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27.05.2021

18:48

Deutscher Kulturförderpreis – Kleine Unternehmen

Wie Steuerberater Dresdens Kunstbiennale fördern

Von: Regine Müller

Die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Schneider + Partner fördern und begleiten auch organisatorisch umfassend die Kunstbiennale Ostrale in Dresden.

Performance mit dem Künstler und der Installation „Bubenballett2“ von Michael Kalmbach. Peter Fischer

Ostrale 2019

Performance mit dem Künstler und der Installation „Bubenballett2“ von Michael Kalmbach.

Dresden Die 13. Ausgabe der „Ostrale“ steht unmittelbar bevor und die mittlerweile optimistisch stimmende Entwicklung der Pandemie lässt hoffen, dass die Kunstausstellung wie geplant vom 3. Juli bis 1. Oktober stattfinden wird. Direktorin Andrea Hilger berichtet: „Wir bauen jetzt schon auf. Aber wegen der Reisebeschränkungen und der ganzen Unwägbarkeiten ist es noch komplizierter als sonst.“

Hilger ist bildende Künstlerin aus Dresden, arbeitete lange Zeit frei im Theaterbereich und kehrte 2005 nach Dresden zurück: „Damals gab es hier überhaupt keine Plattform für zeitgenössische Kunst“, erzählt sie. Mittlerweile ist die Ostrale Biennale in Dresden die drittgrößte internationale Ausstellung für zeitgenössische Künste in Deutschland, seit 2007 findet sie jährlich in den Sommermonaten statt und ging 2017 zum Biennale-Rhythmus über.

Dresden gilt zwar als Kunststadt von internationalem Rang, aber die Stadt mit der barocken Silhouette steht für die Kunst der glanzvollen Vergangenheit, für August den Starken, das Grüne Gewölbe, den Wiederaufbau der Frauenkirche und die Gemäldegalerie mit ihrer einzigartigen Sammlung. Die zeitgenössische Kunst hat es dagegen schwer, zumal auch die Ostrale bis heute keinen dauerhaften Standort gefunden hat.

Die Biennale verstand sich zunächst als Raumpionier und bespielte leer stehende Industrie- und Kulturbrachen. Bislang fanden die Ausstellungen an verschiedenen Orten des ehemaligen Schlachthofkomplexes im Ostragehege statt; 2019 fungierten die historische Tabakfabrik f6 und weitere fünf dezentrale Standorte als Ausstellungsorte für mehr als 30.000 Besucher.

In diesem Jahr bespielt die Ostrale unter anderem einen spektakulären Ort mitten in der Stadt: Die ehemalige Robotron-Kantine, eine verfallende Perle der Ostmoderne, in der seinerzeit täglich mehr als 3000 Mitarbeiter des ehemaligen VEB-Kombinats verköstigt wurden.

Unter dem Motto „Atemwende“ sollen 557 Werke aller Genres von 138 Künstlern aus 34 Ländern gezeigt werden, sie wurden aus 1.114 Bewerbungen ausgewählt. Unter dem Titel „Flowing Connections“ sind danach auch Präsentationen einer Auswahl der Kunstwerke in Budapest, Kroatien und Europas Kulturhauptstadt 2022 Kaunas in Litauen geplant.

Der Rechtsanwalt der Steuerberatungsgesellschaft Schneider + Partner engagiert sich seit knapp zehn Jahren für die Ostrale. Rechtsanwalt, Steuerberater ANDRE FORNER

Bernd Kugelberg

Der Rechtsanwalt der Steuerberatungsgesellschaft Schneider + Partner engagiert sich seit knapp zehn Jahren für die Ostrale.

Rechtsanwalt, Steuerberater

Bernd Kugelberg von der Steuerberatungsgesellschaft Schneider + Partner engagiert sich seit knapp zehn Jahren für die Ostrale: „Anfangs war unser Einsatz noch sehr verhalten, aber ab 2011 haben wir die Zusammenarbeit dann intensiviert und bringen uns sehr viel mehr als nur finanziell ein“. Ein Förderverein wurde gegründet, ein regelmäßiger Jour Fixe eingerichtet.

„Wir fragten uns, wen sprechen wir an, wie vernetzen wir uns mit der Politik?“, so Kugelberg. Das zeitliche Engagement lasse sich schwer in Stunden messen, sagt er. „Die Ostrale ist auch ein Unternehmen mit Finanzbuchhaltung, Steuererklärung und Verträgen. Da sind wir auch unterstützend tätig.“

Am Anfang habe er noch eher Mitleid für das Projekt empfunden, zunächst ging es nur um die Rettung der Ostrale vor dem Untergang. „Doch dann kam der Ehrgeiz, wie bei einem Sanierungsunternehmen. Und es macht Spaß! Wir sagten uns, das ist ein zartes Pflänzchen, aber es kann sich entwickeln, wenn man es richtig anpackt.“

Deutscher Kulturförderpreis

Die Veranstalter

+ Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Industrie (BDI)

+ Handelsblatt

+ ZDF

Die Kriterien

+ Kulturelle und gesellschaftliche Relevanz des Projekts

+ Kreativität des Förderkonzepts

+ Nachhaltigkeit und Wirkung des Projekts

+ Risikobereitschaft des Förderkonzepts

+ Innovativer Wissenstransfer zwischen Unternehmen, kultureller Institution, Kunstschaffenden und Öffentlichkeit

+ Sonderpreis: Herausragendes Kulturförderprojekt im Kontext von Covid-19

Jury 2020-2021

+ Clemens Börsig, Vorstandsvorsitzender Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, Juryvorsitz

+ Thomas Bellut, Intendant ZDF

+ Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover

+ Professor Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg

+ Sky du Mont, Schauspieler

+ Ingrid Haas, Mitglied der Gesellschafterversammlung der Deutsche Börse Photography Foundation

+ Anja Lehner, Vorsitzende Arbeitskreis Kulturförderung (AKF) im Kulturkreis

+ Franziska Nentwig, ehem. Geschäftsführerin Kulturkreis der deutschen Wirtschaft

+ Sebastian Matthes, Chefredakteur Handelsblatt

+ Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst

Für Direktorin Andrea Hilger war vom ersten Moment an klar, dass Bernd Kugelberg der richtige Mann für das Projekt war: „Ohne seine Affinität zur Kunst wären wir gar nicht ins Gespräch gekommen. Ich sah ihn vor einer Arbeit stehen und es war deutlich, dass er total ‚weg‘ war.“

Bernd Kugelberg ist es wichtig, in der Stadt der Alten Kunst den Blick für das Zeitgenössische zu entwickeln: „Wir möchten, dass sich unterhalb einer elitären Ebene jeder Bürger mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt.“

Sachsponsoring als Teil der Förderung

Direktorin Andrea Hilger berichtet über das aktuelle Finanzierungs-Modell: „Der Kuchen besteht aus fünf Teilen: Wir kriegen städtische Förderung, dann gibt es öffentliche Fördermittel von überall her, Sponsoring und die Mittel aus unseren Einnahmen. Der Rest ist Sachsponsoring, was aber sehr wichtig ist für uns.“

Auch bei der Unterstützung der Ostrale durch Schneider + Partner sei die Hilfe durch das Know-How des Unternehmens extrem nützlich: „Zum Beispiel, wenn es um Zollunterlagen geht von Ostrale-Teilnehmern, da weiß der Rechtsanwalt besser als wir von der Kunst, welche Dokumente gebraucht werden.“ Für Bernd Kugelberg ist wichtig: „Wir haben uns in all‘ den Jahren nie in einen künstlerischen Inhalt eingemischt.“

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