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17.03.2022

07:24

Museumspolitik in Bayern

Künstlerdomizil Fritz Koenig: Den Freistaat in die Pflicht genommen

Von: Christiane Fricke

Weggefährten des Bildhauers Fritz Koenig wollen seinen Atelierkomplex vor dem Verfall bewahren und zum Museum machen. Finanzieren müsste das Projekt jedoch der Freistaat Bayern.

Das Ensemble mit Atelier, Wohnhaus und Stallungen auf dem Ganslberg droht zu verfallen. Freundeskreis Fritz Koenig; VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Künstlerresidenz von Fritz Koenig bei Landshut

Das Ensemble mit Atelier, Wohnhaus und Stallungen auf dem Ganslberg droht zu verfallen.

Düsseldorf Zerbeult, aber nicht kaputt. So überstand die „Große Kugelkaryatide“ den Terroranschlag auf das World Trade Center an „9/11“. Seither weiß man in Amerika, aber auch in Deutschland, wer Fritz Koenig ist.

2017 starb der Schöpfer der wundersamen, aus Bronze konstruierten Kugelskulptur. Seitdem kämpft der Verein „Freundeskreis Fritz Koenig“ für den Zusammenhalt seines Lebenswerks. Die Freunde und Weggefährten des Bildhauers ringen im Wesentlichen um den Erhalt und die Nutzung des einzigartigen Atelierkomplexes auf dem „Ganslberg“ bei Landshut.

Immerhin steht das Ensemble inzwischen unter Denkmalschutz. Nun geht es um dessen dauerhafte Nutzung für die Öffentlichkeit. Dafür hat der Filmemacher Percy Adlon ein Konzept entwickelt.

Eine noch vom damaligen bayerischen Kulturminister Bernd Sibler initiierte und von der „Fritz-und-Maria-Koenig-Stiftung“ beauftragte Machbarkeitsstudie liegt inzwischen vor. Sie entstand unter Mitwirkung der bayerischen Landesstelle für nichtstaatliche Museen.

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    „Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist positiv“, findet der Kunsthändler Alexander Rudigier. Er gehört neben dem Historiker Michael Wolfssohn und Percy Adlon zum innersten Zirkel der unermüdlich kämpfenden Weggefährten Koenigs. Seiner Ansicht nach lohne es sich, das Konzept Adlons auszuarbeiten und umzusetzen.

    Adlons Konzept sieht vor, den Ganslberg mit der sogenannten „Kugelhalle“, dem Entstehungsort der Kugelkaryatide, zu musealisieren, das Gelände mit den Skulpturen des Künstler erneut zu bestücken und das Wohnhaus mitsamt seiner bedeutenden Afrika-Sammlung wieder einzurichten.

    Der Filmemacher und Weggefährte Fritz Koenigs hat das Konzept für den Erhalt und die Nutzung des Atelierkomplexes auf dem Ganslberg erarbeitet. Eleonore Adlon

    Percy Adlon

    Der Filmemacher und Weggefährte Fritz Koenigs hat das Konzept für den Erhalt und die Nutzung des Atelierkomplexes auf dem Ganslberg erarbeitet.

    Am mangelnden Willen, auch von Seiten der Stadt Landshut, dürfte das Projekt nicht scheitern. Auch nicht am Geld, meinen Vertreter des Freundeskreises. Denn der Freistaat Bayern, dem das Anwesen im letzten Herbst zum Kauf angeboten wurde, würde über die notwendigen Mittel verfügen.

    Die Stiftung könnte das Projekt jedenfalls nicht aus eigener Kraft umsetzen. Allerdings hat sich der bayerische Staat, der die Hälfte der Kosten für die Machbarkeitsstudie bezahlte, noch nicht gerührt. „Wir warten auf eine Antwort“, sagt Rudigier.

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    In Landshut eskaliert ein lange schwelender Streit um das Erbe des bedeutenden deutschen Bildhauers Fritz Koenig.

    Bezahlen könnte Bayern die Musealisierung des Ganslbergs aus seinem Grundstockvermögen. Dieser Topf, dessen Mittel nur für die Anschaffung von Vermögenswerten entnommen werden dürfen, soll gut gefüllt sein, zitiert Rudigier Auskünfte von Kurt Faltlhauser, der sich mit den Finanzen des Freistaats als ehemaliger Finanzminister gut auskennt.

    Unterdessen arbeiten Freundeskreis und Koenig-Stiftung weiter daran, das Lebenswerk des Künstlers bekannter zu machen. Wichtige Schritte waren die Retrospektive in den Uffizien in Florenz 2018 sowie 2021 ein Buch und ein Film zum 50-jährigen Bestehen der auch „The Sphere“ genannten Kugelkaryatide.

    Nicht zuletzt gilt es an einen deutschen Bildhauer zu erinnern, der sich als Interpret des Holocaust einen Namen gemacht hat. Wer weiß schon, dass Koenig die Erinnerungsmale des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen, der Hinrichtungsstätte in Berlin-Plötzensee sowie zentrale Ausstattungselemente der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau schuf. Sein Entwurf für das Berliner Holocaust-Mahnmal kam im Wettbewerb übrigens auf Platz drei.

    Mehr: Buchprojekt über Fritz Koenig: Zur Erinnerung an eine wundersame Bronzekugel

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