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23.06.2022

07:55

Frühjahrsversteigerungen

Auktionen bei Bassenge: Die wieder erwachte Nachfrage

Von: Christian Herchenröder

Bei dem Kunstversteigerer Bassenge sichern sich Privatsammler und Museen die besten Kunstwerke – oft zu vergleichsweise moderaten Preisen.

Das exzeptionelle „Selbstbildnis als Bacchantin“ sicherte sich ein niedersächsischer Privatsammler für 49.600 Euro. Bassenge

Anna Dorothea Therbusch

Das exzeptionelle „Selbstbildnis als Bacchantin“ sicherte sich ein niedersächsischer Privatsammler für 49.600 Euro.

Berlin Mit einem Brutto-Erlös von rund 6 Millionen Euro waren die Frühjahrsauktionen des Berliner Versteigerers Bassenge uneingeschränkt erfolgreich. Die Gesamtschätzung hatte bei 4,2 Millionen Euro gelegen. Der Handel, der zwei Jahre lang Abstinenz geübt hatte, war wieder in vollem Einsatz.

„Da gab es Nachholbedarf bei Amerikanern, Briten und Franzosen“, betont Firmenchef David Bassenge im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die gesamte Zuschlagsquote lag bei über 80 Prozent.

Die stärksten Preissteigerungen erlebte der Wiener Maler Alexander Rothaug, der den Geschmack von internationalen Symbolismus-Sammlern trifft. 94 Lose spielten 580.000 Euro ein.

Rothaugs in einem Sonderkatalog angebotenen Werke zu Nibelungen-Sage, Bibel und „Odyssee“ multiplizierten ihre Schätzpreise. Ein Studienbuch mit 58 Seiten wanderte für 68.200 Euro brutto in den New Yorker Handel. Das laszive Tempera-Gemälde „Odaliske“ erwarb ein griechischer Sammler für 46.440 Euro. Das exzeptionelle „Selbstbildnis als Bacchantin“ der Berliner Malerin Anna Dorothea Therbusch konnte sich ein niedersächsischer Privatsammler für 49.600 Euro sichern.

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    Die Gemälde-Auktion beherrschten Werke des 19. Jahrhunderts. So investierte ein süddeutscher Sammler 39.680 Euro in Franz Ludwig Catels Amalfitanische Landschaft mit Prozession.

    Der wieder erwachte Konsum zeigte sich besonders stark bei der Grafik des 15. bis 19. Jahrhunderts. Hier, beim Spezialgebiet von Bassenge, lieferten sich Händler und Sammler starke Telefongefechte.

    Teuerstes Los der Dürer-Passage wurde die Eisenradierung „Die Kanone“ in einem frühen Abzug vor den Rostflecken. Das Blatt übernimmt für 29.760 Euro mit Aufgeld eine niederländische Stiftung. Bassenge

    Albrecht Dürer

    Teuerstes Los der Dürer-Passage wurde die Eisenradierung „Die Kanone“ in einem frühen Abzug vor den Rostflecken. Das Blatt übernimmt für 29.760 Euro mit Aufgeld eine niederländische Stiftung.

    Große Kunst war zu verhältnismäßig überschaubaren Preisen zu erwerben. So wurde die Grafik Dürers und Rembrandts lückenlos abgesetzt, obwohl hier Spitzenblätter fehlten. Teuerstes Los der Dürer-Passage wurde die Eisenradierung „Die Kanone“ in einem frühen Abzug vor den Rostflecken, der für 29.760 Euro brutto in eine niederländische Stiftung wandert. Die Taxe belief sich auf 8000 Euro.

    Von den 28 eingelieferten Rembrandt-Radierungen gingen „Der Triumph des Mardochäus“ für 13.640 Euro in eine italienische Privatsammlung. Der „Männliche Akt, am Boden sitzend“ fiel für denselben Bruttopreis an einen französischen Sammler.

    Gute Resonanz für Radierungen von Tiepolo

    In einer separat ausgebotenen Sammlung mit 50 Blättern niederländischer Grafik realisierte eines der begehrten Pieter Brueghel-Motive, der große Kupferstich „Dörfliche Sorgen“, 32.240 Euro. Den Kupferstich erwarb eine belgische Kulturstiftung.

    Einer der höchsten Preise beim 18. Jahrhundert galt einer Dresden-Ansicht von Bernardo Bellotto, einst aus dem Dresdner Kupferstichkabinett: 21.080 Euro für „Die Ruinen der Pirnaischen Vorstadt mit dem Palais Fürstenhof“. Erfreulich ist die gute Resonanz für Tiepolo-Radierungen, die in den letzten Jahren geschwächelt hatten. „Der Philosoph“ von Giovanni Battista Tiepolo hob ein Schweizer Privatsammler von 4000 auf 10.540 Euro.

    Auktionen bei Bassenge: Neue Kunden für Alte Meister

    Auktionen bei Bassenge

    Neue Kunden für Alte Meister

    Das Berliner Auktionshaus erhöht seinen Halbjahresumsatz auf knapp 7 Millionen Euro. Engagierte Privatsammler machen die Zurückhaltung des Handels wett.

    Höhepunkt beim 19. Jahrhundert waren 13 Blätter von Max Klinger aus einer norddeutschen Privatsammlung, von denen die meisten signiert waren. Ein Probedruck der verworfenen Platte „Erste Begegnung“ der Folge „Eine Liebe“ erzielte 11.160 Euro. Die Radierung „An die Schönheit“ im zweiten Druckzustand erlöste 10.540 Euro. Beide Blätter ersteigerte ein amerikanischer Sammler.

    Bei den Handzeichnungen gab es Überraschungspreise für eine Kreidestudie von Govaert Flinck mit 17.360 Euro und für eine genuesische Ölskizze des 17. Jahrhunderts auf Papier. Die „Auferweckung des Lazarus“ erzielte 11.780 Euro.

    Auch der deutsche Symbolismus fand starke Anerkennung. Zum einen mit den Federzeichnungen des Hannoveraners Hermann Wöhler, der ein Dauerseller bei Bassenge ist. Und neuerdings zum anderen mit Federzeichnungen des Müncheners Fritz Schwimbeck. Der höchste Zuschlag für beide Künstler lag bei je 13.640 Euro.

    Prägedrucke von Günther Uecker werden aufgewertet

    Auch bei der Moderne gab es unerwartete Höhepunkte. Das begann mit Emil Orlik, der in dieser Abteilung ein gefragter Meister ist. Diese Nachfrage hat sich im Spitzenpreis von 11.160 Euro für den japanisch inspirierten Farbholzschnitt „Ein Windstoß“ niedergeschlagen. Drei Holzschnitte von Karl Schmidt-Rottluff, 1911 in der besten Brücke-Zeit entstanden, kamen ebenfalls weit über die Schätzung. Allen voran die Landschaft „Dangast Dorf“, die für 34.720 Euro in eine Berliner Privatsammlung wandert.

    Der Siebdruck „Flugzeug I“ von Gerhard Richter, auf 15.000 Euro angesetzt, bleibt für satte 55.800 Euro in Berlin. Eine kollektive Aufwertung erfuhren vier Prägedrucke von Günther Uecker, die bis auf die Höchstmarke 19.840 Euro stiegen. Das teuerste Blatt, „Doppelspirale“ von 2020, war auf 4500 Euro geschätzt und wurde im Bietkampf gegen 13 Telefone von einem süddeutschen Sammler ersteigert.

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