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09.09.2021

15:53

Limna

Neue App auf dem Kunstmarkt: Limna will Sammlern auf die Sprünge helfen

Von: Stefan Kobel

Die Pioniere von Artfacts legen eine hilfreiche Applikation vor. Sie führt Ausstellungsdaten mit den Auktionspreisen von Artnet zusammen.

Gründeten Artfacts.Net und entwickelten nun die Preisvergleichs-App Limna. Limna

Stine Albertsen und Marek Claassen

Gründeten Artfacts.Net und entwickelten nun die Preisvergleichs-App Limna.

Wiesbaden Der nächste Gamechanger könnte aus Berlin kommen. Die App heißt „Limna“, ein Kunstwort, ist kostenlos und will den Kunstmarkt revolutionieren. Sie soll Sammlern bei der Entscheidungsfindung helfen. Sie ermittelt nach Angabe eines Künstlernamens und der Maße eines Gemäldes, ob der Preis angemessen ist, überhöht oder vielleicht gar ein Schnäppchen.

Gelingen soll das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), der Lernfähigkeit von Software durch Algorithmen. Aus großen Datenmengen erstellt Limna nicht nur eine preisliche Einschätzung. Sie verortet Künstler auch im internationalen Kunstnetzwerk und gelangt dadurch zu einer Einschätzung der Karrieredynamik: ob es bergauf oder bergab geht.

Der Clou der App besteht in der Verknüpfung von Daten unterschiedlicher Art und Herkunft. Der App-Erfinder Artfacts.net sammelt seit über zwei Jahrzehnten Ausstellungstermine. Geboren wurde das Unternehmen aus einem Projekt des Bundesverbandes Deutscher Galerien (BVDG), der Federation of European Art Galleries Association (FEAGA), der TU Berlin und der Telekom noch im letzten Jahrhundert. Es ging darum, deutschen und europäischen Galerien im ersten Internetboom internationale Sichtbarkeit zu verleihen.

Mit dem Platzen der Dotcom-Blase 2000/2001 waren Mitgründer Marek Claassen und seine Partnerin Stine Albertsen plötzlich auf sich allein gestellt. Mit einem kleinen Team und in ständiger Selbstausbeutung trugen sie einen ungeheuren Datenschatz zusammen, der nur auf die richtige Nutzung zu warten schien.

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    Mit der App Limna, die einstweilen ausschließlich für das iPhone zur Verfügung steht, scheint jetzt der Moment gekommen. Die Verknüpfung der eigenen Ausstellungsdaten mit den Auktionspreisen von Artnet eröffnet einen völlig neuen Zugang.

    Am besten funktioniert die App mit zeitgenössischer Kunst. Limna

    Limna

    Am besten funktioniert die App mit zeitgenössischer Kunst.

    Anders als die Plattform Artsy, die mit ihrem Genome Project auf Ähnlichkeiten setzt, oder Magnus, der App von Magnus Resch, die nach einem Fehlstart und rechtlichen Querelen aus den App-Stores verschwunden ist, punktet Limna mit einer Kombination aus Funktionalität und Praxisnähe.

    Am besten funktioniert Limna mit zeitgenössischer Kunst. Hier dürfte auch das größte Nutzerinteresse liegen. Schließlich gibt es genügend Wege, die Preise von durch den Markt, museal und kunsthistorisch abgesicherten Positionen abzufragen; die herkömmlichen Auktionspreisarchive von Artnet, Artprice oder der großen Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s liefern ausreichend Beispiele.

    Zudem spielen dort Faktoren eine Rolle, die sich kaum messen lassen, auch nicht von der raffiniertesten Künstlichen Intelligenz: Wie typisch ist ein Gemälde für den Künstler oder die Entstehungsperiode? Immer wichtiger wird auch die Provenienz, also: Wer waren die Vorbesitzer? Ist das Werk marktfrisch?

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    Die bekannten Sammler Mario von Kelterborn und Ivo Wessel haben eine Applikation entwickelt. Damit lässt sich eine Sammlung managen und eine Probehängung testen.

    Die Antworten können bei historischen Werken preisbestimmend wirken. Die von Limna erteilte Auskunft, dass ein ein mal ein Meter messendes Gemälde von Pablo Picasso rund acht Millionen Euro kosten sollte, ist daher wenig hilfreich.

    Bei aktueller Kunst und jungen Künstlern jedoch gibt es meist noch nicht so viele Auktionsergebnisse. Da gestaltet sich die eigene Preisrecherche sehr mühsam. Zudem lässt sich bei der Erstbegegnung mit einer künstlerischen Position, etwa in einer Galerie oder auf einer Messe, kaum beurteilen, ob eine Künstlerin tatsächlich gerade einen Lauf hat oder ob der Galerist einfach gut reden kann. Ein Blick in die App gibt da schnell Auskunft. Allerdings vorerst nur für Gemälde. Bei Arbeiten auf Papier, Fotos, Skulpturen und Medienkunst muss die App passen.

    Limna soll zum Kunstkauf anregen

    Limna soll Transparenz schaffen und auch Menschen zum Kunstkauf anregen, die vom eher undurchsichtigen Kunstmarkt mit seinen vielen ungeschriebenen Regeln bisher abgeschreckt werden. Einen ersten Feldversuch hat Limna schon gut überstanden; der Proband auch.

    Bei der Onlinemesse in Sankt Agnes der Berliner Galerie von Johann König konnten Nutzer mit einem Klick neben dem verlangten Preis auch die Einschätzung vom Limna abrufen. Die Ergebnisse lagen meist ziemlich nah beieinander, manchmal schätzte die App den Wert höher ein, bisweilen jedoch auch niedriger. Das forderte vom Galeristen gute Argumente für seinen höheren Preis und eröffnete Verhandlungsspielraum.

    Das neueste Feature ist die „Discovery“ genannte Funktion, mit der Nutzer auch nach Kunst suchen können, sei es von Künstlern, die mit einem Lieblingskünstler häufig gemeinsam ausstellen, sei es nach Alter, Geschlecht, Preis oder Region. Möglich wurde die App durch die Öffnung von Artfacts für Investoren. Schon früh eingestiegen ist der Sammler und ehemalige Banker Mario von Kelterborn. Inzwischen sind auch ein Seed Fund sowie der deutsche Kunstunternehmer Rüdiger K. Weng dabei.

    Mehr: Absatzkanal für junge Künstler: 1700 Werke warten auf entschlossene Onlinekäufer

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