Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2020

09:19

Kolumne: Wein und Wahrheit

In fünf Schritten zum Weinkenner

Von: Stefanie Hehn

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ erklärt, wie man aus dem Trinkspaß ein ernsthaftes Hobby macht.

Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Lakeside des Hamburger Hotels „The Fontenay“. ddp, The Fontenay

Die Kolumnistin

Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Lakeside des Hamburger Hotels „The Fontenay“.

Ein Glas Grauburgunder hier, eine Flasche Beaujolais da. Aber so richtig Ahnung vom Wein hat man dadurch natürlich noch nicht. Wer es ernst meint und aus dem ersten Interesse an der Branche und ihren Produkten eine echte Leidenschaft machen möchte, dem empfehle ich fünf ziemlich einfache Schritte:

Punkt eins: Fachliteratur ist wichtig – und selten teuer

Bei den Büchern kommt kaum etwas an die britische Weinkritikerin Jancis Robinson heran, die gemeinsam mit Hugh Johnson wahre Standardwerke verfasst. Die beiden gelten quasi als Tom & Jerry der Weinbranche. Er ist eher der Bordeaux-Freak, sie die Burgund-Kennerin.

Einerseits sind sie Konkurrenten, andererseits machen sie eben immer auch gemeinsame Projekte: Ihr „World Atlas of Wine“ ist gerade in einer neuer, achten Ausgabe erschienen. Und ich würde immer dazu raten, gleich zum englischen Original zu greifen, auch weil man sich dann schneller daran gewöhnt, dass eben auch beim Wein Englisch die Welt- und Fachsprache ist.

Daneben können auch deutsche Magazine wie „Falstaff“ oder „Schluck“ als Einstieg helfen. Hochwertig und international angelegt sind vor allem das „Decanter Magazin“ und der amerikanische „Wine Spectator“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Punkt zwei: Grau ist alle Theorie, aber eben auch nicht unwichtig

    Daher sollte man sich damit auseinandersetzen, wo der Wein überhaupt wächst, wie er entsteht und was man beim Verkosten später alles beachten sollte. Dafür fehlt hier zwar der Platz, aber da hilft ja die Literatur ohnehin besser. Und das eine oder andere Fläschchen Wein kann man sich dann ja auch schon mal gönnen.

    Punkt drei: Wichtig sind dann übrigens auch die Gläser!

    Bitte nicht mit billigen Produkten aus dem Supermarkt starten! Das bringt nämlich nichts. Lieber gleich ein gescheites Glas kaufen. Bei uns im Hotel ist es Zwiesel. In Deutschland gibt es aber auch noch andere gute Manufakturen wie etwa Spiegelau, ebenso in Österreich Zalto und Riedel. Im besten Fall sollte sich das Glas oben am Rand nicht rollen, sondern glatt sein, also nicht maschinell gefertigt.

    Und wenn Sie schon dabei sind, können Sie sich auch gleich einen kleinen Keller einrichten oder einen Weinklimaschrank kaufen. Liebherr gilt da als Marktführer, aber auch Bosch und Gaggenau sind in dieser Nische aktiv. Es braucht nicht unbedingt gleich einen zweistufigen für Rot- und Weißweine. Wer Letzteren trinken will, kann ihn vorher einfach noch mal im Kühlschrank runterkühlen. Das nimmt der Wein nicht übel.

    Punkt vier: Erst den Grundstein legen

    Wie bei der Musik gilt: Setzen Sie sich erst mal mit den Klassikern auseinander, bevor Sie Jazz hören! Dann versteht man beides besser. Im Fall Wein heißt Klassik: Bordeaux, Burgund, Piemont, Toskana, Mosel, Rheingau … dann vielleicht auch Australien oder ein Sauvignon Blanc aus Neuseeland. Man sollte sich auf die Eigenheiten einlassen und dabei lernen, wofür die großen Anbauregionen vor allem stehen. Dann öffnet sich allmählich eine Welt der Unterschiede.

    Punkt fünf: YouTube kann weiterbilden

    Und wer sich auch mal anders, moderner mit dem Thema Wein beschäftigen will, findet auf YouTube eine grandiose Vielfalt an Channels und Tutorials. Das ist nach einem anstrengenden Arbeitstag ja oft auch einfacher als die Lektüre eines dicken Fachbuchs. Vom Wine & Spirit Education Trust (WSET) gibt es zum Beispiel wunderbare Weinschulen in Bewegtbildern.

    Auch Guild Somm liefert sehr schöne Einstiegsbeiträge, die nicht länger als 15 Minuten dauern in der Regel. Die besten Dokumentationen und Filme wie etwa die „Chardonnay Cowboys“ finden sich dann von ganz allein. Während des Shutdowns haben zum Beispiel auch die beiden Master Sommeliers Frank Kämmer und Helga Schröder des großen Importeurs Kierdorf Wein mit umfangreichen Video-Seminaren angefangen. Auch das hilft – nicht nur gegen den Frust, derzeit beim Reisen doch eher eingeschränkt zu sein.

    Sie haben auch eine Frage an und für Stefanie Hehn? Schreiben Sie uns: [email protected]

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×