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14.06.2022

09:39

Christie's New York

Gebremster Zuspruch für die Altmeister aus der Sammlung von Àlvaro Saieh

Von: Barbara Kutscher

Zu hohe Erwartungen und zu früh wieder auf dem Markt: Die Zugkraft der bei Christie's versteigerten „Alana”-Sammlung wurde überschätzt.

Das Täfelchen mit den Heiligen Dominikus und Franziskus (um 1439) aus der „Alana”-Sammlung erzielte die erwarteten 4,74 Millionen Dollar mit Aufgeld (Ausschnitt aus einem schmalen Hochformat). Christie's Images Ltd. 2022

Fra Angelico

Das Täfelchen mit den Heiligen Dominikus und Franziskus (um 1439) aus der „Alana”-Sammlung erzielte die erwarteten 4,74 Millionen Dollar mit Aufgeld (Ausschnitt aus einem schmalen Hochformat).

New York Fachleute konnten die sehr durchwachsenen Ergebnisse auf Christie’s Altmeisterauktionen nicht überraschen. Am 9. Juni 2022 rief das Haus 54, überwiegend italienische Gemälde, aus der „Alana”-Sammlung des chilenischen Unternehmers Àlvaro Saieh auf. Um sie hatte sich auch die Konkurrenz beworben. Die Tranche sollte allein mindestens 30 Millionen Dollar einspielen.

Die Zugkraft der „Alana”-Sammlung, die der Öffentlichkeit zum ersten Mal im Herbst 2019 in einer vielbeachteten Show im Pariser Musée Jacquemart-André vorgestellt wurde, wurde überschätzt. Saieh gehörte seit den 1990er-Jahren zu den wichtigsten Käufern von Goldgrundgemälden des italienischen Trecento, erweiterte sein Interesse dann auch auf den Barock.

Bereits kurz vor der Auktion wurden 19 von 54 Losen zurückgezogen. Diese Strategie soll den Markt bei geringem Interesse schützen. Von den verbliebenen 35 Werken fanden nur 22 zu insgesamt 19,4 Millionen Dollar mit Aufgeld Abnehmer.

Laut Händlereinschätzung waren die Lose mit zu hohen Erwartungen an den Start gegangen. Sie orientierten sich oft an Saiehs Einstandspreisen. Vieles kam auch viel zu früh wieder auf den Markt.

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    Christie’s Marketing-Bemühungen, auch an Sammler zeitgenössischer Kunst zu appellieren, zahlten sich offenbar kaum aus. Im Auktionssaal fanden kunsthistorisch bedeutende Werke Abnehmer, darunter Fra Angelicos vor knapp zehn Jahren wiederentdecktes Täfelchen mit den Heiligen Dominikus und Franziskus (um 1439). Es erlöste – in ungewöhnlich guter Erhaltung – die erwarteten 4,74 Millionen Dollar mit Aufgeld.

    Auch Orazio Gentileschis anrührende „Madonna mit Kind“ (um 1607) erzielte – allerdings knapp unter der Erwartung – 4,44 Millionen Dollar mit Aufgeld. Saieh hatte 2007 in London 2,04 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 4,2 Millionen Dollar, gezahlt.

    Die Kopie nach dem berühmten Vorbild aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien fand bei 2,58 Millionen Dollar inklusive Aufgeld einen Abnehmer. Das Gemälde kam in der regulären Auktion am 10. Juni zum Aufruf (Ausschnitt). Christie's Images Ltd. 2022

    Pieter Brueghel d. Jüngere „Turmbau zu Babel“

    Die Kopie nach dem berühmten Vorbild aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien fand bei 2,58 Millionen Dollar inklusive Aufgeld einen Abnehmer. Das Gemälde kam in der regulären Auktion am 10. Juni zum Aufruf (Ausschnitt).

    „Wir sind stolz darauf, dass wir diese außergewöhnliche Sammlung präsentieren durften“, kommentierte ein Christie’s -Sprecher. „Und obwohl die Auktion nicht ganz unsere Erwartungen erfüllte: Die Bedeutung, Schönheit und enzyklopädische Natur der Sammlung sind in Asien, Europa und den USA auf große Bewunderung gestoßen.“ Der breitere Markt für Alte Meister werde weiterhin von passionierten Sammlern rund um den Globus stark unterstützt.

    Am nächsten Tag ergänzte eine reguläre Auktion gemischter Einlieferer 60 „Old Masters“, vor allem holländische, flämische und französische Künstler, deren Preise im oberen Mittelmarkt angesiedelt sind. Sie wurden zu 77 Prozent abgesetzt und spielten 14,43 Millionen Dollar ein.

    Das 1612 gemalte Stillleben aus der Sammlung des Bankiers J. E Safra wurde für 1,5 Millionen Dollar mit Aufgeld verkauft. Christie's Images Ltd. 2022

    Clara Peters „Rosen, Lilien, Iris und andere Blumen“

    Das 1612 gemalte Stillleben aus der Sammlung des Bankiers J. E Safra wurde für 1,5 Millionen Dollar mit Aufgeld verkauft.

    Vor allem im Preisbereich bis zu 500.000 Dollar war das Interesse stark. Aber auch eines der Highlights, eine Kopie des berühmten Bildes „Turmbau zu Babel“ fand bei 2,58 Millionen Dollar inklusive Aufgeld einen Abnehmer. Das Vorbild schuf Pieter Brueghel d. Ältere. Es befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Die Taxe für die von Pieter Brueghel d. Jüngeren geschaffene Kopie lag bei 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar.

    Die selten angebotene Antwerpenerin Clara Peeters war ebenfalls erfolgreich. Sie hat sich ungewöhnlich früh auf Stillleben spezialisiert und wird heute von Museen begehrt. Ihre „Rosen, Lilien, Iris und andere Blumen“ (1612) aus der Sammlung des Bankiers J. E Safra wurden zur unteren Taxe bei 1,5 Millionen Dollar mit Aufgeld verkauft.

    Besonders lebhaft wurden Marmorwerke im gut bestückten und als unterbewertet geltenden Skulpturenangebot verfolgt. Mindestens fünf Bieter bewarben sich um die superbe, farbig gefasste Kalksteinfigur des Heiligen Rochus, die um 1500 für das Hospiz Hôtel-Dieu im französischen Issoudun geschaffen wurde und seit 1906 zum ersten Mal auf den Markt kam. Sie wurde von erwarteten 25.000 Dollar auf fast 600.000 Dollar katapultiert.

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