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04.09.2022

07:04

Rath checkt ein: Le Grand Bellevue, Gstaad

Gstaad-Glamour trifft auf Schweizer Gastfreundschaft

Von: Carsten K. Rath

Gstaad ist ein attraktiver Zufluchtsort abseits des Massentourismus. Das Grand Bellevue repräsentiert dabei eine ganz eigene Art der Luxushotellerie.

Das Spa ist eine Wellnesslandschaft mit Saunen und Hammams, Yoga- und Pilatesstudios und Innen- und Außenpool. (Foto: Nick Hopper)

Le Grand Spa im Grand Bellevue

Das Spa ist eine Wellnesslandschaft mit Saunen und Hammams, Yoga- und Pilatesstudios und Innen- und Außenpool.

(Foto: Nick Hopper)

Ich bin unterwegs im Saanenland in der westlichsten Ecke des Kantons Bern und fahre mit dem Auto nach Gstaad. Obwohl ich in der Schweiz lebe und mich auskenne: In Gstaad war ich tatsächlich noch nie. Umso gespannter und voller Vorfreude bin ich. Nach der Fahrt durch die wunderschöne tiefgrüne Landschaft erreiche ich auf 1050 Meter Höhe das weitgehend autofreie Dorf, das auf einer breiten Talsohle liegt, umgeben von prächtigen Bergen. Der Durchgangsverkehr wird durch einen Tunnel am Ort vorbeigeleitet.

Gstaad gilt bei vielen als der Inbegriff des Mondänen und des Jetsets. Mein erster Eindruck: Gstaad ist ein bezaubernder charmanter Ort mit einer hervorragenden Infrastruktur, der kleiner wirkt, als sein Ruf vermuten lässt. An der Dorfpromenade reihen sich zahlreiche edle Designergeschäfte, Restaurants und Hotels aneinander.

Auch mein Hotel für die nächsten Tage, das Le Grand Bellevue mit seiner klassischen butterblumengelben Fassade liegt hier direkt im Ortskern. Mir gefällt der gepflegte weitläufige Park, der das Hotel umgibt.

Gstaad: Chaletdorf im Berner Oberland

Den Generalmanager, Fabian Nusser, kenne und schätze ich seit vielen Jahren. Ich frage ihn, worin er den großen Erfolg des Kultdorfes Gstaad begründet sieht. Die Häuser, so erklärt er mir, sind hier seit vielen Jahrzehnten nahezu alle im Chalet-Stil gebaut und bilden eine harmonische Einheit – ein echtes Alpendorf eben. Und dann beruht der Mythos Gstaad auch auf der Diskretion und Ruhe, die hier oben herrschen. Promis, Stars und selbstverständlich auch „normale“ Menschen kommen seit jeher hierher und wissen: Sie werden in Frieden gelassen und finden hier echte Ruhe.

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    Das Haus präsentiert sich in einem coolen, aber nicht unterkühlten Design – im Rahmen eines Grandhotels. (Foto: Le Grand Bellevue)

    Im alten Ortskern

    Das Haus präsentiert sich in einem coolen, aber nicht unterkühlten Design – im Rahmen eines Grandhotels.

    (Foto: Le Grand Bellevue)

    Der Aufstieg zum Jetset-Alpenort begann um 1920, als hier das renommierte Internat Le Rosey gegründet wurde und die Reichen ihre Kinder von da an nach Gstaad schickten. Die außergewöhnliche Berglandschaft, die frische Hochgebirgsluft, die sonnige Lage, die wunderschönen Seen und Wälder und die Wanderwege und Skipisten unter dem fast 3000 Meter hohen Spitzhorn machten Gstaad dann zum Nobelurlaubsort, der er bis heute ist.

    Das 1912 erbaute Le Grand Bellevue – das ursprüngliche Kurhaus – gehört zum alten Ortskern und repräsentiert in Gstaad eine eigene Art der Luxushotellerie: mit einem coolen, aber nicht unterkühlten Design im Rahmen eines Grandhotels. Frühes 20. Jahrhundert trifft auf Lifestyle, mit hochwertigen Textilien, wertvollen Möbeln und eleganten Innenräumen. Warme Farben dominieren, bedruckte Tapeten und Materialien wie Samt und Holz sorgen für heimelige Gefühle.

    Jedes der lichtdurchfluteten 48 Zimmer und jede der neun Suiten im elegant-gemütlichen Alpen-Chalet-Chic hat durch die raumhohen Fenster einen grandiosen Blick auf Berge und Gärten, der nicht nur Bergliebhaber begeistern wird.

    Ich schlendere durch den Ort und denke: Ob man nun die Champs-Élysées oder hier die Gstaad-Promenade entlanggeht, macht eigentlich keinen Unterschied. Alle großen Marken, die man sich vorstellen kann, sind hier – wunderbar in kleinen Holz-Chalets untergebracht. Die Häuser hier haben ohnehin fast allesamt einen schönen und nostalgischen Charme. Es macht Freude, sich einfach in eines der Cafés zu setzen, zu verweilen und die Atmosphäre zu genießen.

    Im gesamten Haus dominieren warme Farben. (Foto: Le Grand Bellevue)

    Die Lobby

    Im gesamten Haus dominieren warme Farben.

    (Foto: Le Grand Bellevue)

    Zurück vom Ortsspaziergang besuche ich die Spas im Haus und bin beeindruckt. Das Le Grand Spa im Untergrund ist das herausragende Highlight des Fünf-Sterne-Superior-Hotels: eine 3000 Quadratmeter große, luxuriöse alpine Wellnesslandschaft mit großartigen Saunen und Hammams, Yoga- und Pilatesstudios und Innen- und Außenpool vor der allgegenwärtigen Bergkulisse des Berner Oberlandes. Das Bellevue-Spa ist eine Oase und sucht – ohne zu übertreiben – in einem Berghotel in den Alpen seinesgleichen.

    Ich lerne im Spa Blandine kennen, eine junge Französin aus Montpellier. Bei der Mani- und Pediküre, die ich bei ihr genieße, verbindet sie Ästhetik mit Massage zu einem Beautyergebnis. Das hier ist fast eine Kunstform dieser Schönheitsanwendung. Ohne Witz: Meine Hände und Füße sehen aus wie neu.

    Der Service im Haus ist übrigens stets von lautloser Perfektion. Und wichtig für mich: Das hochmotivierte Team verbindet Professionalität immer mit Herzlichkeit.

    Zum Lunch im Le Petit Chalet erlebe ich später dann traditionelles Schweizer Essen in einer gemütlichen Holzhütte, die maximal 18 Personen Platz bietet. Manchmal sind die einfachen Sachen so toll: Ich bekomme eine leckere Poulet mit grünem Salat und krossen Pommes frites serviert. Wer bodenständiges Essen mag, der sollte sich diese Location merken.

    Veranstaltungskalender mit Topevents

    Was für mich auch für Gstaad spricht, ist der interessante und vielseitige Veranstaltungskalender mit zahlreichen sportlichen und kulturellen Topevents über das Jahr hinweg. Highlights sind im Sommer das ATP-Herren-Tennisturnier, das seit 1915 alljährlich im Juli nach dem Wimbledon-Turnier im Freien auf Sand ausgetragen wird, und die klassischen Konzerte, die zwischen Juli und September im Rahmen des Menuhin Festivals stattfinden.

    Ich bin nach diesen Tagen voller Ruhe und frischer Luft hier im idyllischen Hochgebirgsparadies im Saanetal erholt und möchte nicht zurück in die Zivilisation. Gstaad ist für mich ein attraktiver Zufluchtsort in den Schweizer Bergen abseits des Massentourismus, in dem ich Exklusivität gefunden habe, aber vor allem auch alpine Ursprünglichkeit. Und man kann hier in Ruhe zu sich kommen. Ich sitze im Park, höre das Rauschen der Bäume. In einer Hotelbroschüre lese ich ein Zitat von William Shakespeare: „Die Erde hat Musik für diejenigen, die zuhören.“

    Insidertipps:

    Mountainbike: Die schönste Route führt von Gstaad über den Arnensee und zurück.

    Ausflug: Fahrt nach Saanen, ein schmuckes Dorf mit historischen jahrhundertealten Chalets und der sehenswerten spätgotischen Mauritiuskirche.

    Wandererlebnis: Den nostalgischen Fonduerucksack (ab zwei Personen) bestellen und das Fondue mit Produkten lokaler Molkereien mitten in der Bergnatur genießen.

    Event: Auf die Alp Turnels wandern, dort die Käseproduktion nach traditioneller Art hautnah miterleben (die Milch kommt von den dort grasenden Simmentaler Kühen) und anschließend in einem Holzzuber ein warmes und gesundes Bad aus Molke genießen, die bei der Käseherstellung vor Ort entsteht.

    Raths Reiserating (aktuelle Wertung gefettet):

    1. Ausdrückliche Reisewarnung
    2. Besser als unter der Brücke
    3. So lala, nicht oh, là, là
    4. Meckern auf hohem Niveau
    5. Wenn’s nur immer so wäre
    6. Ganz großes Kino

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber der Reiseplattform Travelgrand.ch ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

    Carsten K. Rath, Rolf Westermann: Die 101 besten Hotels Deutschlands.
    Institute for Service- and Leadership Excellence AG
    521 Seiten
    34,90 Euro
    ISBN: 978-3033088719

    Rath ist zudem Autor des Buchs zum Ranking. Die nächste Ausgabe des Buchs erscheint unter Mitarbeit des Handelsblatts Ende November im Rahmen der Veröffentlichung des nächsten Rankings der 101 besten Hotels Deutschlands.

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