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09.06.2022

09:16

Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst

Auktionen bei Grisebach: Alle großen Bilder werden verkauft

Von: Christian Herchenröder

Das Berliner Versteigerungshaus Grisebach schlägt drei Gemälde über der Millionen-Schwelle zu. Der Gesamterlös beträgt rund 20 Millionen Euro.

Die nach einem Aufenthalt in Scheveningen 1928 gemalte Strandlandschaft erzielte 1.765.000 Euro (Ausschnitt aus einem extremen Querformat). Grisebach Auktionen

Max Beckmann „Grauer Strand“

Die nach einem Aufenthalt in Scheveningen 1928 gemalte Strandlandschaft erzielte 1.765.000 Euro (Ausschnitt aus einem extremen Querformat).

Berlin Die Frühjahrsauktionen des Berliner Marktführers Grisebach hatten einen individuellen Touch. Anders als ihre deutschen Vorgänger animierten sie neben derzeit dominanten Sammlern auch internationale Händler zu hohen Geboten. „Alle großen Bilder wurden verkauft,“ betont Geschäftsführerin Micaela Kapitzky.

Gleichmäßiger als sonst verteilten sich die Gebote auf Telefone, Internet und Saal. Es wurden rund 20 Millionen Euro eingespielt, 9 Millionen davon in der Versteigerung ausgewählter Werke und 4,1 Millionen mit der Sammlung Colsman. Das Gesamtergebnis für das erste Halbjahr inklusive Online only und Freiverkäufen liegt nach Angaben des Hauses bei brutto 25 Millionen Euro.

Die Abendauktion mit 32 Werken lief weitgehend nach Plan. Zwar erreichte das Hauptlos, Max Pechsteins Gemälde „Russisches Ballett“, in der besten Schaffensphase 1909 entstanden, ohne Resonanz im Saal und durch ein einziges Telefongebot mit brutto 2,4 Millionen Euro gerade die untere Schätzung. Laut Auktionshaus geht es in eine Berliner Privatsammlung.

Aber dafür schossen andere Lose weit über ihre Schätzpreise hinaus. Das fing schon mit einer Edelstahlskulptur mit beweglichen rechtwinkligen Elementen des Amerikaners George Rickey an. Sie wandert zum Rekordpreis von 475.000 Euro, mehr als dem Doppelten der Taxe, in eine Berliner Sammlung. Das setzte sich mit einer symbolistischen Landschaft der Jawlensky-Gefährtin Marianne von Werefkin fort, die für 262.500 Euro von einem niedersächsischen Sammler ersteigert wurde.

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    Auch das „Häßliche Porträt 9“ von Georg Baselitz, ein auf dem Kopf stehendes Bildnis auf graviertem Holz, wurde für stattliche 400.000 Euro in eine rheinische Sammlung abgegeben. Eine 1928 datierte Strandlandschaft von Max Beckmann, die im Mai 2018 im selben Haus für eine runde Million Euro zugeschlagen wurde, ging jetzt für 1,76 Millionen Euro an einen „europäischen Sammler“.

    Das in der besten Schaffensphase 1909 entstandene Gemälde erreichte durch ein einziges Telefongebot mit brutto 2,4 Millionen Euro gerade die untere Schätzung. Grisebach Auktionen

    Max Pechstein „Russisches Ballett”

    Das in der besten Schaffensphase 1909 entstandene Gemälde erreichte durch ein einziges Telefongebot mit brutto 2,4 Millionen Euro gerade die untere Schätzung.

    Ein Berliner Sammler setzte 325.000 Euro für eine frühes Blumen- und Früchtestillleben von Alexej von Jawlensky ein. Für eine gestisch wilde Abstraktion von Hans Hartung aus dem Jahr 1981 bot ein Händler aus Dubai 262.500 Euro. Von den drei Ölbildern Ernst Wilhelm Nays aus norddeutscher Sammlung erlöste ein Scheibenbild von 1964 mit 412.500 Euro dank westfälischem Privatgebot den höchsten Preis.

    In der Auktion der Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, die im Dunstkreis des Hagener Folkwang Museums entstand und jetzt von den Erben eingeliefert wurde, kam Emil Noldes dunkle Seelandschaft von 1939 auf den mittleren Schätzpreis. 1,6 Millionen Euro bot ein süddeutscher Privatsammler. Das wohlgefällige Porträt der Nichte des Künstlers ging für brutto 500.000 Euro in die USA. In den Schweizer Handel ließ sich das Aquarell „Meer mit Seebooten“ für 156.250 Euro absetzen.

    Villa Grisebach: Gemischte Ergebnisse

    Villa Grisebach

    Gemischte Ergebnisse

    Bei den Auktionen in der Berliner Villa Grisebach gab es drei Millionenzuschläge und brillante Ergebnisse für Kunst des 19. Jahrhunderts. Insgesamt aber agierten die Sammler und Händler eher verhalten.

    Bei den Werken von Ewald Mataré gab es starke Bietgefechte. Die „Große kniende Kuh“ von 1925 hob ein Berliner Sammler auf den Rekordpreis von 275.000 Euro. Einer der hoch begehrten Farbholzschnitte stieg von 3000 auf 14.375 Euro, womit auch hier eine Rekordmarke erreicht ist.

    Starken Zuspruch fanden die Werke von Christian Rohlfs, der immer noch zu den unterbewerteten Expressionisten zählt. Teuerstes Los wurde mit 237.500 Euro die hart umkämpfte „Landschaft in Soest“, die eine Taxe bis 90.000 Euro hatte. Mit 16 von 70 Losen war die Rückgangsrate der Sammlung Colsman eher moderat.

    Die Werke zeitgenössischer Kunst, die am Abend des 3. Juni versteigert wurden, erlösten 3,6 Millionen Euro. Zwei Lose, die an Händler gingen, brachten die höchsten Preise der zweistündigen Sitzung. Es sind Karin Kneffels 360 cm breites Diptychon mit über einer Landschaft schwebenden Pfirsichen, das für 350.000 Euro in Berlin bleibt, und ein mit 57 x 54 cm recht kleines Blutbild von dem im April verstorbenen Aktionskünstler Hermann Nitsch, das für 387.500 Euro nach Österreich wandert.

    Das wohlgefällige Porträt der Nichte des Künstlers wurde für 500.000 Euro inkl. Aufgeld in eine amerikanische Sammlung vermittelt. Es stammt aus der Sammlung Colsman (Ausschnitt). Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde; Grisebach Auktionen

    Emil Nolde „Christina“

    Das wohlgefällige Porträt der Nichte des Künstlers wurde für 500.000 Euro inkl. Aufgeld in eine amerikanische Sammlung vermittelt. Es stammt aus der Sammlung Colsman (Ausschnitt).

    Ein belgischer Händler ließ sich für 131.250 Euro ein weißes Reliefbild von Jan Schoonhoven zuschlagen. Ein hessischer Sammler begeisterte sich mit überraschenden 168.750 Euro für ein stark farbiges Doppelbildnis Rainer Fettings, der in dieser Saison überall gefragt ist. Ein Münchener Händler ließ sich für 112.500 Euro den rotgesichtigen „Devil“ desselben Malers zuschlagen, der auf 25.000 bis 35.000 Euro angesetzt war. Auch dieser Preis zeigt, dass bei Fetting viel Luft nach oben ist.

    Das gilt in bescheidenerem Maße auch für andere Vertreter der sogenannten Wilden Malerei von Salome bis Elvira Bach. Einen starken Zug nach oben hatte auch eine große rot-grüne Papierarbeit von Katharina Grosse, die von 16.000 auf 112.500 Euro rückte.

    Expressionismus: Umfangreiche Abendauktion bei Ketterer: Das beste Angebot dieser Saison

    Expressionismus

    Umfangreiche Abendauktion bei Ketterer: Das beste Angebot dieser Saison

    Das Münchener Auktionshaus versteigert neben August Mackes Paradies-Bild auch Dix-Aquarelle aus der Sammlung Gurlitt und Goethe-Porträts von Andy Warhol.

    Die Tagesauktion Moderner Kunst erlöste 2,7 Millionen. Hier galt der höchste Zuschlag eine 1947 entstandenen Dorflandschaft von Otto Dix, die für 93.750 Euro in eine österreichische Privatsammlung geht.

    Bereits am 1. Juni wurde Kunst des 19. Jahrhunderts für 1,2 Millionen Euro versteigert. Hier waren zwei Meisterstiche von Albrecht Dürer eingefügt, die dann auch mit 125.000 Euro für die „Melencolia I“ (Belgien Privat) und 60.000 Euro für den „Heiligen Eustachius“ (Handel USA) angemessene Preise erzielten. Ansonsten dominierten meist vierstellige Zuschläge.

    Bescheidene 362.000 Euro erbrachten die rund 100 Lose der Fotografie-Auktion. Deren Spitzenzuschlag liegt bei 25.000 Euro für die „Poolside Pairs“ von Slim Aarons, einer Gesellschaftsstudie mit zwei Genießerinnen am Swimmingpool. Das passt zum Sommerwetter.

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