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27.03.2022

11:24

Rath checkt ein: Kronenhof, Pontresina

Die Verschmelzung von Eleganz, Historie und Herz

Von: Carsten K. Rath

Schon 1848 zogen Pferde Postkutschen auf den Hof, erste Touristen kamen 1870 in die Pension, die heute als Luxushotel illustre Gäste beherbergt.

Die Decken sind geschmückt mit feinen Renaissance-Malereien, die Wände mit Tapeten umspannt. (Foto: Kronenhof)

Hauptrestaurant im Kronenhof

Die Decken sind geschmückt mit feinen Renaissance-Malereien, die Wände mit Tapeten umspannt.

(Foto: Kronenhof)

Während meines Frühstücks im Hauptrestaurant des Kronenhofs in Pontresina mit frischem Obst, krossen, warmen Croissants und herzhaften Eierspeisen habe ich das Gefühl, in der Sixtinischen Kapelle zu speisen. Die Decken sind geschmückt mit feinen Renaissance-Malereien, die Wände mit Tapeten umspannt, es gibt klassizistische Säulen, Fresken, prachtvolle Kronleuchter. Alles in vollendeter Eleganz kombiniert.

Bereits 1848 zogen hier dampfende Pferde Postkutschen auf den Hof, wurden vom Stallmeister mit Stroh abgerieben und versorgt. Währenddessen tafelten angesehene und zwielichtige Gestalten gleichermaßen bei Bechern mit Wein und Schüsseln voll Schweinebraten. Die Sarazenen, von Süden aufreitend, und Kreuzritter aus dem Norden sollen hier verweilt haben. Grund ist die einzigartige Lage. Der heutige Kronenhof, zu Beginn noch „Weinhandel und Pension Röslin“, lag an einer der wichtigsten Handelsrouten, die das Schweizer Land über die Alpen mit Italien verband.

Erste Touristen – hauptsächlich Briten – kamen bereits 1870 in die Pension. Die damalige Wirtin soll angeblich die Zimmerpreise anhand der Anzahl der Gepäckstücke bestimmt haben. Nach einigen Besitzerwechseln übernahm 2004 die Kulm-Gruppe zusammen mit der ehemaligen Reederfamilie Niarchos das älteste Haus am Ort.

Und nun reihe auch ich mich in die lange Gästeliste des traditionsreichen Hauses ein. Das Abendessen genieße ich im „Stübl“ – einem Gourmet-Restaurant im Alpenumfeld. Serviert wird eine klassische Karte mit zwei Menüs, gepriesen mit 16 Gault-Millau-Punkten. Das Essen ist so hervorragend, dass ich auf jeden Fall die Halbpension empfehle.

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    Aus der Entenpresse wird der Saft für geschmackvolle und intensive Saucen gewonnen. (Foto: Kronenhof)

    Mechanisches Gerät

    Aus der Entenpresse wird der Saft für geschmackvolle und intensive Saucen gewonnen.

    (Foto: Kronenhof)

    Umstritten, aber deliziös: Die Entenpresse

    Die Entenpresse ist ein mechanisches Gerät, mit dem das nach dem Tranchieren übrig gebliebene Knochengerüst samt Fleischresten von Kleintieren (wie der Ente) ausgepresst wird. Dadurch wird der Saft für geschmackvolle und intensive Saucen gewonnen. Hier im Kronenhof wird mit solch einer Entenpresse noch gearbeitet. Den feinen, aromatischen Unterschied schmeckt der Kenner durchaus heraus.

    Die Küche ist brillant, der Service exzellent. Mit meinen Erfahrungen aus vergangenen Hotelaufenthalten und als ehemaliger Hotelier spüre ich, dass jeder Mitarbeiter hier authentische Herzlichkeit ausstrahlt. Familiäre Atmosphäre und Teamspirit werden gelebt und sind überall spürbar. Solch eine gemeinsame Ausstrahlung wurde über Generationen hinweg aufgebaut und zeigt sich in seiner Echtheit durch jede einzelne Handlung.

    Im Salon Fumoir habe ich das Gefühl, Dr. Watson würde sich gleich in einen der bequemen Ledersessel zu mir setzen, sich über seinen Schnauzbart streichen, eine Zigarre anzünden, um gleich darauf im anregenden Gespräch mit mir den kommenden Fall zu lösen.

    Zeit zum Entspannen in bequemen Ledersesseln. (Foto: Kronenhof)

    Salon Fumoir

    Zeit zum Entspannen in bequemen Ledersesseln.

    (Foto: Kronenhof)

    Natürlich ist nach dieser großartigen Gourmetküche Sport wohltuend. Ich trainiere meine Skating Skills in der Langlaufschule Bernina Sport. Diese liegt ganz einfach zu erreichen unterhalb vom Hotel. Die Schule hat erstklassiges neues und modernes Wintersport-Equipment. Der richtig coole schwedische Skischullehrer Lars empfängt mich herzlich und trainiert mit mir meine Technik. Die Preise sind moderat. Wer eher die Alpin- statt Langlaufski wählt, wird mit dem hoteleigenen Shuttle kostenlos nach St. Moritz gefahren.

    Der Spa-Bereich ist äußerst beeindruckend. Buchen Sie unbedingt eine Mischung aus Massage und Physiotherapie bei dem Griechen Jonis, der nicht nur ein Masseur, sondern auch ein fantastischer Therapeut ist. Für mich ist es ein echtes Wunder, dass ich mich nach der Massage so komplett energetisiert und voller Tatendrang fühle. Ich buche sofort für den nächsten Tag eine weitere Einheit.

    Nach einem sportlichen Tag draußen warten Pool, Massagen und Physiotherapie auf die müden Glieder. (Foto: Kronenhof)

    Spa im Kronenhof

    Nach einem sportlichen Tag draußen warten Pool, Massagen und Physiotherapie auf die müden Glieder.

    (Foto: Kronenhof)

    Abgefahrener Wintersport: Snow Polo

    Im Nachbarort St. Moritz findet jährlich der Weltcup im Snow Polo statt. Sechs Polomannschaften mit Spielern aus neun Nationen manövrieren ihre Pferde, deren Hufe im Vorfeld speziell präpariert werden, sicher über das Eis. Als großartig und sinnvoll empfinde ich es, dass der Eintritt aus Traditionsgründen für Zuschauer frei bleibt. Die Umgebung bietet außerdem viele weitere Möglichkeiten, sportlich aktiv zu sein – sei es Eisklettern, Schneeschuhwandern, Skimarathon oder im Sommer Surfen, Kiten, Biken und Wandern.

    Offene sexuelle Szenen im Kino der 1950er-Jahre zu zeigen war zu dieser Zeit ein No-Go. Mit dem Film „Und ewig lockt das Weib“ wurde diese Grenze eingerissen und dadurch aus Brigitte Bardot über Nacht ein Weltstar. Um die begehrte Dame für sich zu gewinnen, ließ der berühmte Playboy Gunter Sachs 1000 rote Rosen aus einem Hubschrauber auf sie niederregnen.

    Der Plan ging auf. Bardot und Sachs heirateten 1966. Beide verbrachten einen Großteil ihrer Zeit beim Genießen, Leben und Feiern unter anderen in St. Moritz. Mit ein paar anderen großen Namen trugen sie zum High Class Image, der Noblesse und der Extrovertiertheit des Ortes bei. Die Ehe hielt nur dreieinhalb Jahre, der Glanz von St. Moritz ist maßgeblich durch das Engagement von Gunter Sachs bis heute erhalten geblieben.

    Natürlich lag dies sehr an der Werbetrommel, die der prominente Lebemann zu rühren wusste – unter anderem als Präsident des Bobclubs in St. Moritz, später als Schöpfer des legendären Dracula Clubs. Dieser existiert bis heute und wird von seinem Sohn, Rolf Sachs, der selbst im Olympiadorf in St. Moritz lebt, weitergeführt.

    Luxushotels in St. Moritz

    „Zum Leben ins Palace Hotel und zum Sterben ins Suvretta Haus“, so oder so ähnlich wird das unaufgeregte, aber stilvolle Hotel Suvretta House vom exklusiv feiernden Partyvolk aus dem Palace Hotel, in dem viele Jahre Gunter Sachs residierte, ganz zu Unrecht belächelt. Und, wie immer, ist ein Körnchen Wahrheit dran. Dann, wenn ausschweifendes Nachtleben, feierwütige Exklusivität und extravagante Zügellosigkeit den Maßstab fürs „Leben“ bilden. Doch ein einfacher Perspektivwechsel taucht das eher gediegene Suvretta House in ein ganz anderes Licht. Bodenständiger Genuss, schlichte, aber einnehmende Eleganz, echte, schweizerische Gastfreundschaft und innere Einkehr lassen hier, sich eine höhere Art von Genuss entfalten.

    Das Schwesterhotel des Kronenhofs ist das älteste und traditionsreichste Hotel im noblen Wintersportort. (Foto: Kulmhotel)

    Kulmhotel in St. Moritz

    Das Schwesterhotel des Kronenhofs ist das älteste und traditionsreichste Hotel im noblen Wintersportort.

    (Foto: Kulmhotel)

    Das Kulmhotel wird, wie der Name schon sagt, ebenso von der Kulm-Gruppe betrieben und ist das Schwesterhotel des Kronenhofs, außerdem das älteste und traditionsreichste Hotel in St. Moritz. Hier steigen vor allem sportbegeisterte Schneefans ab. Die berühmte Cresta-Bahn – eine Eissportbahn – liegt direkt nebenan.

    Mein Resümee: Das Leben in Pontresina findet mit mehr Ruhe, Bodenständigkeit und in einer stilleren Form der Erholung statt. Jeder Gast kann seinen Urlaub in einem unbehelligten Modus der Privatsphäre genießen. Genau wie einst Kanzlerin Angela Merkel, die jahrelang an diesem Platz in einem bestimmten Drei-Sterne-Hotel ungestört Weihnachten feierte. Nie drang etwas davon an die Öffentlichkeit. Suchen Sie überdies Ästhetik, Stil, Erholung und Kulinarik auf hohem Niveau, sind Sie im Kronenhof richtig.

    Normalerweise nenne ich Hotelpreise ungern, weil sie sehr von der Jahreszeit abhängig sind. Da aber vielleicht der eine oder andere Leser aufgrund des starken Franken gar nicht genauer nachschaut, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Arrangements im Kronenhof ab 375 Schweizer Franken pro Nacht im Einzelzimmer und ab 560 Schweizer Franken im Doppelzimmer beginnen. Darin sind jedoch die vorzügliche Halbpension und der Skipass enthalten.

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört. Das Buch zum Ranking gibt es hier.

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