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13.10.2022

11:22

Stadtpalais in Paris

Marktmacher Hamad Al Thani lässt prunkvolles Inventar versteigern

Von: Olga Grimm-Weissert

In dieser Woche verteilt Sotheby’s das üppige Inventar des Pariser Stadtpalais Hôtel Lambert. Zusammengetragen wurde es von Scheich Hamad bin Abdulah Al Thani aus Katar.

Die Al Thani erwarben das Palais im Jahr 2007 und ließen es aufwendig restaurieren. Sotheby's

„Hôtel Lambert“ in Paris

Die Al Thani erwarben das Palais im Jahr 2007 und ließen es aufwendig restaurieren.

Paris „Wir befinden uns am Ende einer Epoche und beginnen eine neue Marktphase“, konstatiert der Bremer Antiquitätenhändler Achim Neuse anlässlich der fulminanten Pariser Versteigerung der „Sammlung Hôtel Lambert“ bei Sotheby’s. Bis zum heutigen Freitag kommen rund 1200 Lose im Auktionssaal zur Versteigerung, online sogar bis 17. Oktober.

Die Offerte ist heiß begehrt. Allein das Ergebnis des ersten Auktionstages mit „Meisterwerken“ französischer Kunstschreiner und Kunsthandwerker aus dem 17. und 18. Jahrhundert erreichte mit 46,8 Millionen Euro fast die Gesamtschätzung.

Alle Pariser Top-Antiquitäten- und Gemäldehändler, richtiger: ihre Söhne und Enkel, ergänzt von den Bremer Händlern Neuse und Wurster mit Sohn Martin Neuse, saßen am ersten Tag im Saal. Dort hatten internationale Telefon- und Onlinebieter das Sagen. Dennoch konnten die Pariser Händler Nicolas und Alexis Kugel, flankiert von ihren Töchtern, erlesene Objekte erstehen.

„Hôtel Lambert“ ist der Name eines der schönsten Pariser Stadtpalais‘ aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Seine-Insel Saint-Louis gelegen, erbaute es der Versailles-Architekt Louis Le Vau 1648.

Hinter der Sammlung Hôtel Lambert stehen die Familie Al Thani aus Katar und der 41-jährige Scheich Hamad bin Abdullah Al Thani. Die Al Thani erwarben das Palais im Jahr 2007 und ließen es aufwendig restaurieren. Anfang dieses Jahres akquirierte es der Kommunikations-Milliardär Xavier Niel für kolportierte 200 Millionen Euro. Niel, der Schwiegersohn von Bernard Arnault, übernahm die überladene Prachtdekoration nicht mit. Daraufhin ging das Mobiliar - laut Händleraussagen - zum Großteil an einen angeblich amerikanischen Käufer.

Kunst und Ausstattung waren so prachtvoll wie üppig. Sotheby's

Blick in das Hôtel Lambert

Kunst und Ausstattung waren so prachtvoll wie üppig.

Die verbliebenen Möbel, Tapisserien und das exzeptionelle Kunsthandwerk verteilt Sotheby’s nun in Europa, Asien und Amerika und im Nahen Osten. Der Erlös geht an die „Al Thani Collection Foundation“, die sich für die Verbreitung von Kunst und Kultur einsetzt.

Am Pariser Place de la Concorde verfügt die Al Thani Stiftung über einen Teil des „Hôtel de la Marine“. Dort zeigt sie Exklusives aus der von Hamad Al Thani erstandenen Sammlung. Eingekauft hat der leidenschaftliche Sammler die Kostbarkeiten bei den besten Antiquitätenhändlern in London, New York und Paris.

Saoud Al Thani : Wie „Falkenauge“ die Kunstsammlungen von Katar aufbaute

Saoud Al Thani

Wie „Falkenauge“ die Kunstsammlungen von Katar aufbaute

Saoud Al Thani war ein Markt beherrschender Kunstsammler. Bis er inhaftiert wurde. Jetzt wird der Kunstkenner mit einem großartigen Katalog rehabilitiert.

Das Phänomen Hamad Al Thani ist signifikant für die Umstrukturierung dieses Marktes, den ein, zwei Megasammler prägten. Sie stammen nicht mehr aus der westlichen Welt, sind Ästheten, gebildet und verfügen über unendlich viel Geld. Beginnend mit dem 2014 verstorbenen Saoud bin Mohammed Al Thani, der für die Museen in Doha weltweit zu Höchstpreisen einkaufte.

Um 2006 tauchte der damals 25-jährige Hamad bin Abdullah Al Thani auf, der weltweit größte Käufer der letzten Jahre. Nicolas Kugel charakterisiert ihn so: „Dank seiner Wissbegierde und seines außergewöhnlichen visuellen Gedächtnisses ist er zweifellos der größte Sammler seiner Generation“.

Martin Neuse hebt hervor, dass Hamad Al Thani „viel Ungewöhnliches erwarb, und zwar auf allen Gebieten, von Möbeln bis Juwelen“. Viele der besten Stücke, die man in den letzten zwanzig Jahren auf Messen, in Galerien und auf Auktionen sah, kaufte der junge Scheich Hamad.

Für das Sesselpaar bewilligte ein Telefonbieter 3,7 Millionen Euro. Sotheby's

Paar Fauteuils des Kunstschreiners Jean-Baptiste II. Tillard

Für das Sesselpaar bewilligte ein Telefonbieter 3,7 Millionen Euro.

Teuerstes Los wurde ein frisch bespanntes Paar Fauteuils des Kunstschreiners Jean-Baptiste II. Tillard, das dieser 1784 den Töchtern von Ludwig XV. lieferte. Ein Telefonbieter bewilligte 3,7 Millionen Euro.

Eine dem Ebenisten BVRB (Bernard I. van Riesen Burgh) zugeschriebene Kommode mit Schildpatt- und Messing - Marketerien und vergoldeten Bronzeaufschlägen sicherte sich ein ausländischer Telefonbieter für 2,2 Millionen Euro. Im gleichen imposanten Stil schuf André-Charles Boulle im Jahr 1684 ein Paar Piedestale für das Schloss Versailles, das die Sockel nun per Vorkaufsrecht für 1,4 Millionen Euro zurück erwarb.

Niemals zuvor sah man so viele hochqualitative Porzellanvasen mit Bronzemonturen, um die sich die Bieter dementsprechend stritten. 1,6 Millionen Euro offerierte ein Telefonkäufer für eine China-Céladon-Vase, die ein Kunstschmied um 1760 mit vergoldeter Bronze veredelte.

Der zweite Auktionstag unter dem Motto „Kunstkammer“, lief moderater ab. Eine vergoldete Rothschild-Silber-Juwelen-Kassette, in Augsburg 1663 geschmiedet, fuhr 529.200 Euro ein. Sotheby‘s konnte am Dienstag 7,1 Millionen Euro einnehmen. Das Gesamtergebnis für drei Versteigerungstage stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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