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21.08.2022

08:00

Rath checkt ein: Grandhotel Victoria-Jungfrau, Interlaken

Eine Ikone der Schweizer Grandhotellerie mit imposantem Hochgebirgspanorama

Von: Carsten K. Rath

Bereits im 14. Jahrhundert gab es in Interlaken das erste Hotel. Heute besticht das Victoria-Jungfrau mit Stil, Eleganz und Großzügigkeit früherer Zeiten.

Die lichtdurchflutete Schwimmhalle ist das architektonische Herzstück des imposanten Spa. (Foto: Victoria-Jungfrau)

Indoorpool im Victoria-Jungfrau

Die lichtdurchflutete Schwimmhalle ist das architektonische Herzstück des imposanten Spa.

(Foto: Victoria-Jungfrau)

Ich bin unterwegs nach Interlaken, touristische Drehscheibe im Berner Oberland und der reizvollen Region zwischen Thuner- und Brienzer See. Von dieser Lage auf 569 Meter Höhe zwischen den beiden Seen (lateinisch: inter lacus) hat Interlaken seinen Namen. Bereits im 14. Jahrhundert gab es hier das erste Hotel und die ersten Gäste, darunter später illustre Berühmtheiten wie Lord Byron, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johann Wolfgang von Goethe.

Mein Hotel für die nächsten Tage, das Grandhotel Victoria-Jungfrau Hotel & Spa, liegt, wie im Bilderbuch, malerisch eingebettet zwischen den Flüssen und den Seen – am Fuße des – noch – grandiosen, ganzjährig schneebedeckten Jungfrau-Massivs.

Das Victoria-Jungfrau liegt am Höheweg, eine von luxuriösen Häusern gesäumte Promenadenstraße, sozusagen der Boulevard von Interlaken. Das denkmalgeschützte Fünfsternehotel ist Mitglied der Nachbarhotels im Ranking „Die 101 besten Hotels Deutschlands“ und gehört heute zu den besten Schweizer Hotels.

Ich steige aus und bin sofort eingenommen von dem unvergleichlich schönen, unverbauten Blick auf das Jungfrau-Massiv mit seinen drei Gipfeln Eiger, Mönch und Jungfrau. In der riesigen, lichtdurchfluteten Hotelhalle beeindrucken mich livrierte Hoteldiener, üppige Blumengestecke und eine Decke, die so hoch ist, dass ich meinen Kopf weit in den Nacken strecken muss, um hinaufzuschauen.

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    Unangestrengte Eleganz im gesamten Haus

    Mir gefällt die Mischung aus Stil, Eleganz und Großzügigkeit früherer Zeiten im Kontrast mit überall wahrnehmbarem modernen Luxus und Komfort. Ich spüre schon hier beim Entrée eine irgendwie unangestrengte Eleganz, die sich später überall im Haus fortsetzt.

    Heute gehört das Victoria-Jungfrau, wie auch das Bellevue Palace in Bern, das Eden au Lac in Zürich, das Crans Ambassador in Crans-Montana und neu das Mont Cervin und das Monte Rosa in Zermatt, zur Michel Reybier Hospitality. Das erste Mal war ich vor vielen Jahren hier im Hotel – als Redner auf einer Konferenz. Seit Peter Kämpfer, Grandseigneur der Hotellerie und langjähriger Direktor im Parkhotel Weggis am Vierwaldstätter See, hier das Kommando führt, läuft der Laden wie nie zuvor und geht mit dem Puls der Zeit. Regelmäßig wird erweitert und renoviert.

    Das denkmalgeschützte Fünfsternehotel gehört heute zu den besten Schweizer Hotels. (Foto: Victoria-Jungfrau)

    Auf der Terrasse des Grandhotels

    Das denkmalgeschützte Fünfsternehotel gehört heute zu den besten Schweizer Hotels.

    (Foto: Victoria-Jungfrau)

    Das frühere Fine-Dining-Restaurant ist jetzt eine klassische französische Brasserie mit einer erweiterten super schönen Terrasse. Hier im „La Terrasse“ gibt es authentisch-lokale Gerichte, über 600 Weine mit Schwerpunkt Schweiz und dazu ein modern-lockeres Ambiente.

    Bald kommt im Herbst noch ein neues Gourmetrestaurant hinzu: „Radius by Stefan Beer“. Das sogenannte „Z‘Menu Vo Hie“ („Menü von hier“) wird dann ausschließlich mit Zutaten von lokalen Produzenten aus einem Umkreis von 50 Kilometern gekocht. Mir gefällt das Konzept und auch, dass das neue Gourmetrestaurant nur 30 bis 40 Sitzplätze haben wird. Das verspricht optimale Bedingungen für einen sehr persönlichen Service.

    Auch das italienische „Ristorante e Pizzeria Sapori“ ist besonders: Ich bin beeindruckt von dem historischen Jugendstilsaal von 1864. In dieser grandiosen Atmosphäre werden Antipasti, mehr als zwei Dutzend Pizzen aus dem Holzofen und klassische italienische Gerichte serviert. Alles hier ist unkompliziert und authentisch italienisch. Bei schönem Wetter sitzt man draußen, direkt an der Flaniermeile von Interlaken.

    Im Sapori treffe ich Paula wieder, eine Servicemitarbeiterin. Sie erinnert sich an den Wein, den ich vor zwei Jahren hier getrunken habe und empfiehlt mir den gleichen, verweist nur darauf, dass sich der Jahrgang geändert hat. Dann stellt sie mir auch noch ihre reizende Mama vor, die sie aus Heidelberg hierhergeholt hat und die jetzt mit ihr hier im Service arbeitet. Familiärer und gleichzeitig professioneller geht es nicht.

    Im historischen Jugendstil-Saal von 1864 werden Antipasti, Pizzen aus dem Holzofen und klassische italienische Gerichte serviert. (Foto: Victoria-Jungfrau)

    Bar im italienischen Restaurant Sapori

    Im historischen Jugendstil-Saal von 1864 werden Antipasti, Pizzen aus dem Holzofen und klassische italienische Gerichte serviert.

    (Foto: Victoria-Jungfrau)

    Apropos Service: Der ist im ganzen Haus ohne jeden Tadel, stets diskret und dem Gast zugewandt – äußerst liebenswürdig, offen und kommunikativ. Hier im Hotel herrscht offensichtlich kein Mitarbeiterproblem.

    Am nächsten Morgen sitze ich beim Frühstück auf der Terrasse und genieße von Neuem den atemberaubend schönen Blick auf die Berge des Berner Hochlandes. Die Landschaft hier hat übrigens J.R.R. Tolkien zu seinem Epos „Herr der Ringe“ inspiriert. Ich schaue nach oben und bin fasziniert: Dutzende Gleitschirmflieger schweben elegant und anmutig am dunkelblauen Himmel vor den Bergflanken – die speziellen Winde machen es hier besonders einfach. Irgendwann landen sie auf der tiefgrünen Wiese vor dem Hotel. Die Natur-Farben hier im Schweizer Hochgebirge, das wird mir wieder bewusst, sind einfach satter und strahlender als irgendwo sonst.

    Interlaken gilt in der Schweiz übrigens als Abenteuerhauptstadt. Sprünge von Steilwänden und Brücken, Wildwasserrafting auf reißenden Flüssen, Canyoning in den Schluchten der Bergtäler ringsherum, Gletscher-Bungeejumping und vieles mehr: Vieles ist möglich.

    Breites Food-Angebot im Altstadtviertel Bödeli

    Ich gehe es heute etwas ruhiger an und spaziere – man kann Interlaken bequem ohne Auto erkunden – ins Bödeli. So heißt das mittelalterliche Altstadtviertel von Interlaken. Hier reiht sich ein Restaurant und Café ans nächste. Mir fällt im Städtchen die bunte und interessante Mischung von Menschen unterschiedlichster Kultur auf: viele Araber, Japaner, Inder, Deutsche und Amerikaner. Und mir gefällt das breite Food-Angebot hier in Interlaken, das so multikulturell ist wie zum Beispiel in der Züricher Langstraße.

    Zurück im Hotel freue ich mich auf Entspannung und erkunde das spektakuläre Spa des Victoria-Jungfrau auf 5500 Quadratmetern. Architektonisches Herzstück ist die imposante, lichtdurchflutete Schwimmhalle, die mich spontan an die Badekultur der Römer erinnert. Ich bin beeindruckt von den monumentalen Ausmaßen und von der auch hier durch die großen Fenster allgegenwärtigen und magischen Bergkulisse. Und mir fällt auf, wie gepflegt alles ist.

    Irgendwann landen sie auf der tiefgrünen Wiese vor dem Hotel. (Foto: Carsten K. Rath)

    Gleitschirmflieger vor imposanter Kulisse

    Irgendwann landen sie auf der tiefgrünen Wiese vor dem Hotel.

    (Foto: Carsten K. Rath)

    Am Ende eines erlebnisreichen Interlaken-Aufenthaltes sitze ich in der Bar auf der säulenbestückten Terrasse vor dem Hotel und schaue hoch auf das schneebedeckte imposante Jungfrau-Massiv. Die Sonne geht unwirklich eindrucksvoll hinter den Berggipfeln unter und ich denke nur: Was ist das bloß für ein wunderschöner Ort.

    Insidertipps:
    Panorama: Die Schynige Platte auf 1967 Meter Höhe oberhalb von Interlaken. Nostalgische Fahrt mit der Zahnradbahn ab Wilderswil. Grandiose Panoramasicht auf das Berg-Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Alpengarten mit über 600 Arten heimischer Flora.

    Wanderweg: Der Panorama-Rundweg Thunersee auf 56 Kilometer Länge.

    Schönste Bucht: Im pittoresken Spiez im Westen des Thunersees wachsen in der halbmondförmigen Bucht dank des milden Klimas Palmen an der malerischen Uferpromenade.

    Aussichtsberg: Der Interlakener Hausberg Harder Kulm (1322 m) ist in einer achtminütigen Standseilbahnfahrt erreichbar. Herrlicher Rundblick auf Seen und Berge.

    Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet):

    1. Ausdrückliche Reisewarnung
    2. Besser als unter der Brücke
    3. So lala, nicht oh, là, là
    4. Meckern auf hohem Niveau
    5. Wenn’s nur immer so wäre
    6. Ganz großes Kino

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber der Reiseplattform Travelgrand ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

    Carsten K. Rath, Rolf Westermann: Die 101 besten Hotels Deutschlands.
    Institute for Service- and Leadership Excellence AG
    521 Seiten
    34,90 Euro
    ISBN: 978-3033088719

    Rath ist zudem Autor des Buchs zum Ranking. Die nächste Ausgabe des Buchs erscheint unter Mitarbeit des Handelsblatts Ende November im Rahmen der Veröffentlichung des nächsten Rankings der 101 besten Hotels Deutschlands.

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