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25.03.2022

10:12

Kunstmesse

Mutiges Konzept: Nur eine Künstlerin auszustellen

Von: Stefan Kobel

Neue Konzepte tun gut. Galerien, die an der jungen Wiener Messe Spark teilnehmen, müssen sich risikoreich auf eine einzige Position beschränken.

Die Galerie Clement widmet ihre Soloschau auf der Spark der herausragenden feministischen Künstlerin. Foto: Spark / VG Bild-Kunst

Ulrike Rosenbach

Die Galerie Clement widmet ihre Soloschau auf der Spark der herausragenden feministischen Künstlerin. Foto: Spark / VG Bild-Kunst

Wien Die Kunstmesse „Spark“ in Wien hat im zweiten Anlauf noch zugelegt. Nach der Premiere letzten Juni mit 71 Positionen kommt der Wiener Neuling auf insgesamt 88 Einzelpräsentationen.
Der Zuwachs kommt dabei nicht nur aus Österreich, sondern auch hochkarätig aus dem Ausland.

Selbst „Art Basel“-Teilnehmer wie Lelong aus Paris und New York, Dirimart aus Istanbul oder Kamel Mennour aus Paris und London haben sich von dem Konzept überzeugen lassen. Und möglicherweise von den kompetitiven Standpreisen, die zwar deutlich erhöht wurden, mit 4500 Euro für die jeweils gleich großen Segmente der kreuzförmigen Standinseln immer noch sehr günstig sind.

Etienne Lullin von der Galerie Lullin +Ferrari aus Zürich hat jedoch nicht nur der Preis überzeugt: „Wir denken, dass eine neue Dynamik herrscht in Wien. Auch der egalitäre Charakter der Messe gefällt uns. Aufbruch nach Corona war die Idee.“ Esprit verbreiten die farbigen Stillleben auf plastifizierten Tischdecken von Klodin Erb zu Preisen zwischen 4000 bis 18.000 Euro jedenfalls.

Ein besonderer Effekt der demokratischen Standarchitektur ist, dass sich vermeintlich große Namen gegen Avantgarde zu gleichen Bedingungen behaupten müssen. Bei Georg Kargl aus Wien zeigt Mercedes Mangrané beeindruckend auf kleinen Formaten zu je 3800 Euro, was man mit Rakeln auch noch anstellen kann.

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Standort erkennen

    Die an Landschaften erinnernden Abstraktionen erreichen eine Tiefe, wie man sie bei Gerhard Richter, dessen Gemälde in dieser Technik berühmt geworden sind, vergeblich sucht. Tatsächlich handelt es sich bei den Bildern um bearbeitete Sonografien des Körperinneren der Künstlerin.

    Bei der Auswahl der österreichischen Galerien ist das Bemühen zu spüren, nicht nur aus dem Teilnehmerkreis des herbstlichen Galerienfestivals „Curated by“ schöpfen zu wollen. Die Suche in Wien hat da zu durchaus gemischten Ergebnissen geführt.

    Eine Entdeckung aus der Provinz ist hingegen die Klagenfurter Galerie3, die mit der 85-jährigen Margot Pilz eine Pionierin der Performance präsentiert, die bereits in den frühen 1970er-Jahren mit ihren Sekundenskulpturen lange vor Erwin Wurms „One Minute Sculptures“ reüssierte und gerade mit mehreren Museumsausstellungen geehrt wird.

    1970 lud die Künstlerin die Sängerin und Discoqueen Donna Summer nach einer gemeinsam durchtanzten Nacht zu einer Fotosession ein. Die kleinstformatigen Ergebnisse sind in unikaten Abzügen aus der Entstehungszeit für sagenhaft günstige 650 Euro zu haben.

    Die Anzahl der internationalen Galerien hat sich deutlich auf ungefähr 20 erhöht, allerdings hätten die einheimischen Galerien oft zwei Stände, erklärt Messedirektor Renger van den Heuvel.

    Ein Novum im Messebetrieb: 52 der insgesamt 99 Künstler sind weiblich. Die kuratierten Sektionen mit Fotografie und in den Hallen verteilten Skulpturen sind attraktiv. So konnten nicht nur einige zusätzliche Künstlerinnen und Künstler, sondern auch neue Galerien akquiriert werden.

    Wichtige Besucher aus Museen

    Van den Heuvel weiß um den Strukturwandel des Marktes und bemüht sich, mit seiner Messe ein zeitgemäßes Format zu entwickeln: „Ich spüre, dass die Galerien mehr strategisch über diese Messe denken, und damit ist schon viel gewonnen.“

    Er hofft auf 50 Prozent mehr Besucher und Sammler aus dem Ausland als bei der Erstausgabe. Bei den einheimischen Institutionen sei das Konzept jedenfalls sehr gut angekommen. Und auch die Aussteller richten sich sichtbar auf Kuratoren aus Museen und Institutionen ein. Das Programm ist jünger und weniger etabliert.

    Das Konzept Soloshow gefällt in der Regel Künstlern, Sammlern und Kuratoren besser als Galeristen, die neben der attraktiven Präsentation der Kunst nicht zuletzt den Umsatz im Blick haben müssen. An dieser Kenngröße wird sich die Spark spätestens messen lassen müssen, wenn sie bei den nächsten Ausgaben marktübliche Preise aufrufen möchte.

    Spark Artfair in der Marxhalle

    Karl-Farkas-Gasse 19

    1030 Wien

    Bis 27. März: 11 bis 19 Uhr

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