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06.06.2021

09:20

Rath checkt ein: Nachhaltige Hotels

Grün ist das neue Gold: Wie moderne Resorts nachhaltigen Luxus etablieren

Von: Carsten K. Rath

In der Hotellerie sind Luxus und Nachhaltigkeit keine unüberbrückbaren Gegensätze mehr, sondern Zukunftsthemen. Dies zeigen individuelle Konzepte.

Das Wasser für die Tamina-Therme im Grand Hotel Bad Ragaz stammt aus der Taminaschlucht. Es verspricht positive Heilwirkungen auf den menschlichen Organismus. (Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

Natürliche Ressource

Das Wasser für die Tamina-Therme im Grand Hotel Bad Ragaz stammt aus der Taminaschlucht. Es verspricht positive Heilwirkungen auf den menschlichen Organismus.

(Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

Nachhaltigkeit oder neudeutsch „sustainability“ wurde sehr lange in die Öko-Ecke verbannt und kritisch belächelt. Gerade in der deutschen Hotelbranche legten die Hoteliers bis vor Kurzem noch ganz andere Schwerpunkte: auf ihren Service, auf eine moderne Ausstattung und natürlich aufs Überleben in der Krise. Was mit den Attributen „grün“ oder „nachhaltig“ etikettiert wurde, galt keineswegs als luxuriös oder sexy. Das ändert sich aktuell, grüne Konzepte sind wieder en vogue.

Neu ist Nachhaltigkeit in der Hotellerie keineswegs. Bereits 2001 gründete Suzann Heinemann mit anderen Hotels die Kooperation GreenLine Hotels und lebte ihre Vision einer nachhaltigen Hotel- und Markenführung. 2014 führte sie als Erste ein integriertes Nachhaltigkeitssystem über alle Wertschöpfungsstufen ein. Auch weltweit beweisen zahlreiche Hotels, wie ein nachhaltig geführtes Luxushotel das Gasterlebnis ressourcenschonend komplettiert.

Die Indian Hotels Company (IHCL) etwa setzt mit zertifizierten, nachhaltigen Konzepten eine Benchmark für Nachhaltigkeit im Luxustourismus. Puneet Chhatwal, Managing Director und CEO der Company mit Sitz in Mumbai, weiß, wie man nachhaltige Themen in den Hotelalltag integriert. Der ehemalige CEO der Steigenberger Hotels schont mit den Konzepten der IHCL die Umwelt und bietet gleichzeitig luxuriösen Komfort für seine Gäste. Alle Resorts vereinen das Markenzeichen der indischen Gastfreundschaft, kombinieren Tradition und Herzlichkeit an spektakulären Orten. Luxuriöse Paläste, exotische Resorts und außergewöhnliche Erlebnis-Safaris schaffen bleibende Erinnerungen für Gäste auf der ganzen Welt.

Gleichzeitig verbessern die Hotels und Resorts mit ihren touristischen Angeboten nachweislich die Ökobilanz: Am sogenannten „Earth Day“ im April 2021 feierte das Unternehmen die 47 neuen Earthcheck-Platin-Zertifizierungen. Insgesamt schonen 78 solcherart zertifizierte IHCL-Hotels seit elf Jahren auf verschiedenen Ebenen die Umwelt: In den Resorts reduzierte sich der Wasserverbrauch um drei Millionen Liter. Treibhausgasemissionen konnten um 232.000.000 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalent (CO2e) minimiert werden. Das sind gigantische Zahlen.

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Standort erkennen

    Wie sich diese Maßnahmen ganz unterschiedlich auf den Aufenthalt der Gäste auswirken, zeigen ausgewählte Häuser. Geschickt eingesetzt, erstrahlt das Grün zum neuen Gold. Für die Umwelt und den Reisenden.

    Plastikfreier Inselluxus: Taj Exotica Resort & Spa, Andamans

    2018 eröffnete das Luxusresort in Andamans am berühmten Strand Radhanagar Beach auf der Insel Havelock Island. Über einen weitläufigen Steg gelangt man in die aus nachhaltigem Plantagenholz gebauten Villen und taucht umgeben von Bananenbäumen und Palmen direkt ins Paradies ein. Die Villen sind großzügig gestaltet und bieten auf 147 Quadratmetern viel Platz. Große Fenster öffnen den Blick auf die grüne Schönheit im Außen. Die Holzverkleidung und die minimalistische Einrichtung verströmen eine behagliche Atmosphäre und öffnen einen Raum zum Erholen, Genießen und zum eigentlichen Sein.

    Über einen weitläufigen Steg gelangt man zu den großzügig gestalteten Villen des Taj Exotica. (Foto: Taj Exotica Resort & Spa, Andamans)

    Aus nachhaltigem Plantagenholz

    Über einen weitläufigen Steg gelangt man zu den großzügig gestalteten Villen des Taj Exotica.

    (Foto: Taj Exotica Resort & Spa, Andamans)

    Die Villen liegen in Strandnähe und zählen zu den wohl schönsten der Insel mit ihren halbrunden Strohdächern und eleganten Holz- und Glaselementen. Die Bauweise des indigenen Jarawa-Stammes inspirierte die Architekten zum Bau der luxuriösen Stelzenhütten. Kein einziger Baum wurde für das 46 Hektar große Resort auf der Insel gefällt, es respektiert die natürliche Umgebung mit ihrer reichen Artenvielfalt. Zudem ist es erstes Zero-Single-Use-Plastic-Resort der IHCL und verzichtet auf vermeidbares Plastik im Hotelbetrieb.

    Natürliche Energiequellen arbeiten für den Gast nicht wahrnehmbar im Hintergrund. So wird mithilfe einer eigenen Wasserfüllanlage und eines Reservoirs das natürliche Regenwasser gesammelt und verarbeitet. Solarzellen speichern die reichlich vorhandene Sonnenenergie.

    Im Resort geben hauptsächlich Einheimische die Kultur und das authentische Inselleben an die Gäste weiter, zum Beispiel bei einer ausgedehnten Dschungelwanderung oder einer nächtlichen Kajakfahrt. Für alle IHCL-Resorts ist es wichtig, das Herz des Ortes zu transportieren und so unvergessliche Erlebnisse für den Gast zu schaffen. Traditionelle Kunst und das jeweilige Kulturerbe werden an die Reisenden vermittelt und gleichzeitig geschützt.

    Das gilt auch für die Kulinarik. So verarbeiten die Köche zum großen Teil Produkte aus der näheren Umgebung oder nutzen den hauseigenen Gemüse- und Kräutergarten, um die frischen Gerichte als „Farm to Table“ geschmackvoll auf den Tellern zu präsentieren.

    Für das 46 Hektar große Resort wurde auf der Insel kein einziger Baum gefällt. (Foto: Taj Exotica Resort & Spa, Andamans)

    Poolanlage

    Für das 46 Hektar große Resort wurde auf der Insel kein einziger Baum gefällt.

    (Foto: Taj Exotica Resort & Spa, Andamans)

    Thermalquelle als natürliche Ressource: Grand Hotel Bad Ragaz

    Im Schweizer Grand Hotel Bad Ragaz erlebe ich außergewöhnlich viele Facetten an einem Ort: Das Resort ist eine entspannende „Spa & Health“-Oase, in der ich meinen Körper und Geist resette. Die umliegende Landschaft erlebe ich direkt vor der Tür des Fünf-Sterne-Hide-aways. Wenn ich möchte, genieße ich diese sogar von meinem Bett aus, die bodentiefen Fenster ermöglichen es.

    In Bad Ragaz tauche ich in die heilsamen Fluten der Tamina-Quelle und gleichermaßen in ein wirklich exzellentes Service-Erlebnis des Grand Hotels ein. Patrick Vogler, CEO des Hotels, weiß, wie wichtig eine gesunde Lebensweise und Erholung für die Menschen ist. Corona beschleunigte die Transformation des Hotels – sehr zum Positiven, wie ich finde. Aus dem ehemals klassischen Kurhotel ist ein wahres Lifestyle-Erlebnis für Familien und Reisende geworden, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten.

    Bodentiefe Fenster in den Zimmern ermöglichen die Aussicht auch vom Bett aus. (Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

    Blick in die Berge

    Bodentiefe Fenster in den Zimmern ermöglichen die Aussicht auch vom Bett aus.

    (Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

    General Manager Marco Zanolari gestaltet die hoteleigenen Angebote kreativ und vor allem nachhaltig weiter. Neue Konzepte und Ideen stehen aktuell auf der Hotelagenda: Im Pop-up-Restaurant LeftLovers werden nicht verarbeitete Speisenbestandteile des Resorts wie Karottengrün oder Kartoffelschalen zu kreativen Finger-Foods weiterverarbeitet.

    Im Resort Bad Ragaz selbst wird ebenso auf einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen in der Küche geachtet. So kommen jährlich 160 Kilogramm Gurken aus dem eigenen Gewächshaus als schmackhafte Gerichte im Restaurant IGNIV by Andreas Caminada, einem der drei besten Köche der Schweiz, auf die Teller. Eigens gezogene Melonen werden erntefrisch in der Küche verarbeitet. Das Restaurant Memories & Verve by Sven verwendet ausschließlich Produkte aus dem Alpenraum wie Alpkäse, Löwenzahn, Hanfsamen und den süßen Superfood-Klassiker Honig. Das selbst gebackene Sauerteig-Brot gilt als beste Brot-Delikatesse in der Umgebung.

    Luxus und Nachhaltigkeit gehören für das gesamte Hotelteam selbstverständlich zusammen. Reto Schwengeler kümmert sich als Leiter der Infrastruktur und IT im Grand Resort Bad Ragaz um die Energieeffizienz im Haus. Viereinhalb Millionen Franken investierte das Fünf-Sterne-Luxusresort bereits in energieeffiziente Systeme. Heute können alle Gebäude des Resorts CO2-neutral beheizt werden, der Heizölverbrauch wurde seit 2021 von einer Million auf 50.000 Liter jährlich reduziert.

    Das Badezimmer im Penthouse des Grand Hotel Bad Ragaz. (Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

    Großzügig gestaltet

    Das Badezimmer im Penthouse des Grand Hotel Bad Ragaz.

    (Foto: Grand Hotel Bad Ragaz)

    Baden geht dabei nur der Gast – und zwar ins Thermalbecken der Tamina-Therme. Außerdem ist das Thermalwasser aus der Taminaschlucht eine natürliche Energiequelle für das Resort. Das 36 Grad heiße Wasser verspricht positive Heilwirkungen auf den menschlichen Organismus und wird entsprechend vom Resort für Wellness-Angebote eingesetzt. Seit 2019 baden die Gäste in der Therme klimaneutral. Ein wirklich entspanntes Badevergnügen, von dem ich mich selbst überzeugen konnte.

    Zudem schleust eine unterirdische Wärmepumpe die Restwärme aus dem Thermalwasser direkt in die Heizanlage des Resorts. Meine Suite blieb auch bei kühleren Außentemperaturen angenehm warm mit der natürlichen Energie. Fossile Brennstoffe kommen kaum noch zum Einsatz. Die Mission von Schwengeler und seinem Team geht weiter. Sie sind sich einig: „Energieeffizienz sollte heute kein Luxus mehr sein, sondern zum Standard gehören.“ Seit 2018 bezieht das Resort 100 Prozent Ökostrom.

    Luxus definiert sich für mich durch Qualität. Diese genieße ich mit dem guten Gefühl, dass ich gleichzeitig umweltschonend übernachte. Die Liebe zum Detail spricht durch die sorgsam ausgewählten Wohnaccessoires. Der Gesamteindruck überzeugt. Übrigens nicht nur mich. Gault Millau Schweiz kürte das Grand Resort Bad Ragaz zum Hotel des Jahres 2020/21. Drei der vier zum Resort gehörigen Hotels sind Mitglieder der Leading Hotels of the World.

    Soneva Fushi liegt im UNESCO-Biosphärenreservat des Baa-Atolls – in unmittelbarer Nähe eines unberührten Korallenriffs. (Foto: Soneva Fushi)

    Achtsames Slow-Life

    Soneva Fushi liegt im UNESCO-Biosphärenreservat des Baa-Atolls – in unmittelbarer Nähe eines unberührten Korallenriffs.

    (Foto: Soneva Fushi)

    Spiritualität trifft auf nachhaltiges Inselleben: Soneva Fushi, Malediven

    Viele der Hoteleigentümer haben sich auf den Malediven seit langer Zeit auf nachhaltigen Luxus ausgerichtet, um das malerische Inselparadies zu schützen. Sonu Shivdasani war der Erste, gilt sogar als spiritueller Nachhaltigkeitspionier. 1995 gründete der indisch-britische Hotelier das Unternehmen Soneva und initiierte die Luxusresorts Soneva Fushi und Soneva Jani auf den Malediven sowie Soneva Kiri in Thailand.

    Mit seinem nachhaltigen Luxuskonzept schont Shivdasani die natürlichen Ressourcen und berührt gleichzeitig die Herzen der Menschen. Soneva Fushi liegt im Unesco-Biosphärenreservat des Baa-Atolls – in unmittelbarer Nähe eines unberührten Korallenriffs. Die Gäste erleben die Natur in allen Facetten, ganz ohne Krawatte und Schuhe. Gäste genießen frisch geerntetes Essen oder erleben den Sternenhimmel durch das größte Teleskop im Indischen Ozean.

    Die ökologischen Unternehmenswerte sind zudem fester Bestandteil der Managementstruktur. Shivdasani fördert die Unternehmenskultur und lebt die definierten Unternehmenswerte in seiner täglichen Arbeit. Nach dieser Prämisse werden auch die Mitarbeiter eingestellt: Der CFO ist überzeugter Veganer, dem seine natürliche Umgebung sehr am Herzen liegt. Er hat wie alle anderen Teammitglieder ein starkes Commitment gegenüber der Natur und natürlich den Gästen.

    Gemeinsam mit seiner Frau Eva bringt Sonu Shivdasani den Gästen das achtsame Slow Life inmitten wunderschöner Natur näher. Im letzten Jahr öffneten acht neue Wasservillen, die zu den größten der Welt zählen. Beim Bau der neuen Luxusvillen achteten die Experten darauf, dass die Korallenriffe nicht beeinträchtigt werden. Der Strandabschnitt auf der Insel bleibt den Gästen und den Schildkröten vorbehalten, daher wurden die neuen Unterkünfte auf das Wasser verlagert.

    Fazit: Nachhaltiger Luxus für neue Gasterlebnisse

    Eines ist sicher: Nachhaltigkeit ist kein fragiles Trendthema, sondern wird kontinuierlich in bestehende und auch neue Hotelkonzepte integriert. Internationale Resorts wie die Indian Hotel Group und Soneva Fushi machen es vor, auch wenn die lange Anreise mit dem Flugzeug zugegebenermaßen nicht besonders nachhaltig ist. Doch von perfekt war nie die Rede. Die Summe der vielen kontinuierlichen Maßnahmen zählt.

    Im europäischen Umfeld ist das Grand Resort Bad Ragaz für mich ein lebendiger Beweis, wie gut schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen und Luxus miteinander harmonieren. Ich bin mir sicher, dass künftig nachhaltige Hotelkonzepte die deutsche Hotelbranche dominieren werden – im wirklich positiven Sinne.

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des neuen Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

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