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30.06.2022

14:56

Christie's und Sotheby's

Auktionen in London: Über 200 Millionen Pfund in wenigen Stunden

Von: Stephanie Dieckvoss

Francis Bacon und Yves Klein, Jeff Koons und Gerhard Richter erzielten in London hohe Preise. Insgesamt schnitt Christie‘s diese Woche besser ab als Sotheby‘s.

Die Ansicht von Waterloo erzielte mit Aufgeld 30 Millionen Pfund. Sie hing die letzten zehn Jahre als Leihgabe im Kunstmuseum im Basel. Christie's Images Ltd.

Claude Monet

Die Ansicht von Waterloo erzielte mit Aufgeld 30 Millionen Pfund. Sie hing die letzten zehn Jahre als Leihgabe im Kunstmuseum im Basel.

London Es gibt weiterhin viel Geld auf der Welt, was bei den Auktionen in London zu neuen Höchsteinnahmen führt. Und das trotz eines Kunstmarathons mit Sommerausstellungen und Kunstmessen.

Christie’s Abendauktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts spielte 181 Millionen Pfund ein , 60 Millionen mehr als die entsprechende Auktion im Vorjahr. Dazu addieren sich eine Marc Chagall-Auktion mit 20 Arbeiten aus dem Nachlass, die zu 100 Prozent verkauft wurde und 9,7 Millionen brachte sowie der in London live übertragene Pariser Teil der Abendauktion. Deren 25 Lose spielten nochmals 13,1 Millionen Pfund ein: 204 Millionen Pfund Umsatz in wenigen Stunden.

Getragen wurde die Abendauktion, in der 92 Prozent der Lose einen Käufer fanden, von schwergewichtigen Toplosen. Die erwartet man nur in New York. Gleich zwei Gemälde von Claude Monet kamen zum Aufruf. Ein Seerosenbild und eine Ansicht von Waterloo erzielten beide mit Aufgeld jeweils 30 Millionen Pfund. Die Stadtansicht hing die letzten zehn Jahre als Leihgabe im Kunstmuseum im Basel.

Sie wurde aus dem Nachlass der Anfang des Jahres verstorbenen New Yorker Sammlers Paul Bulova Guilden verkauft. Drei Bieter waren an der Arbeit, die auf 22 bis 32 Millionen Pfund geschätzt war, interessiert. Monets auf 1907 datierte Seerosenbild aus Giverny war zuletzt 2006 für 11,2 Millionen Dollar in New York versteigert worden; ein guter Gewinn für den Einlieferer.

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    Ein Fest für die Augen war die über drei Meter lange „Anthropometrie“ von Yves Klein, die Abdrücke von gleich acht Körpern im berühmten Yves Klein-Blau im Zuge einer Körperperformance festhält. Auf circa 25 Millionen Pfund geschätzt, spielte sie 27,2 Millionen Pfund ein. Sie ging an einen Kunden es amerikanischen Spezialisten Alex Rotter.

    Das über drei Meter lange Bild ist das Ergebnis einer Körperperformance. Auf circa 25 Millionen Pfund geschätzt, spielte es 27,2 Millionen Pfund ein. Christie's Images Ltd.; VG Bild-Kunst, Bonn 2022

    Yves Klein „Anthropometrie“

    Das über drei Meter lange Bild ist das Ergebnis einer Körperperformance. Auf circa 25 Millionen Pfund geschätzt, spielte es 27,2 Millionen Pfund ein.

    Christie’s konnte fünf Lose über 10 Millionen Pfund verkaufen. Die spielten allein knapp 120 Millionen Pfund ein, um die 66 Prozent des Gesamterlöses der Auktion. René Magrittes „Souvenir de Voyage“ von 1962/63 erzielte mehr als das Doppelte der Schätzung von 5 bis 7 Millionen Pfund. Zwei Bieter trieben den Preis auf 17 Millionen Pfund für das nur 40 x 30 Zentimeter große Bild hoch. Die Attraktivität des Surrealisten ist weiterhin ungebrochen.

    Knapp über 10 Millionen Pfund erbrachte ein monumentaler Ballon-Affe von Jeff Koons. Er wurde von dem dänischen Galeristen Jens Faurschou gekauft. Die Stahlskulptur war von dem ukrainischen Großsammler Viktor Pinchuk und dessen Frau gestiftet worden. Der Erlös kommt humanitären Projekten in der Ukraine zugute.

    Insgesamt waren wieder vermehrt Skulpturen zu sehen, so bei beiden Häusern Arbeiten von Henry Moore und Barbara Hepworth, dem begehrten Tierbildhauer Rembrandt Bugatti und Jean Arp.

    Sotheby’s brachte das teuerste Los der Saison ins Rennen. Francis Bacons Porträt des Malerfreundes Lucian Freud verkaufte sich für 43,4 Millionen Pfund. 1964 geschaffen, kommt es zum ersten Mal in 50 Jahren auf den Markt und wurde oberhalb der Schätzung von 35 Millionen Pfund einem Telefonbieter zugeschlagen. Der Preis stellt einen Weltrekord für ein Einzelbild des Malers dar. Verkauft wurde es als Teil der Jubiläumsauktion mit britischer Kunst zu Ehren der Königin.

    Der monumentale Ballon-Affe Knapp aus der Sammlung Pinchuk kam auf über 10 Millionen Pfund. Der Erlös kommt humanitären Projekten in der Ukraine zugute. Christie's Images Ltd.

    Jeff Koons

    Der monumentale Ballon-Affe Knapp aus der Sammlung Pinchuk kam auf über 10 Millionen Pfund. Der Erlös kommt humanitären Projekten in der Ukraine zugute.

    Das Konzept führte Sotheby’s Direktor James Sevier zufolge zu 75 Prozent der Einlieferungen. 33 Lose, von Thomas Gainsborough bis zu Damien Hirst, brachten bei einer Verkaufsrate von nur 79 Prozent 72,3 Millionen Pfund ein.

    Wieder in den Markt gebracht wurde das Porträt von Gerda Boehm von Frank Auerbach, das in der David Bowie-Nachlass-Auktion einen Rekordpreis von 3,8 Millionen Pfund erzielt hatte. Die 4,1 Millionen Pfund stellen zwar nun wieder einen Rekordpreis dar. Aber der Einlieferer hat mit Aufgeld wohl kaum Gewinn erzielt.

    In der Hauptauktion schafften es bei Sotheby‘s drei Arbeiten gerade so über die 10 Millionen Marke. Am unteren Rande der Schätzung fand ein spätes Selbstporträt von Andy Warhol für 12,7 Millionen Pfund einen Käufer.

    Schwere Verluste für Sotheby's

    Stark behauptete sich eine atmosphärische Wolkenstudie von Gerhard Richter von 1970, die bei einer Schätzung von 6 bis 8 Millionen Pfund 11,2 Millionen Pfund einspielte. Gleich fünf Bieter wollten sich die Arbeit sichern, die an einen Kunden von Sotheby‘s Amerika-Chefin Lisa Dennison ging, unterboten von dem Berater Francis Outred.

    Trotz der verkauften 76,7 Millionen Pfund in der Abendauktion musste insbesondere Sotheby’s schwere Verluste hinnehmen. Die Verkaufsrate von 80 Prozent lag weit unter der vom Mitbewerber Christie’s.

    Unverkauft blieb das seltene, erste Selbstporträt von Ernst Ludwig Kirchner von 1907, das kein einziges Gebot auf sich ziehen konnte. Die erwarteten 8 bis 12 Millionen Pfund waren zu hochgesteckt. Die kunsthistorische Bedeutung des Werkes setzte sich nicht in Bieterlaune um. Woran das lag, konnte nach der Auktion auch Helena Newman, Chefin von Sotheby’s Europa, nicht erklären. In der Pressekonferenz betonte sie, dass die Arbeit dennoch bedeutsam sei und sicher einen Käufer finden werde.

    Fünf Bieter konkurrierten um diese atmosphärische Wolkenstudie von 1970, die bei einer Schätzung von 6 bis 8 Millionen Pfund 11,2 Millionen Pfund einspielte. Sotheby's

    Gerhard Richter

    Fünf Bieter konkurrierten um diese atmosphärische Wolkenstudie von 1970, die bei einer Schätzung von 6 bis 8 Millionen Pfund 11,2 Millionen Pfund einspielte.

    Das hilft allerdings den Einlieferern wenig, vor allem, da die Arbeit im Einvernehmen zwischen dem aktuellen Besitzer des Bildes und den Erben des jüdischen Sammlers Hugo Simon, dem die Arbeit ursprünglich in den 1930er-Jahren gehörte, verkauft werden sollte.

    Daraus wird vorerst nichts. Das ist für die Erbengruppe besonders bitter, da schon im letzten Jahr bei Christie’s ein an sie restituiertes Bild nicht verkauft wurde. Das war das Gemälde „Vier Akte in Landschaft“ von Hermann Max Pechstein . Es war bei einer Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Pfund unverkauft geblieben. Während sich vor allem die eher abstrakte deutsche Moderne recht gut schlägt, kann man die Preise für Expressionisten nicht immer weiter in die Höhe treiben.

    An hohen Schätzungen scheiterte auch ein Foto von Andreas Gursky: die erwarteten 800.000 bis 1,2 Millionen für die Chicagoer Börse waren einfach zu hoch. Der Markt für Fotografie wird sich wohl erst nach einer Preiskorrektur nach unten wieder beleben. Auch der Markt für Damien Hirst ist merklich abgekühlt. Bei Sotheby’s blieben gleich beide Arbeiten unverkauft.

    Millionen für ein Bild von August Strindberg

    Der Markt für Klassiker von Claude Monet zu Andy Warhol behauptet sich allerdings. Daneben sind weiterhin frische und oftmals eher niedrig bewertete Arbeiten von Künstlern, die man eher selten sieht, gefragt.

    So verbuchten Nicolas de Staël und Jean Hélion bei Christie’s in Paris gute Preise, aber auch der Maler und Schriftsteller August Strindberg, dessen „Welle V“ von 1901 anstelle der 2 bis 3 Millionen Pfund bei Sotheby’s 6,8 Millionen Pfund einspielte. Und dann gibt es natürlich immer noch die Jungen. Dieses Jahr sind es Simone Leigh und Stanley Whitney, die heiß begehrt sind. Das nennt man den Venedig-Effekt. Der ist allerdings im nächsten Jahr wahrscheinlich schon wieder vorbei.

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