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02.08.2022

17:52

Festival „sommer.frische.kunst.“

„art:bad gastein“ im Salzburger Land: Mini-Messe für kunstaffine Wanderer

Von: Stefan Kobel

Seit über einem Jahrzehnt lädt „sommer.frische.kunst.“ ins Salzburger Land. Das Festival wächst beständig und wartet nun erstmals mit einer kleinen Kunstmesse auf.

Eine Installation vor imposanter Bergkulisse im Rahmen des Festivals sommer.frische.kunst. Hannes Wichmann

Kazunori Kura „In the name of a day“

Eine Installation vor imposanter Bergkulisse im Rahmen des Festivals sommer.frische.kunst.

Bad Gastein Tosendes Rauschen ist der Grundton von Bad Gastein. Die Gasteiner Ache stürzt sich aus den Hohen Tauern mitten durch den Ort und ist überall zu hören. Das Bild des Kurortes prägen verfallende Hotelpaläste der Kaiserzeit, die Ruine eines brutalistischen Kongresszentrums genau in der Ortsmitte und Baukräne in gleicher Weise.

Leerstand und Immobilienspekulation sind aber nicht der Grund, wieso die Kleinstadt in den österreichischen Alpen auch spöttisch das „Berlin der Berge“ genannt wird. Den Spitznamen haben ihr vielmehr die mittlerweile ins Elternalter gekommenen Hipster eingebracht, die seit rund zehn Jahren den morbiden Charme des Wintersportortes schätzen gelernt haben.

Andrea von Goetz und einige Mitstreiter wollen jedoch mehr als Wintersport oder Sommerfrische für sogenannte Bobos (Bourgeois Bohèmiens) mit Kindern. Seit 2011 gibt es die “sommer.frische.kunst.“. Aus dem anfänglich bescheidenen Residency-Programm ist ein Festival geworden, das den ganzen Sommer über dauert.

Ungefähr alle 30 Jahre hat der Ort einen Niedergang erlebt mit anschließendem Boom. Dieser Zyklus sollte weniger volatil werden, wünscht sich von Goetz: „Es ist ganz wichtig, die Leute mit einer Vision an den Ort zu binden.“ Von denen gibt es mittlerweile einige.

Die Eigentümer der Hotels Regina, Miramonte und Haus Hirt waren schon die Motoren der Neubelebung der als verschnarcht und heruntergewirtschaftet geltenden Tourismusdestination. Mit der Sammlerin, Beraterin (mit kleiner Galerie in Hamburg) und Menschenfängerin von Goetz haben sie eine kongeniale Organisatorin für das etwas andere Format gefunden, das die Akteure vor Ort mit Künstlern, Kuratoren und Sammlern zusammenbringt.

Für die Installation wird eine leerstehende Immobilie genutzt. Hannes Wichmann

Ulrike Theusner „Not yet titled“

Für die Installation wird eine leerstehende Immobilie genutzt.

Dieses Jahr werden leerstehende Immobilien genutzt für Ausstellungen von Barbara Probst, Ulrike Theusner und Xenia Lesniewski, Robert Montgomery, Gesa Lange. Kazunori Kura und Olaf Holzapfel errichten Installationen im öffentlichen Raum, es gibt Performances und Konzerte.

Und erstmals gibt es eine Mini-Kunstmesse. Die „art:bad gastein“ versammelt im ehemaligen Wasserkraftwerk neun Galerien, alle aus Deutschland. Sie läuft über zehn Tage und bietet damit allen Beteiligten einen entspannten Zugang. Genau diesen Geist schätzt Ben Kuckei von der Berliner Galerie Kuckei + Kuckei: „Man wandert zusammen oder isst gemeinsam etwas auf einer Hütte und trifft sich dann bei der Kunst wieder.“

Sommerfrische-taugliche Kunst

Die Community hier sei wirklich toll, und durch die Galerien kämen dann noch einmal ein paar Dutzend Leute dazu, die dann vielleicht auch immer wieder kommen. Und so wachse die Gemeinschaft Jahr für Jahr. Die Kunst im Zimmer der Galerie ist Sommerfrische-tauglich und zumeist im handlichen Format, die Preise gehen bis ungefähr 5000 Euro. Sie haben Fiene Scharp, Lilly Lulay und Peter K. Koch im Angebot.

Daniela Steinfeld von der Düsseldorfer Galerie van Horn übt den großen Aufschlag und bringt auch großformatige Arbeiten mit wie eine Wandskulptur hinter Plexiglas von Jan Albers oder ein skulpturales Gemälde von Gerold Miller. Das präsentiert sie gleich in seiner Transportkiste zum Preis von 40.000 Euro (netto).

Art Karlsruhe: Der Publikumsliebling unter den deutschen Kunstmessen

Art Karlsruhe

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Ab Donnerstag zieht die Kunstmesse Art Karlsruhe wieder Kunstfreunde an. Ihr Angebot ist bunt und vielfältig. Es gibt wahre Perlen darunter. Ein Überblick.

Frischer als The Fairest geht es kaum. Das nomadische Galerieformat aus Berlin existiert gerade erst seit einem guten Jahr und präsentiert in Bad Gastein mit Christophe de Rohan Chabot, Jordan/Martin Hell und Sally von Rosen drei Künstler zwischen Ende 20 und Anfang 30. Ihre Arbeiten sind mit maximal 5000 Euro noch recht preiswert.

Eine Ausstellerin erklärt recht freimütig, was sie letztlich zur Teilnahme bewegt hat: Die Veranstalterin sei eine so begabte Kunstvermittlerin, dass sie es auch schaffe, Großformate zu hohen Preisen zu verkaufen. Daher habe sie hier kaum nein sagen können.

Die art:bad gastein lief bis 31. Juli. Danach bespielen die denkmalgeschützten Räume bis Anfang September unter dem Titel „Masterclasses“ jeweils vier Studenten von Anselm Reyle, Christian Schwarzwald und Jorinde Voigt mit eigenen Arbeiten.

Mit bescheidener, aber regelmäßiger Unterstützung des lokalen Tourismusverbands und einigen Sponsoren beweist die sommer.frische.kunst. eindrücklich, was private Initiative für ein Gemeinwesen und darüber hinaus bewirken kann. Das wiederum unterscheidet Bad Gastein, das Berlin der Berge, vom Berlin an der Spree, wo sich diese Art der Kollegialität nie recht einstellen wollte.

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