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08.08.2022

12:33

Non Fungible Token

NFT: Schrumpfendes Interesse an der Geldmaschine

Von: Christian Herchenröder

Krypto-Kunst war 2021 der Hit. Doch unautorisierte Kopien, starke Preisschwankungen und die drastische Talfahrt der Kryptowährungen belasten das Sammelgebiet.

Dafür konnte Christie’s im März 2021 über 69 Millionen Dollar einnehmen. Doch dieser Höchstpreis wurde danach nie mehr nur annähernd erreicht. CHRISTIE'S IMAGES LTD. 2021

Beeple „Everydays: The first 5000 Days”

Dafür konnte Christie’s im März 2021 über 69 Millionen Dollar einnehmen. Doch dieser Höchstpreis wurde danach nie mehr nur annähernd erreicht.

Berlin Der britische Künstler Damien Hirst ist ein gewiefter Marktstratege. Auch in das Geschäft mit Krypto-Kunst ist er eingestiegen. Malerei aus zehntausend Punkten auf Papier hat er 2021 zu Non Fungible Tokens (NFTs) zum Preis von je 2000 Dollar digitalisiert.

Käufer können sich entscheiden, ob sie das NFT, ein digitales Werk mit digitalem Eigentumszertifikat, behalten oder lieber das Gemälde erwerben wollen. Alle übrig gebliebenen Papierarbeiten werden im Oktober 2022 verbrannt. Dass die meisten Kunden das Original bevorzugen, könnte ein Indikator für einen geschwächten Markt für Krypto-Kunst sein.

Das Ganze ist eine clevere Geldmaschine, die nach dem Willen ihres Urhebers Kunst zur Währung und Währung zu Kunst macht. Diese Marktofferte ist nur eine von der im Corona-Jahr 2021 ins Kraut geschossenen Produktion von NFTs. Deren höchste Bewertung liegt bei legendären 69 Millionen Dollar, die im März 2021 bei Christie’s eine aus 5000 Bildern bestehende Assemblage des amerikanischen Digitalkünstlers Beeple erzielte. Dieser Rekordpreis gilt noch heute.

Seit dieser Zeit tummeln sich unzählige Vermittler von Krypto-Kunst auf einem Markt. Doch der macht immer wieder von sich reden mit Sicherheitsproblemen, starken Preisschwankungen und zuletzt mit der drastischen Talfahrt der Kryptowährungen - minus 70 Prozent.

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    Zwar hat das Oberste Gericht in Großbritannien NFTs im April als „Eigentum“ eingestuft; aber das hindert Hacker nicht, sich in einem noch weitgehend unregulierten Markt zu bedienen und sogar Kopien (Tokens) von gestohlener Kunst zu verbreiten, wie es bereits in China geschehen ist.

    Das Magazin der Datenbank Artprice moniert, dass von fast allen der bekannten NFT-Projekte in großer Zahl Repliken auf dem größten Marktplatz Opensea kursieren. Im Februar strich dieser Anbieter 1138 NFTs aus seinen Listen, die von ihren Urhebern, darunter Anish Kapoor und Damien Hirst, nicht autorisiert waren.

    Die 104 Pixelfiguren sollten einen Rekordpreis bringen und floppten bei Sotheby’s. Sotheby's

    Larva Labs: „CryptoPunks“

    Die 104 Pixelfiguren sollten einen Rekordpreis bringen und floppten bei Sotheby’s.

    Als neuer Geschäftszweig haben NFTs für Internetfixierte Sammler eine starke Faszination, und nicht nur für diese. Der von der Art Basel und der UBS lancierte Kunstmarktreport 2022 berichtete, dass 56 Prozent der befragten ultrareichen Sammler planten, digitale Kunst zu kaufen und resümiert: „Es gibt keine Anzeichen, dass das Interesse an NFTs sich 2022 abschwächen wird.“

    Dem widersprechen Untersuchungen der Analysten NonFungible. Sie stellten im Juni heraus, dass die NFT Wallets -Browsererweiterungen, mit denen man auf NFTs und deren Marktplätze zugreifen kann, seit September 2021 um 88 Prozent geschrumpft sind: von 119.000 auf 14.000 „digitale Geldbörsen“.

    Takashi Murakami entschuldigt sich für Preisverfall

    Im Februar sagte Sotheby’s in letzter Minute eine Auktion mit 104 Crypto-Punks bei einer Schätzung von 20 bis 30 Millionen Dollar mangels Bieterinteresse ab. Und das ist nicht alles. Es gibt auch einen Preisverfall für überteuert eingekaufte Kunst, die diesen Namen eigentlich nicht verdient.

    Der japanische Künstler Takashi Murakami, von dem auch Kopien in Umlauf sind, entschuldigte sich im Juni bei seinen Sammlern, nachdem der Wert für seine „Flower”-NFTs von 260.000 auf 2000 Dollar gefallen war. Die im ersten Halbjahr auf breiter Front eingebrochenen Preise für Digitalwährungen haben auch den Preisrutsch für gehypte Digitalkunst gefördert.

    Ein Paradebeispiel sind die simplen Köpfe von „CryptoPunks“, von denen einer im Juni 2021 für 11,8 Millionen Dollar angekauft wurde und im Mai 2022 auf 139.000 Dollar absackte. Ein Bildnis aus der im letzten Oktober noch heiß begehrten Serie „BoredApe Yacht Club“ rutschte von 513.000 Dollar im April auf 161 Dollar im Juni. Das Bild eines Roboters von dem angesagten Digitalkünstler Snoop Dog ging von 32.000 Dollar im April auf das Höchstgebot von 480 Dollar im Juni zurück.

    Das Geschäft mit Token sinkt

    Einziger Lichtblick war das zu einem Fußball-Erlebnispaket aufgewertete NFT-Video des holländischen Torschützen Johan Cruyff von 1973. Sotheby’s konnte dafür kürzlich mit Aufgeld 693.000 Dollar einnehmen.

    Von sportlichen Ausnahmen abgesehen, sind das Einbrüche, die einen insgesamt geschrumpften Markt für Krypto-Kunst widerspiegeln. Neue Anbieter tun sich da schwer. Coinbase, die Handelsgesellschaft für Kryptowährungen, investierte 600 Millionen Dollar in seinen im Mai gegründeten Marktplatz. Doch das Token-Geschäft sank in den ersten sechs Wochen von 75.000 auf 19.000 Dollar.

    Kritiker betrachten NFTs seit je als überbewertet. Auch der Milliardär Bill Gates gehört zu ihnen. Jüngst gab er dem Finanz-Portal CNBC zu Protokoll, dass sich solche Werke „zu 100 Prozent auf eine starke Narrentheorie stützen“. Dem wäre aus konservativer Sicht nichts hinzuzufügen.

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