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27.05.2021

18:49

Kulturförderpreis – Mittlere Unternehmen

Überleben mit der Übergangshilfe der Gema

Von: Johannes Wendland

Die Verwertungsgesellschaft der Musikbranche Gema hat als Reaktion auf die Coronakrise spontan ein Nothilfeprogramm für die von Auftrittsverboten gebeutelte Zunft aufgelegt.

Der Jazzgitarrist verlor durch die Auftrittsverbote 70 Prozent seiner Einkünfte. GEMA/ Philipp Lützenberger

Arne Jansen

Der Jazzgitarrist verlor durch die Auftrittsverbote 70 Prozent seiner Einkünfte.

Hamburg Am 13. März vorigen Jahres konnte Arne Jansen noch einmal vor Publikum auftreten. Der Jazzgitarrist und Echo-Preisträger spielt in mehreren Formationen, vom Duo bis zur Big Band. Doch seit bald 16 Monaten sind Auftritte vor Publikum ausgeschlossen, Corona hat auch den Jazzbetrieb stillgelegt.

Für Jansen ein Desaster. Dank einer Dozentur an der Musikhochschule Hannover kann er zumindest seine Schüler von zu Hause aus im Fernunterricht betreuen. „Diese halbe Stelle macht etwa 30 Prozent meiner Einnahmen aus“, rechnet Jansen vor, „70 Prozent musste ich immer durch Konzerte erwirtschaften.“ Jansens Frau ist ebenfalls selbstständig als Musikerin im Klassikbereich tätig – und derzeit kaum beschäftigt. Die beiden Kinder waren monatelang im Homeschooling.

„Wir sind bei allen staatlichen Hilfsangeboten durch die Raster gefallen“, berichtet Jansen. „Erst haben wir unser Sparkonto aufgelöst, doch irgendwann fehlte schlicht das Geld zum Einkaufen. Wir waren verzweifelt.“

Zum Glück sprang in dieser Situation die Gema ein, die Verwertungsgesellschaft der Musikbranche. Sie verwaltet die Nutzungsrechte der musikalischen Werke von rund 80.000 Mitgliedern – Komponisten, Textautoren, Musikverlegern. Als dort immer häufiger Hilferufe aus der freien Musikszene eintrafen, legte man ein Nothilfeprogramm auf, dessen Umfang sich inzwischen auf rund 40 Millionen Euro beläuft.

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    Arne Jansen gehört zu den rund 2400 Mitgliedern der Gema, die in den Genuss einer Soforthilfe gekommen sind, um die Einnahmeverluste zu überbrücken. Es sei ganz einfach gewesen, erklärt Jansen. Er habe nur Nachweise für abgesagte Konzerte und entgangene Gagen hochladen und Angaben zu den Fixkosten machen müssen. Und nach fünf Tagen standen 4000 Euro auf dem Konto.

    „Hier ist die Solidarität, die wir anderweitig vermisst haben“, sagt er. „Die Gema hat die Rolle übernommen, die der Staat auch den Künstlerinnen und Künstlern gegenüber hätte einnehmen sollen.“ Neben der Übergangshilfe für existenziell gefährdete Gema-Mitglieder umfasste das Nothilfeprogramm auch den sogenannten Schutzschirm LIVE. Hierbei konnten Komponisten und Textdichter, die selbst ihre Werke aufführen, eine Vorauszahlung auf künftige Gema-Ausschüttungen beantragen.

    Deutscher Kulturförderpreis

    Die Veranstalter

    + Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Industrie (BDI)

    + Handelsblatt

    + ZDF

    Die Kriterien

    + Kulturelle und gesellschaftliche Relevanz des Projekts

    + Kreativität des Förderkonzepts

    + Nachhaltigkeit und Wirkung des Projekts

    + Risikobereitschaft des Förderkonzepts

    + Innovativer Wissenstransfer zwischen Unternehmen, kultureller Institution, Kunstschaffenden und Öffentlichkeit

    + Sonderpreis: Herausragendes Kulturförderprojekt im Kontext von Covid-19

    Jury 2020-2021

    + Clemens Börsig, Vorstandsvorsitzender Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, Juryvorsitz

    + Thomas Bellut, Intendant ZDF

    + Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover

    + Professor Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg

    + Sky du Mont, Schauspieler

    + Ingrid Haas, Mitglied der Gesellschafterversammlung der Deutsche Börse Photography Foundation

    + Anja Lehner, Vorsitzende Arbeitskreis Kulturförderung (AKF) im Kulturkreis

    + Franziska Nentwig, ehem. Geschäftsführerin Kulturkreis der deutschen Wirtschaft

    + Sebastian Matthes, Chefredakteur Handelsblatt

    + Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst

    Wer 2018 von der Gema eine Zahlung zwischen 100 und 30.000 Euro erhalten hatte, konnte eine Vorauszahlung beantragen, die dann in der Höhe der Ausschüttung von 2018 gewährt wurde. Da der Konzertbetrieb weiterhin ruht oder nur langsam anläuft, soll die Vorauszahlung erst mit der Ausschüttung 2022 verrechnet werden.

    Zum Glück zeichnen sich langsam bessere Zeiten ab. Nicht zuletzt auch dank der Überbrückungshilfe konnte Jansen die Corona-Zeit überstehen, ohne seine Profession aufzugeben. „Und jetzt stehen auch wieder einige Termine im Kalender“, freut er sich.

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