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26.05.2022

09:52

Internetdienstleister

Kunstportal Artnet AG: Wachstum, Verluste und die Familie im Führungsteam

Von: Stefan Kobel

Beim Berliner Internetdienstleister Artnet AG sind die Kosten schneller gestiegen als der Umsatz. Im Führungsteam dominieren die Kinder des Gründers.

Der Sohn von Artnet-Gründer Hans Neuendorf ist Chief Strategy Officer. artnet AG

Albert Neuendorf

Der Sohn von Artnet-Gründer Hans Neuendorf ist Chief Strategy Officer.

Düsseldorf Zweistelliges Wachstum und anhaltende Verluste kennzeichnen den Geschäftsbericht für 2021 und den aktuellen Quartalsbericht der Berliner Artnet AG. Bei Umsatzerlösen von 24,7 Millionen Dollar machte das Unternehmen einen Verlust vor Steuern von 890.000 Dollar.

2020 gab es noch einen satten Gewinn von 2,05 Millionen Dollar. Da sich das Headquarter des Kunstportals in New York befindet, wo 115 der 127 Mitarbeiter beschäftigt sind, berichtet das Unternehmen bevorzugt in Dollar. Im ersten Quartal 2022 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 19 Prozent auf 6,2 Millionen Dollar. Allerdings bewegt sich der Verlust mit knapp 790.000 Dollar sogar noch leicht über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. In einem sich ständig verändernden Marktumfeld muss laufend investiert werden, um im Wettbewerb einigermaßen mithalten zu können. Dabei ist es Vor- wie Nachteil zugleich, dass Artnet breiter aufgestellt ist als andere Anbieter.

Die „Price Database“ mit Auktionsergebnissen ist das älteste und wahrscheinlich bekannteste Produkt von Artnet. Sie weist allerdings seit Jahren keine besondere Dynamik auf. Die Price Database trägt mit 7,7 Millionen Dollar knapp ein Drittel zum Umsatz bei.

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    Der „Marktplatz“ umfasst ein Galerienportal sowie eine Auktionsplattform, die zusammen knapp 10,3 Millionen Dollar erlösten. Bei den Auktionen konnte das kräftige Wachstum des Vorjahres nicht gehalten werden. Anders als bei klassischen Auktionshäusern fiel es mit sechs Prozent auf 5,15 Millionen Dollar moderat aus.

    Sie gehört als Chief Operating Officer zum stark erweiterten Führungsteam. artnet AG

    Alanna Lynch

    Sie gehört als Chief Operating Officer zum stark erweiterten Führungsteam.

    Im Dezember 2021 trat Artnet vergleichsweise spät in das Geschäft mit Non Fungible Tokens ein. Die eigene Plattform soll sich demnächst durch die umweltfreundlichere Tezos-Blockchain sowie nach künstlerischen Gesichtspunkten kuratierte Angebote von anderen Plattformen unterscheiden.

    Das seit Mitte letzten Jahres als „Pro“ - für Professional - vermarktete kostenpflichtige Segment der „Artnet News“ kommt nach Angaben des Unternehmens auf immerhin 3.000 Abonnenten und trägt bereits mit 387.000 Dollar zum Umsatz des vergangenen Jahres bei.

    Das Segment „Medien“ wächst auch geradezu stürmisch, da sich neben der Etablierung des neuen Abo-Modells die Werbeeinnahmen kräftig erholt haben von 4,5 auf 6,3 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2022 betrug der Anstieg 111 Prozent auf 1,8 Millionen Dollar.

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    Börsennotiert sind in Deutschland nur Artnet und die Weng Fine Art. Rüdiger K. Weng spielt bei beiden Unternehmen eine Hauptrolle und sorgt bei Artnet für eine Blockade.

    Allerdings sind die Kosten schneller gestiegen als der Umsatz. Das Führungsteam wurde stark erweitert. Mit Alanna Lynch als Chief Operating Officer und Quentin Rider als Chief Technology Officer sind zwei externe Personen hinzukommen. Aufgerückt ist Albert Neuendorf als Chief Strategy Officer. Er ist eines der Kinder von Hans Neuendorf, Gründer, Aufsichtsrat und Großaktionär von Artnet.

    Jacob Papst, ein anderer Sohn, hatte den Vater 2012 auf dem Posten des Alleinvorstands abgelöst. Tochter Sophie Neuendorf, Vize Präsidentin, ist für Investor Relations zuständig, während mit Henri Neuendorf ein weiterer Sohn als Contemporary Art Specialist der „Artnet Auctions“ tätig ist. Diese Häufung von Familienmitgliedern im Unternehmen ist bei aktivistischen Aktionären unbeliebt und dürfte auf der nächsten Hauptversammlung im August, wenn Aufsichtsratswahlen anstehen, für Diskussionen sorgen.

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