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08.05.2022

17:00

Hotel Vier Jahreszeiten

Ein Hamburger Grand Hotel als Lebensaufgabe

Von: Michael Raschke

Seit 25 Jahren leitet Ingo C. Peters das Fünfsternehaus am Jungfernstieg, das seinen 125. Geburtstag feiert. Er fing als Page an und kehrte als General Manager zurück.

Ingo C. Peters (l.) begrüßte unter anderem Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (M.) und Eigentümer Kurt Dohle. dpa

Geburtstagsgala im Vier Jahreszeiten

Ingo C. Peters (l.) begrüßte unter anderem Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (M.) und Eigentümer Kurt Dohle.

Hamburg Seit 25 Jahren ist Ingo C. Peters General Manager des noblen Hamburger Hotels Vier Jahreszeiten. Er begrüßte Königinnen und Staatsmänner, Stars und Sternchen, Menschen mit viel neuem und noch mehr altem Geld. Dass sein Dienstjubiläum und der 125. Geburtstag des Nobelhauses fast zusammenfallen, ist Zufall. Die Performance des Hotels, die Peters verantwortet, eher nicht.

Die Größen der Branche, von denen sich viele am Mittwochabend im Vier Jahreszeiten zu einer Jubiläumsgala mit mehr als 1200 Gästen trafen, sind sich einig: Kaum ein General Manager hatte einen solchen Einfluss auf die auch wirtschaftliche Performance des Vier Jahreszeiten wie Peters.

Als Grand Hotel zählt es zu den besten der Welt, es wurde vielfach ausgezeichnet, national wie international. In den bislang zwei Auflagen des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“ schaffte das Vier Jahreszeiten jeweils Platz eins. Peters ist Vorsitzender des Zusammenschlusses Selektion Deutscher Luxushotels und selbst vielfach dekoriert. 2014 wählte ihn die Branche in Deutschland zum Hotelier des Jahres.

Sein Vorbild und Mentor ist Kurt Wachtveitl, der mehr als 40 Jahre lang das legendäre Mandarin Oriental in Bangkok führte, dort morgens und abends für eine Stunde in der Halle stand. „Der sagte mir immer: Wenn du nicht den direkten Draht zu deinen Gästen hast und nicht weißt, was sie wollen, dann kannst du gar nicht das nötige Serviceangebot aufbauen.“

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    Zwei Supermarktbesitzer kauften 2013 das Hotel

    Exzellenter Service ist das Mantra von Ingo C. Peters, er sieht ihn als dringlichste Dienstleistung, ohne Diener zu sein. Seit der Gründung durch Friedrich Haerlin, der 1897 eine marode Immobilie ersteigerte und sie sukzessiv zum Grand Hotel ausbaute, war das Hotel bis 1989 in Familienhand. Dann gab es mehrere Betreiber- und Besitzerwechsel, der letzte 2013, nachdem zwei Supermarktbesitzer aus Siegburg sich entschlossen, ein Hotel zu kaufen. Kurt Dohle und sein Sohn Klaus von der Dohle-Handelsgruppe, Eigner der Hit-Märkte, haben laut Berichten 35 Millionen Euro bezahlt.

    Ins Geschäft haben sich die Siegburger bislang nach eigenem Bekunden nicht großartig eingemischt. „Wir kommen ja nicht aus der Branche“, sagte Klaus Dohle bei der Gala in Hamburg. „Aber ohne Peters hätten wir es auch nicht gemacht. Er lebt Hotel von morgens bis abends, er kennt die Branche perfekt.“

    Peters Erfolgsgeschichte im Hotel begann allerdings schon lange vor seiner Beförderung zum Chef – als Praktikant in Pagenuniform. Wobei der Weg ins Fach keineswegs vorgezeichnet war. Peters stammt aus einer Hamburger Akademikerfamilie. „Mein Vater ist vom Hocker gefallen, als ich ihm sagte, dass ich nicht studieren will“, erinnert sich der 60-Jährige. Da war die Hotellerie schon sein Lebenstraum.

    Nach Praktikum als Page und Ausbildung zum Restaurantfachmann im Vier Jahreszeiten – darunter wollte er es nicht machen – ging es erstmal in Ausland. Erste Station war das Londoner Luxushotel The Berkeley, 1985 wurde er Wirtschaftsdirektor im Bostoner The Westin, mit 26 Jahren dann stellvertretender Direktor des Ritz-Carlton in Philadelphia. Und mit 30 Jahren der erste Job als General Manager, für die renommierte Kette Mandarin Oriental, erst in Phuket, später in Jakarta.

    Am 1. Oktober 1997 trat er wieder in seinem Ausbildungshotel an, diesmal als General Manager und mit gehörigem Respekt: „Wenn du das jetzt hier versemmelst, das verzeiht dir so schnell keiner.“ Raffles International, das sich später die Fairmont-Gruppe einverleibte und 2016 im Großkonzern Accor aufging, hatte das Vier Jahreszeiten kurz zuvor als Betreiber übernommen.

    „Der Job des Hoteldirektors ist heute ungemein komplexer als vor 25 Jahren“, sagt Peters. „Die Herausforderung ist es, sich nicht zu sehr davon vereinnahmen zu lassen.“ Geld werde am Ende nicht damit verdient, „dass ich Listen analysiere und Excel-Sheets von rechts nach links sortiere, sondern immer noch am Gast und mit den Mitarbeitern“. Als er in der ersten Auflage des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“ den Preis für den ersten Platz entgegennahm, sagte Peters: „Das Vier Jahreszeiten ist meine Lebensaufgabe.“

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