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18.11.2021

13:00

Cologne Fine Art & Design

Rundgang über die Antiquitätenmesse: Augenweiden für den Hausgebrauch

Von: Susanne Schreiber

Außereuropäische Kunst, Alte Kunst, Lampen und Design versprühen auf der Messe in Köln Lebensfreude und Stil.

Pier Luigi Giordani könnte diesen Glastisch entworfen haben, dessen verkreuzter Fuß wie Knochen aussieht, aber aus – restauriertem – Pappmaché besteht. Cologne Fine Art & Design

Stand von „meinweiß Home“

Pier Luigi Giordani könnte diesen Glastisch entworfen haben, dessen verkreuzter Fuß wie Knochen aussieht, aber aus – restauriertem – Pappmaché besteht.

Köln Die 51. „Cologne Fine Art & Design“ (Cofa) sieht nach der coronabedingten Pause von 2020 frischer und besser aus als zuvor. Daniel Hug, seit 2009 Direktor der benachbarten Messe Art Cologne, leitet nun beide Messen: „Sie ergänzen sich, vermischen sich aber nicht.“ Die nur online zu erwerbenden Tickets der einen Messe gelten auch bei der anderen; die Wege zwischen den Hallen 3 und 11 sind kurz.

Die substanziell verstärkte Abteilung Design verzichtet auf Oldtimer und versammelt internationale Aussteller mit attraktivem Programm. Die Cofa-Mischung von Bildern, Skulpturen mit Uhren, Lampen und Möbeln von der Antike bis heute ist gelungen. Nicht alle, aber eine Reihe von kuratierten Cofa-Ständen genügen höchsten Ansprüchen.

Allen voran „The Showroom“ – die Abteilung, in der alle Aussteller Kunst unter 5000 Euro beisteuern. So packend und hochwertig sah dieser Schwerpunkt noch nie aus. Einen Hingucker lieferte Dr. Schmitz-Avila: einen schwingenden Polstersessel von 1835 mit Federstahl, der verblüffend modern und wie ein Kunstobjekt wirkt. Er soll 3500 Euro kosten.

Konzipiert hat die Augenweide Showroom der Sammler, Händler und Forscher Sebastian Jacobi aus Bad Ems. Der Gemeinschaftsstand „Vienna 1900“ kombiniert sechsstellig bezifferte Egon-Schiele-Aquarelle der Galerie WK mit Mobiliar des Wiener Art déco, das die Galerie bei der Albertina beisteuert.

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    Die aus der Schweiz angereisten Händler Dierk Dierking und Jean-David Cahn konfrontieren griechische antike Torsi gekonnt mit den minimalistischen Stahlskulpturen von Otto Boll. Dierking bereitet an seinem Stand zusätzlich der Bildhauerin Christiane Löhr einen großen Auftritt. Löhr schafft aus fragilen Pflanzen Skulpturen, die dem Urthema der Plastik, Lasten und Tragen, die Leichtigkeit des Seins verleiht. Zu haben für Preise zwischen 10.000 und 24.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer).

    Auf dem Stand von Dr. Schmitz-Avila ist unter den Möbeln des 18. Jahrhunderts auch ein schwingender Polstersessel von 1835 zu entdecken, der verblüffend modern wirkt. Cologne Fine Art & Design

    Fachsimpelei auf der Cologne Fine Art & Design

    Auf dem Stand von Dr. Schmitz-Avila ist unter den Möbeln des 18. Jahrhunderts auch ein schwingender Polstersessel von 1835 zu entdecken, der verblüffend modern wirkt.

    Großartige Skulptur lockt auch bei Remco van Leeuwen und bei Viebahn. Der Holländer wartet mit einem wilden Reiter auf: Das Ross galoppiert, der Mantel fliegt bauschig hoch, der Reiter kämpft: Es ist der Heilige Jakobus im Kampf gegen die Mauren. Die um 1600 in Spanien geschnitzte Nussbaumfigur soll 65.000 Euro kosten.

    Einen neoklassizistischen Bogenschützen von Ernst Moritz Geyger hat Viebahn aus Worpswede als Showstopper positioniert. Eine Aufwertung des Selbstgefühls erlebt, wer sich in einem schweren goldenen Spiegel mit antiker Symbolik betrachtet. Dieses russische Luxusobjekt gibt Viebahn für 28.500 Euro ab.

    Wer weniger tief in die Tasche greifen möchte, findet japanische Netsuke ab 350 Euro bei Hans-Martin Schmitz. André Kirbach zeigt an seinem fein austarierten Stand Zeichnungen von Hans Koch für unter 2000 Euro.

    Ganz ausgefallene Werke aus Italien der Zeit zwischen 1938 und 1942 bietet der Stand von „meinweiß Home“. Pier Luigi Giordani könnte einen Glastisch entworfen haben, dessen verkreuzter Fuß wie Knochen aussieht, aber aus – restauriertem – Pappmaché besteht. Dieser Tisch ist eine raumbeherrschende Skulptur. Dafür erwartet Sebastian Jakobi 54.000 Euro. Ebenfalls aus Mailand stammen bei ihm elegant beschwingte Polstersessel der 1940er-Jahre mit hoher Lehne.

    Zum ersten Mal stellt der von Berlin aus agierende Innenarchitekt Gisbert Pöppler unter seinem Namen, ohne Galerie aus. Beim Esstisch „Kayak“ für 45.220 Euro ruht die ovale Holzplatte auf farbig lackierten Stahlfüßen. Der Designer hat viel Gefühl für perfekt abgestimmte Lachs-, Rot- und Blautöne. Sie verorten die Möbel im Heute und strahlen Fröhlichkeit und Leichtigkeit aus. Die können alle Besucher der bis Sonntag laufenden Messe gut gebrauchen.

    Mehr: Antiquitäten in München: Kunstmesse Highlights: Neustart mit Zuversicht

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