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20.06.2021

10:41

Rath checkt ein

Historische Gemäuer mit luxuriösem Glamour: Das sind die Schlösser und Burgen der Neuzeit

Von: Carsten K. Rath

Taschenbergpalais in Dresden, Burg Staufeneck, Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe: Sie zeigen, wie moderner Luxus in alten Mauern funktioniert.

Bis heute ist das Taschenbergpalais eine gern besuchte Unterkunft vieler Künstler wie Tenöre, Opernstars und Dirigenten. (Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

Teil von Dresdens Geschichte

Bis heute ist das Taschenbergpalais eine gern besuchte Unterkunft vieler Künstler wie Tenöre, Opernstars und Dirigenten.

(Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

Finden Sie nicht auch, dass die Grand Hotels, allen voran die Hotels in historischen Gemäuern, die natürliche Fortsetzung der Burgen und Schlösser aus dem Mittelalter sind? Auch damals wollten sich die Menschen unbedingt innerhalb der prächtigen Mauern aufhalten, am liebsten als Gast des Hofs auf einem rauschenden Fest.

Jedes Mal, wenn ich in einer historischen Anlage nächtige, dann spüre ich ihn förmlich, den Glanz der damaligen Zeit und ihrer adeligen Bewohner. Alte Mauern sind Zeitzeugen der Ereignisse vergangener Tage. Sie haben alles miterlebt: die historisch bedeutsamen Gesprächsrunden in verstaubten Bibliotheken der Landesfürsten, rasante Pferderennen auf den großzügigen Ländereien des Hochadels, die pompösen Feste mit adretten Burgfräuleins und die einen oder anderen Skandale, die sich hinter verschlossenen Massivholztüren abspielten.

Bis heute wirken die Geschehnisse nach. Abgeschlossen sind die Kapitel der alten Schlösser und Burgen zum Glück nicht. Mutige Unternehmer und Hoteliers haben den Reiz des alten Gemäuers für sich und ihre Hotelkonzepte entdeckt. Auf Luxus verzichtet der Gast dabei nicht, denn die aktuellen Besitzer inszenieren mit ihren Hotelkonzepten luxuriöse Moderne in den historischen Charme hinein.

Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden

Leser meiner Kolumne wissen, dass im Hotel Taschenbergpalais Kempinski ein Stück meiner persönlichen Geschichte stattfand, an die ich noch heute gern zurückdenke. 1995 eröffnete ich das Haus als Gastronomieleiter, damals war es das führende Haus in Deutschland, das erst zwei Jahre später vom Hotel Adlon Kempinski in Berlin als Top-Adresse abgelöst wurde.

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    Die Kulisse rund um das Taschenbergpalais vereint alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. (Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

    Frühstück auf dem Balkon

    Die Kulisse rund um das Taschenbergpalais vereint alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

    (Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

    Seit vielen Jahren nun führt Marten Schwass dieses Haus exzellent mit seiner langjährigen, internationalen Erfahrung als Hotelier. Für mich fühlt sich ein Aufenthalt im Taschenbergpalais noch heute an, als würde ich nach Hause fahren.

    Apropos Heimat: Bis heute ist das Taschenbergpalais eine gern besuchte Unterkunft vieler Künstler wie Tenöre, Opernstars und Dirigenten, die in der weltbekannten Semperoper ihr Talent beweisen. Unter den künstlerischen Gästen war 1994 Yehudi Menuhin. Für meine Gastfreundschaft bedankte er sich großzügig mit einer Einladung in die Semperoper, ohne sich jedoch vorher das Programm anzuschauen.

    Entgegen seiner Erwartung trat am Abend eine junge, asiatische Künstlerin auf, die für ihre Pop-Interpretationen der musikalischen Klassiker bekannt ist. In der Pause täuschte Menuhin Müdigkeit vor und verließ die Darbietung. Auf die Frage hin, ob es ihm denn nicht gefallen hätte, antwortete seine Gattin mit einem Lächeln: „She is not half as bad as I thought she would be.“ Kunst ist eben auch Geschmackssache.

    Nicht nur mich begeistert das Luxushotel. International finden Marten Schwass und sein Team großen Anklang. Auch die ortsansässigen Dresdener nehmen die Location als wichtigen Anlaufpunkt wahr, am Abend lassen viele einheimische Gäste auf der Terrasse des Gastronomen Kastenmeier den Tag ausklingen. Genauso ein lebhaftes Treiben stelle ich mir zu Zeiten August des Starken vor – man traf sich zu einem gemeinsamen Mahl bei Hofe. Für mich ist das Taschenbergpalais eines der führenden Hotels in historischen Gemäuern.

    Die öffentlichen Bereiche des Hotels werden auch von Dresdnern gern genutzt. (Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

    Historische Moderne

    Die öffentlichen Bereiche des Hotels werden auch von Dresdnern gern genutzt.

    (Foto: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden)

    So genieße ich die Gegenwart mit dem Hauch von Historie, die mich auch bei jedem Blick aus dem Fenster erreicht. Die wunderbare Kulisse rund um das Taschenbergpalais vereint alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt wie die Semperoper und die wieder aufgebaute Frauenkirche. Das Haus ist für mich der Inbegriff von historischer Moderne – ich erhalte den Service, den ich mir wünsche, mein Gaumen erfreut sich an kulinarischen Hochgenüssen, und ich bin mitten im Zentrum von Dresden.

    Einziger Kritikpunkt, den ich habe: Das Taschenbergpalais ist für meinen Geschmack etwas übermöbliert. Überall stehen Vitrinen, Aufsteller, Hinweise. Hier würde ich mir etwas weniger wünschen, denn manchmal ist eben weniger einfach mehr.

    Burg Staufeneck: Schwäbische Cuisine und Wellnesserlebnis mit Burgfeeling

    Wenn ich in den Süden Deutschlands reise, dann halte ich, wenn möglich, an der Burganlage Staufeneck auf der Schwäbischen Alb. Noch bevor ich an der Hotellobby einchecke, begrüßt mich der 27 Meter hohe Burgfried und erinnert mich daran, dass ich nun historisch belebtes Terrain betrete und in die hiesige Geschichte eintauche. Die Burg wurde 1080 von Ludwig von Staufen erbaut und war über 250 Jahre lang ein Familienwohnsitz.

    Beheizter Panorama-Pool auf Burg Staufeneck. (Foto: Burg Staufeneck)

    Umfangreiches Wellnesskonzept

    Beheizter Panorama-Pool auf Burg Staufeneck.

    (Foto: Burg Staufeneck)

    Heute wird das Anwesen von den Gastgeberfamilien Klaus Schurr und Rolf Straubinger mit Bodenständigkeit, Kreativität und Leidenschaft geführt. Insbesondere für ihre ausgezeichnete Küche ist die Burg bekannt. Gäste aus Deutschland und auch aus dem regionalen Umfeld schätzen die Küche von Rolf Straubinger. Als „bester Fischkoch der Welt“ (Bocuse d’Or) begeistert der prämierte Straubinger Tausende Gäste über die Grenzen seines Burganwesens hinweg.

    Zudem liefern die fleißigen Schwaben ihre kulinarischen Genüsse auch landesweit aus: So versorgten sie unter anderem jahrelang das Weissenhof ATP Tennisturnier in Stuttgart sowie Veranstaltungen rund um den beliebten Bambi-Award in Berlin, Hamburg und Stuttgart.

    Es versteht sich also von selbst, dass ich mir bei meinem kurzen Aufenthalt – für Geschäftsreisende hatte das Burghotel auch während der Pandemie durchgängig geöffnet – die außergewöhnlich gute schwäbische Küche nicht entgehen lasse. Dem unternehmerischen Geschick und der Leidenschaft von Klaus Schurr ist es jedoch zu verdanken, dass man sich nie auf dem kulinarischen Erfolg ausruhte. Durch mutige und große Investitionen wächst das Burganwesen stetig.

    So findet man hier mittlerweile ein umfangreiches Wellnesskonzept. Ich bin mir ganz sicher: Das heutige Wellnessangebot der Burg würde selbst Ludwig von Staufen überzeugen. Sicher würde er sich wünschen, einen beheizten Panorama-Pool auf seiner Terrasse sein Eigen zu nennen. Ich jedenfalls genieße die Aussicht auf die alten Burgmauern hinter dem Pool und über die weitläufige Ebene auf der anderen Seite des Pools. Dieses Vergnügen ist übrigens auch bei Dunkelheit sehr empfehlenswert.

    Die Kreationen stammen vom „besten Fischkoch der Welt“, Rolf Straubinger. (Foto: Burg Staufeneck)

    Ausgezeichnete Küche

    Die Kreationen stammen vom „besten Fischkoch der Welt“, Rolf Straubinger.

    (Foto: Burg Staufeneck)

    Saunaliebhaber kommen in der Blockhaussauna richtig ins Schwitzen und erfrischen sich danach im Eisbrunnen. Mein Tipp für Ihre Übernachtung: Buchen Sie eine der großräumigen Suiten. Hier erleben Sie die Harmonie zwischen Fünf-Sterne-Superior und glanzvoller Vergangenheit am besten.

    Fürstlich genießen, luxuriös entspannen: Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

    Hideaway, Wellnessoase, Luxusresort, Golfresort: Wo fängt es an, wo hört es auf? Das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe passt gleich in mehrere Hotelkategorien mit seinem facettenreichen Angebot.

    Die historische Außenfassade erinnert noch heute an frühere Zeiten: 1612 legte der Graf Kraft VI. zu Hohenlohe einen Tierpark samt Jagd- und Hegehaus an. Diese erste Anlage fiel jedoch dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer. 1712 begann Graf Friedrich II, der spätere Fürst zu Hohenlohe, mit dem Bau des Jagdschlosses. 25 Jahre später wurde die Schlossanlage zu einem Lustgarten umfunktioniert.

    Das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe erinnert noch heute an frühere Zeiten. (Foto: Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe)

    Historische Außenfassade

    Das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe erinnert noch heute an frühere Zeiten.

    (Foto: Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe)

    Heute begeistert die 44.000 Quadratmeter große Parkanlage Gäste, die Ruhe und Erholung in der Natur suchen. Gleichzeitig zieht das Areal Golfspieler aus aller Welt auf die insgesamt 27 Bahnen mit den Bezeichnungen „Schlosspark“, „Limes“ und „Friedrichsruhe“.

    Die Romantik des Jagdschlosses erleben die Gäste in den herrschaftlich eingerichteten Zimmern. Ich entscheide mich für das 1712 erbaute Jagdschloss. Hier fühle ich mich fast selbst wie ein Fürst aus alten Zeiten. Die Zimmer und Suiten sind herrschaftlich eingerichtet und gleichzeitig modern und mit frischen Farben ausgestattet. Die Gratwanderung zwischen neuzeitlichem Luxus und gediegener Adelsmentalität ist mehr als gelungen.

    Raum zum Entspannen, Genießen und für den Einklang mit sich selbst und der Natur finde ich im 4400 Quadratmeter großen, mehrfach preisgekrönten Wellnessareal. Die Spa-Philosophie des Hauses bezieht die Natur in ihrer Vielfalt mit ein. So finden sich ausdrucksstarke Hölzer, feine Stoffe, markante Steine und Keramik in Naturfarben im gesamten Wellnesskonzept.

    Wer seine Spa-Auszeit privater erleben möchte, der kann sich die Präsidenten-Suite im Spa-Tower buchen und die von der römischen Badekultur inspirierten Annehmlichkeiten wie eine runde Doppelsprudelwanne, eine Lounge mit offenem Kamin und einen Saunaaufenthalt genießen. Das nenne ich wahrlich fürstliches Entspannen.

    Für einen Aufenthalt sollten Sie mindestens vier Tage einplanen. Oder Sie gehen mehrmals am Tag in eines der vier Restaurants und schmecken die feinen Noten der kulinarischen Finessen von Sternekoch Boris Rommel und seinem Team. Allen voran steht das Gourmet-Restaurant Le Cerf mit dem Chef’s Table Room und exquisiter Haute Cuisine. Doch Sie bekommen auch bodenständige Küche, die Sie vermutlich eher mit einem Jagdschloss verbinden. Ich zumindest kann Omas Sonntagsbraten in der rustikalen Waldschänke nicht widerstehen. Das Gericht steht namentlich tatsächlich so auf der Karte. Ein klassisches Wiener Schnitzel genieße ich in der Jagdschänke.

    Fazit: Moderner Luxus steht den historischen Gemäuern exzellent

    Den Spagat zwischen der Geschwindigkeit, zeitgemäßem Luxus und den alten Gemäuern setzen die Burg Staufeneck, das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe und das Taschenbergpalais Kempinski Dresden gekonnt auf ihre eigene Weise um. Wie weit Sie sich in die Historie des Ortes begeben oder ob Sie sich mehr vom modernen Luxus inspirieren lassen, entscheiden Sie selbst. Ich erlebe die Kombination aus beiden Aspekten als sehr bereichernd und bin gespannt, mit welchen neuen Ideen uns die Eigentümer der historischen Residenzen in Zukunft noch überraschen werden. Übrigens: Alle der vorgestellten Luxushotels sind auch unter den 101 besten Hotels Deutschlands 2020/21.

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des neuen Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

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