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Lars Windhorst ist Sponsor

Ein dauerhafter Standort für Berlins wichtigstes Ausstellungshaus für Fotografie: das Amerika Haus am Zoologischen Garten in Berlin-West.

Ein dauerhafter Standort für Berlins wichtigstes Ausstellungshaus für Fotografie: das Amerika Haus am Zoologischen Garten in Berlin-West.

Immer wieder mussten die Betreiber von C/O Berlin schlechte Erfahrungen mit der Berliner Verwaltung machen, insbesondere während der mühsamen Suche nach einem neuen Domizil. 70 Immobilien habe man geprüft, für mehrere seien detaillierte Nutzungskonzepte entwickelt worden, so erklärt Stephan Erfurt. Für die früheren Ateliergebäude der Kunsthochschule Weißensee im Monbijoupark lag bereits eine feste Zusage des Bezirks Mitte vor, die nach der Kommunalwahl 2012 wieder kassiert wurde. Die funktionalistischen Gebäude aus der DDR-Zeit sind inzwischen abgerissen worden. „In den letzten Jahren sind wir durch ein finanzielles Fegefeuer gegangen“, sagt Erfurt.

Mit dem Unternehmer Lars Windhorst hat C/O Berlin jetzt einen dauerhaften Sponsor gefunden. Seine Förderung soll nicht konkrete Ausstellungsprojekte, sondern den Betrieb des Ausstellungshauses umfassen, das auch ein umfangreiches Bildungsprogramm betreibt. Den Umbau hat die Lotto Stiftung Berlin mit 1,24 Millionen Euro gefördert, die Gesamtkosten lagen bei rund 2,5 Millionen Euro. Der Ausstellungsbetrieb muss mit Hilfe von Förderanträgen und weiteren Sponsoren sowie durch die Einnahmen durch Eintritt und Publikationen finanziert werden. Dass dies alles möglich ist und C/O Berlin rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, erscheint wie ein kulturpolitischer Traum.

Hoffen auf fruchtbare Konkurrenz

Durch die Neueröffnung hat Berlin unversehens einen Hot Spot der Fotografie erhalten. Direkt auf der anderen Straßenseite residieren die Helmut Newton Foundation und das Museum für Fotografie, das in den vergangenen Jahren wenig Strahlkraft entwickelt hat. Vielleicht belebt die Konkurrenz ja nun das Geschäft. In der Kantstraße, zehn Minuten zu Fuß entfernt, zeigt zudem die Galerie Camera Work Ausstellungen namhafter internationaler Fotografen, bei denen es mehr um Chic als um experimentelle Ästhetik geht. Zur Nachbarschaft gehört auch die Universität der Künste, in der die Fotografie allerdings eher ein Schattendasein fristet. C/O Berlin ist ein nicht unbedeutender Mosaikstein bei der Wiederbelebung der Berliner City West.

Zur Neueröffnung zeigt C/O Berlin Ausstellungen, die auf die Geschichte des Standorts und der eigenen Einrichtung bezogen sind. 1958 war der aus den USA stammende Will McBride der erste Fotograf, dessen Arbeiten im seinerzeit neu eröffneten Amerikahaus gezeigt wurde. Seine Aufnahmen aus der Westberliner Nachkriegszeit fingen die Härten der immer noch in Trümmern liegenden Stadt ebenso ein wie die Vitalität und die Zukunftshoffnungen der Menschen, die sich in den neuen, demokratischen Zeiten einzurichten begannen. Und diese Bilder sind jetzt wieder am gleichen Ort zu sehen und neu zu entdecken. Zur Eröffnung war der inzwischen 83-jährige, immer noch in Berlin lebende Fotograf anwesend.

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    Auswahlprozesse bei Magnum

    Die zweite größere Ausstellung bietet einen Einblick in die Arbeitsweise der Pariser Agentur Magnum, deren Retrospektive im Jahr 2000 die Gründungsausstellung von C/O Berlin im Postfuhramt gewesen war. Im Amerikahaus sind jetzt Kontaktbögen von zahlreichen Fotografen der Agentur zu sehen, von Robert Capa und Henri Cartier-Bresson bis zu Thomas Hoepker und Alec Soth. Die Aufnahmen, die zur Vergrößerung und Veröffentlichung markiert wurden, werden zudem in Abzügen daneben gezeigt. Sichtbar werden so die Qualitätsvorstellungen und Auswahlkriterien der Bildredaktionen. Die Ausstellung ist zugleich ein Abgesang auf die analoge Fotografie; mit Kontaktbögen arbeitet im Zeitalter der digitalen Fotografie niemand mehr.

    Mit Arbeiten der jungen Fotografin Luise Schröder, die sich mit den auf Bildern transportierten Mythen der Stadt Dresden auseinander setzt, wird die Reihe „Talents“ fortgesetzt, in der C/O Berlin junge fotografische Positionen präsentiert. Auch künftig wird bei C/O Berlin ein lebendiges Nebeneinander von Retrospektiven, Themenausstellungen und junger Fotografie zu sehen sein. Geplant sind unter anderem Ausstellungen über Sebastiao Salgado, Anton Corbijn und den Filmklassiker „Blow up“ von Michelangelo Antonioni.

    „Will McBride“, „Magnum Contact Sheets“, „Luise Schröder“ bis 16. Januar 2015, C/O Berlin, Amerikahaus, Hardenbergstr. 22-24, Berlin; tägl. von 11 bis 20 Uhr.

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