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21.06.2022

09:26

Weltausstellung in Kassel

Documenta fifteen: Antisemitische Darstellung soll entfernt werden

Von: Susanne Schreiber

Ein judenfeindliches Hetzbild ist am Montag in Kassel verhüllt worden. Claudia Roth reicht die Teilverhüllung des Banners von Taring Padi nicht.

Das inkriminierte Banner wird wegen seiner antiseminitischen Darstellungen am Montag verhüllt. Swen Pförtner/dpa

Kollektiv Taring Padi „People's Justice"

Das inkriminierte Banner wird wegen seiner antiseminitischen Darstellungen am Montag verhüllt.

Düsseldorf Antisemitische Darstellungen auf der Documenta fifteen (d15): Was lange ein Vorwurf gegen das Leitungskollektiv Ruangrupa war, hat sich nach der Vorbesichtigungsphase für Journalistinnen und Fachleute nun beweisen lassen. Auf dem riesigen Wimmelbild „People's Justice“ sind eindeutig antisemitische Motive zu sehen.

Die Darstellung zu entfernen forderte am Montag Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Das Banner stammt von dem 1998 in Yogyakarta gegründeten Kollektiv Taring Padi.

In einer apokalyptischen Bürgerkriegsszene ist dort ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen. Sein Helm weist ihn mit dem Schriftzug „Mossad“ als Mitglied des israelischen Geheimdienstes aus. Sein Halstuch hat einen Davidstern. Ein frommer Jude ist mit wolfsähnlichen Reißzähnen dargestellt.

Figuren in der Bildsprache des nationalsozialistischen Hetzblatts „Stürmer“ am Hauptplatz der d15, dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum: Das ist ein Skandal. Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist das „antisemitische Bildsprache“.

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    Die Grünen-Politikerin sagte am Montag der ARD: „Ich sage es noch einmal: Die Menschenwürde, der Schutz gegen Antisemitismus wie auch gegen Rassismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit sind die Grundlagen unseres Zusammenlebens, und hier findet auch die Kunstfreiheit ihre Grenzen.“

    Irritierend ist, dass das Banner erst kurz vor der Eröffnung am vergangenen Samstag installiert worden ist. Während der Vorbesichtigungstage für Journalisten standen auf dem Friedrichsplatz nur ein großes leeres Metallgerüst und die „Tent-Embassey“ von Richard Bell. Der australische Aborigine fordert das Land seiner Vorfahren zurück.

    Der Ausschnitt des umstrittenen Großgemäldes auf dem Friedrichsplatz zeigt einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad», der Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Uwe Zucchi/dpa

    Kollektiv Taring Padi

    Der Ausschnitt des umstrittenen Großgemäldes auf dem Friedrichsplatz zeigt einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad», der Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.

    Die Documenta-Leitung hatte für die Abwesenheit des Banners nur eine wenig überzeugende Erklärung: Das Tuch sei eingerissen und von einem Sattler repariert worden, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

    Am Montagabend entscheidet die Documenta fifteen, die herabsetzenden, menschenverachtenden Partien zu überdecken und eine Tafel mit Erklärungen anzubringen. Dass die Geschäftsführung der Weltausstellung nicht rechtzeitig die Grenzen der Kunstfreiheit erkannt hat, ist ein schwerer Fehler. Denn schon Anfang 2022 machte ein Blog auf die Nähe verschiedener Kollektive zur Israel feindlichen Initiative BDS (Boykott, Desinvestition, Sanktionen) aufmerksam.

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte in seiner Eröffnungsrede am Samstag schon die Grenzen der Kunstfreiheit betont. „Kunst darf anstößig sein, sie soll Debatten auslösen.“ Kritik an israelischer Politik sei erlaubt. „Doch wo Kritik an Israel umschlägt in die Infragestellung seiner Existenz, ist die Grenze überschritten“.

    Am Dienstagnachmittag reicht der Kulturstaatsministerin die Verhüllung nicht mehr. Claudia Roth fordert: „Es ist überfällig, dass dieses Wandbild, das eindeutig antisemitische Bildelemente aufweist, jetzt von der documenta entfernt wird. Die bloße Verhüllung und die Erklärung des Künstlerkollektivs Taring Padi dazu waren absolut inakzeptabel.“

    Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit sind die klaren Grenzen für die Kunstfreiheit. Roth: „Antisemitismus ist keine Frage verletzter Gefühle Einzelner und eine eindeutig antisemitische Bildsprache lässt sich nicht durch einen anderen Kontext erklären oder relativieren. Die Entfernung dieses Wandbildes ist nur ein erster Schritt. Dem müssen nun weitere folgen.“

    Claudia Roth verlangt Aufklärung darüber, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass dieses Wandbild mit antisemitischen Bildelementen installiert wurde. „Außerdem fordere ich die Documenta-Verantwortlichen wie die Kuratoren dazu auf, jetzt unverzüglich sicherzustellen, dass bei der Documenta nicht weitere eindeutig antisemitische Bildelemente gezeigt werden.“
    Mit Agenturmaterial

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