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29.12.2021

15:15

Versteigerungen vor Weihnachten

Auktionen im Kinsky: Ein neuer Rekord für Martha Jungwirth

Von: Nina Schedlmayer

Das Wiener Auktionshaus im Kinsky beschließt das Jahr 2021 mit 25 Millionen Euro Umsatz. 11 Millionen Euro entfallen auf die Weihnachtsauktionen.

Die 81-Jährige im Höhenflug: Ihr abstraktes Gemälde wurde für 197.000 Euro mit Aufgeld weitervermittelt (Ausschnitt aus einem Hochformat). im Kinsky; VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Martha Jungwirth

Die 81-Jährige im Höhenflug: Ihr abstraktes Gemälde wurde für 197.000 Euro mit Aufgeld weitervermittelt (Ausschnitt aus einem Hochformat).

Wien Vor wenigen Jahren konstatierte die Wiener Malerin Martha Jungwirth noch mit der ihr eigenen Trockenheit, dass ihre Werke am Markt sehr wohl beliebt seien – aber nur, solange sie wenig kosteten. Damit ist es nun endgültig vorbei. Denn bei der 137. Auktion im Wiener Auktionshaus im Kinsky erzielte ein Gemälde der Künstlerin einen neuen Rekord: Für 197.000 Euro mit Aufgeld ging das abstrakte Bild in Jungwirths typischem rosa-lila Kolorit weg.

Es war eines von fünf hier offerierten Werken der Künstlerin, und alle fanden Abnehmer. Erst 2020 hatte das im Kinsky einen Rekord für sie gesetzt, damals bei 105.000 Euro. Zwischen diesen Preisen liegt ihre Ausstellung auch in der Pariser Galerie von Thaddaeus Ropac. Kein Wunder, dass das Los 3016 nun an einen internationalen Bieter ging.

Vom 14. bis 17. Dezember offerierte das im Kinsky Alte Meister, Gemälde des 19. Jahrhunderts, Jugendstil, Antiquitäten, Moderne und Zeitgenossen. In der Contemporary-Sparte, in der 80 Prozent der Lose verkauft wurden, punktete auch Hermann Nitsch. 16 Lose fanden Käufer, von Papierarbeiten im niedrigen vierstelligen Bereich bis zu einem großen Schüttbild, das für 108.000 Euro unter den Hammer kam. Nur eines blieb liegen. Auch ein Akt von Ernst Fuchs sorgte für Freude. 158.000 Euro wurden für seine „Cinderella“ bewilligt.

Bei der Auktion für Moderne, in der 70 Prozent der Lose vermittelt wurde, stießen gleich zu Beginn vier Zeichnungen von Gustav Klimt auf großes Interesse. Darunter befand sich die Kreidezeichnung „Schwebender Akt mit ausgebreiteten Armen“, die 115.500 Euro erzielte.

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    Durchwachsen waren die Ergebnisse für die Gemälde von Alfons Walde und Werner Berg: So erzielten etwa Waldes „Bauernmutter“ 223.500 Euro, Bergs „Keusche im Winter“ und sein „Sommerabend“ 160.000 Euro. Andere prominent angepriesene Lose der beiden Österreicher blieben dagegen unverkauft.

    Die 1974 entstandene Landschaft „Keusche im Winter“ kam auf 160.000 Euro (Ausschnitt aus einem extremen Querformat). im Kinsky; VG Bild-Kunst, Bonn 2021

    Werner Berg

    Die 1974 entstandene Landschaft „Keusche im Winter“ kam auf 160.000 Euro (Ausschnitt aus einem extremen Querformat).

    Nur wenige Ausreißer waren in dieser Weihnachtsauktion zu beobachten, einer davon in der ansonsten eher schwierigen Altmeister-Sparte. Das Gemälde „Winter-Karneval mit Eisläufern vor der Kipdoppoort Bastion in Antwerpen“ übertraf die Taxe von 100.000 bis 200.000 Euro deutlich mit einem Preis von 422.500 Euro.

    Das Gemälde, das um 1620 entstand und dem Antwerpener Sebastian Vrancx zugeschrieben war, befand sich einst in der Sammlung des Grafen Adalbert Sandor von Szlavnicza, ebenso wie das eines Bosch-Nachfolgers. Mit dessen „Limbus – Abstieg Christi in die Unterwelt“, das auf 150.000 bis 300.000 Euro geschätzt worden war, hatten die gräflichen Erben allerdings weniger Glück. Es fand ebenso wenig einen Abnehmer wie die „Heilige Familie“ eines Raffael-Nachfolgers.

    Überhaupt war die Verkaufsquote bei den Alten Meistern sehr schwach: Nur 59 der 127 angebotenen Lose gingen weg – nicht einmal die Hälfte.

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    Digitalauktionen und eine neue Terminplanung sorgen im Dorotheum und im Kinsky für eine gute Halbjahresbilanz. Maria Lassnig erzielte erneut einen Rekordpreis. Die Alten Meister bleiben schwierig.

    Insgesamt setzte die Weihnachtsauktion rund elf Millionen Euro um. 2021 verbuchte das im Kinsky rund 25 Millionen Euro. Die coronabedingten Schwierigkeiten dieses Jahres sieht die Geschäftsführung in den eingeschränkten Möglichkeiten für das Publikum, das Angebot zu besichtigen und bei Auktionen physisch präsent zu sein.

    Laut Geschäftsführer Ernst Ploil habe das Haus die Erschwernisse aber gut durch interne Maßnahmen bewältigt: „Dazu gehörten personelle Änderungen, ein zusätzliches Gewicht auf Online-Bidding sowie die weitere Digitalisierung.“ Sein Kollege Michael Kovacek ergänzt allerdings, dass Online-Bidding das Live-Erlebnis im Auktionshaus nicht ersetzen könne.

    Als erfreuliche Entwicklung nennen die Geschäftsführer eine Zunahme des jüngeren Publikums. Ploil: „Kunst hat Autos oder Juwelen als sichtbares Statussymbol abgelöst. Dazu kommen die allgemeine Unsicherheit und der Zweifel an der Stabilität von Geld.“

    Mehr: Auktionen für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts: Das beste Jahr für die Sparte Moderne

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