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20.09.2019

19:14

Reeperbahn-Festival

Warum Musikfestivals finanzkräftige Hilfe von Investoren suchen

Von: Christoph Kapalschinski

Auf Europas größtem Club-Festival diskutiert die Branche über die Zukunft der Festivals. Die Margen sinken, die Risiken steigen, kleine Veranstalter sind frustriert.

Die Mitglieder der Band „After Culture“ spielen beim Reeperbahn-Festival auf dem Bürgersteig der Reeperbahn. Das Festival gibt es seit 2006. dpa

Reeperbahn-Festival

Die Mitglieder der Band „After Culture“ spielen beim Reeperbahn-Festival auf dem Bürgersteig der Reeperbahn. Das Festival gibt es seit 2006.

Hamburg Matsch, Gitarrenwände und Headbanging: Das alljährliche Festival im norddeutschen Dorf Wacken wirkt weit über die Metal-Szene hinaus wie eines der letzten authentischen Spektakel. Unzählige Kamerateams tragen die Botschaft von der friedlichen Feier in die ganze Welt, selbst metalfremde Musiker von Jan Delay bis Heino schmücken sich mit einem Gastauftritt.

Doch was nach Anarchie aussieht, folgt einem festen Plan. Dass die 70.000 Karten in den vergangenen Jahren stets innerhalb eines Tages ausverkauft waren, ist auch ein gigantischer Marketing-Erfolg. So kümmert sich ein Social-Media-Team ganzjährig um die Fans. Darüber hinaus betreut das Festival den eigenen Fanclub „Full Metal Army“. Zudem arbeitet das Festival verstärkt mit Reiseveranstaltern zusammen – bis nach Lateinamerika und Japan.

Zu seinem 30. Jubiläum gilt das Festival für die Live-Entertainment-Branche bei ihrem europäischen Jahrestreffen, dem Reeperbahn-Festival, als ein leuchtendes Vorbild – und als Menetekel. In Hamburg diskutiert die Branche noch bis Samstagabend unter anderem, wie die Festivals in Europa nach mehreren Boom-Jahren ihre Entwicklung stabilisieren können.

Steigende Kosten und sinkende Gewinnmargen machen den Betreibern zu schaffen – während zugleich Finanzinvestoren die Großveranstaltungen entdecken. Denn Konzerte sind mit deutlich über 3,6 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland ein echter Wirtschaftsfaktor.

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    Auch die erfolgreichen Wacken-Macher mussten beim Kongress des Reeperbahn-Festivals begründen, wieso sie einen Investor hinzugeholt haben. Im vergangenen Monat hatten sie die Mehrheit an ihrem Festival verkauft. Der offiziell als „Partnerschafts- und Investitionsvertrag“ bezeichnete Deal macht indirekt einen Finanzinvestor zum Großaktionär: Hinter dem neuen Partner Superstruct steht der 45 Milliarden Dollar schwere Investor Providence Equity Partners, der sich bei mehreren europäischen Festivals vom ungarischen Groß-Event Sziget bis zum Barcelonaer Sonar eingekauft hat.

    „Zum heutigen Zeitpunkt ist es wichtig, das Festival abzusichern“, begründete Wacken-Mitgründer Thomas Jensen in Hamburg den Teilverkauf – trotz des im Bundesanzeiger ausgewiesenen Bilanzgewinns von 3,7 Millionen Euro für das Jahr 2017. Ihn treiben wie viele andere Veranstalter eher die Bilder als die Zahlen aus dem Sommer 2017 um: Damals mussten mehrere Festivals wegen Unwettern abbrechen, Rock am Ring litt unter einem Terror-Fehlalarm.

    Trotz des glimpflichen Ausgangs wirkten die Ereignisse wie ein Schock auf die Branche, da sie ein Schlaglicht auf die finanziellen Risiken warfen. „Wir müssen alle Antworten auf die gleichen Fragen finden“, sagte Jensen. Das sei innerhalb einer Gruppe von Festivals einfacher.

    Ähnlich sehen das offenbar etliche, bislang noch von den großen Spielern wie Live Nation und AEG unabhängige Veranstalter. Immer mehr Festivals suchen Anschluss an große Spieler. „Die Konsolidierung ist so stark wie nie“, warnte Mikołaj Ziółkowski, Geschäftsführer des größten polnischen Festival-Veranstalters Alter Art Agency. Seine These: Der Branche drohe das Platzen einer Blase. Bei stark steigenden Kosten für die Festivals sei mittlerweile die Schmerzgrenze bei den Ticketpreisen erreicht.

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