Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.05.2022

20:19

Plötzlich Kulturgut

Früchte-Stillleben von Jean-Siméon Chardin darf nicht ausgeführt werden

Von: Olga Grimm-Weissert

Frankreich hat ein bereits versteigertes Gemälde zum Staatskulturgut deklariert. Jetzt hat der Staat 30 Monate Zeit, um Mäzene für den Ankauf zu gewinnen.

Die radikal schlichte Darstellung der kunstvoll aufgetürmten Erdbeer-Mahlzeit wurde bei Artcurial für 24,4 Millionen Euro mit Aufgeld versteigert. Artcurial

Jean Siméon Chardin

Die radikal schlichte Darstellung der kunstvoll aufgetürmten Erdbeer-Mahlzeit wurde bei Artcurial für 24,4 Millionen Euro mit Aufgeld versteigert.

Paris Der französische Staat greift immer wieder in den Kunstmarkt ein. Jüngstes Beispiel ist das am 23. März für 24,4 Millionen Euro versteigerte „Walderdbeerkörbchen“ von Jean-Siméon Chardin. Das Kulturministerium hat es am 22. April zum nationalen Kulturgut erklärt.

Damit hat der französische Staat 30 Monate Zeit, um einen Ankauf durch Mäzene sicherzustellen. Gelingt dies nicht, kann es der Auftragsbieter, der New Yorker Altmeisterhändler Adam Williams, aus Frankreich ausführen. Käufer ist das Kimbell Art Museum in Fort Worth in Texas.

Adam Williams bot persönlich im Pariser Auktionssaal. Sowohl der Top-Experte Eric Turquin, als auch der bei Artcurial tätige Auktionator Matthias Fournier hatten den Bietern erklärt, dass der Louvre das Bild gerne erwerben würde.

Die Einlieferer, Erben des bedeutenden Sammlers Eudoxe Marcille (1814–1890), lehnten jedoch eine private Transaktion ab. Ebenso die Experten und der Auktionator, deren Honorare dann niedriger ausgefallen wären.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Generaldirektorin des Louvre, Laurence des Cars, hätte das Bild normalerweise sofort nach dem Fall des Hammers über das gesetzlich geregelte Vorkaufsrecht erwerben können. Mit ihrem Ankaufsbudget von maximal 10 Millionen Euro kann sie am Markt jedoch nicht teilnehmen. Sie wählte daher nach der Auktion die Tageszeitung „Le Figaro“, um ihre Absicht bekanntzugeben, das schönste Stillleben Chardins mit Hilfe eines Mäzens für den Louvre zu erwerben.

    Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel: Gemeinsam gegen die Überregulierung

    Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel

    Gemeinsam gegen die Überregulierung

    Der deutsche Kunsthandel ächzt unter gesetzlichen Auflagen und Besteuerungsregeln. Inzwischen kämpft er mit einer Stimme um bessere Standortbedingungen.

    Der Louvre besitzt bereits 41 Bilder von Chardin. Für den Ankauf setzte sich der ehemalige Generaldirektor des Louvre ein, Paul Rosenberg. Er hat den Künstler bereits mit mehreren internationalen Ausstellungen aufgewertet.

    Die „Beratende Kommission der Staatskulturgüter“ riet der amtierenden Kulturministerin Roselyne Bachelot, das Bild zum Staatskulturgut zu deklarieren. Damit folgte sie dem Wunsch der aktuellen Generaldirektorin des Louvre und seines ehemaligen Leiters.

    Das Kulturministerium teilte seine Entscheidung zwei Tage vor der Stichwahl zum Staatspräsidenten der Presse mit, aber weder dem Auktionshaus noch dem Experten, die erst vom Handelsblatt informiert wurden.

    In der Pressemitteilung von Artcurial ist nachzulesen, der Zuschlag sei ein „klarer und transparenter Preis, gerecht und indiskutabel, im Dienste der Verkäufer“. Adam Williams erklärte dem Handelsblatt telefonisch, dass er nicht mit der Presse spricht. Sein Kunde, das Kimbell Art Museum, muss sich gedulden.

    Mäzene gesucht in zwei weiteren Fällen

    Frankreich hat noch in weiteren Fällen von seinem Recht Gebrauch gemacht, die Ausfuhr zu verbieten, indem es Gemälde als Staatskulturgut deklarierte. Für zwei Gemälde läuft die Frist von 30 Monaten in diesem Sommer ab.

    Bis Sommer müssen Mäzene gefunden werden, die für 43 Millionen Euro Gustave Caillebottes Gemälde „Le Canonier“ für das Musée d’Orsay ankaufen. Ein privater Einlieferer wollte es ins Ausland verkaufen. Mäzene werden ebenfalls für Cimabues Goldgrundgemälde „Die Verspottung Christi“ gesucht, das im Auktionshaus Actéon in Senlis 24,2 Millionen Euro erzielte.

    Nach Ablauf der 30-monatigen Frist können die Werke ihren ausländischen Käufern ausgeliefert werden, wenn sie noch über die nötigen Finanzierungsmittel verfügen.

    Mehr: Privatverkauf Caravaggio: Ein unwiderstehliches Angebot

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×