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13.12.2020

10:15

Neben den vielfältigen digitalen Möglichkeiten bietet das Haus auch einen Spa-Bereich. (Foto: Grand Elysee Hamburg)

Pool im Hamburger Grand Elysée

Neben den vielfältigen digitalen Möglichkeiten bietet das Haus auch einen Spa-Bereich.

(Foto: Grand Elysee Hamburg)

Rath checkt ein: Stadthotels

Neue Konzepte der City-Hotels als Ausweg aus der Krise

Von: Carsten K. Rath

Der Wandel von luxuriösen Stadthotels zu City-Resorts ist auch Corona geschuldet. Einigen deutschen Häusern ist dies schon fast perfekt gelungen.

2020 war in der Hotellerie vieles anders als business as usual. Keine Frage, Covid-19 hat die Dinge durcheinandergebracht und im Teich der Hospitality große Wellen geschlagen. Es lässt sich nicht schönreden, dass die Auswirkungen von wochenlangen Lockdowns, Beherbergungsverboten und Reisewarnungen für viele Häuser verheerend waren.

Doch es ergeben sich – den nötigen Mindset vorausgesetzt – auch neue Chancen. Wie so viele Branchen muss sich auch die Hotelbranche auf „The New Normal“ einstellen. Denn dort, wo alte Konzepte schlichtweg ausgedient haben, müssen neue her. Hoteliers, die das verstanden haben, sind auch für die Zeit nach der Pandemie gut beraten.

In der Grandhotellerie denkt man traditionell immer noch gerne in Kategorien. Stadthotels dienen zumeist Geschäftsreisenden, Resorts am Meer oder in den Bergen sind erholungssuchenden Urlaubern vorbehalten. Dann kam Corona. Business-Trips wurden abgesagt, und als Location für Tagungen und Konferenzen hatten die klassischen Stadthotels ebenfalls bis auf Weiteres ausgedient. Gerade die City-Hotels müssen sich jetzt neu erfinden.

Ich persönlich hatte schon vor der Pandemie Skepsis gegenüber dem streng kategorischen Selbstverständnis mancher Häuser. Doch seit Corona gibt es eigentlich keinen Zweifel mehr: Wer sich neue Zielgruppen nicht mit zeitgemäßen Angeboten erschließt, wird schneller auf der Strecke bleiben als Mitbewerber, die freier und flexibler denken.

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    Eines der in meinen Augen vielversprechendsten Konzepte ist der Wandel von luxuriösen Stadthotels zu City-Resorts. Rückzugsorte in der Stadt, die ihr Angebot deutlich erweitern, um eben nicht nur für Geschäftsreisende attraktiv zu sein. Im Englischen hat man dafür schon einen Begriff gefunden: Bleisure – ein Mix aus Business und Leisure. Konzipiert für einen neuen, hybriden Typus von Reisenden, die Arbeit und Urlaub vermischen. Die eine Geschäftsreise verlängern, um ein paar Tage Freizeit anzuschließen, vielleicht sogar den Partner oder die Familie am Wochenende ins Hotel nachholen.

    Den Gast erwartet neben einem erstklassigen Interieur vor allem ein neues Verständnis von Gastgebertum. (Foto: Breidenbacher Hof)

    Badezimmer der Royal Suite im Breidenbacher Hof

    Den Gast erwartet neben einem erstklassigen Interieur vor allem ein neues Verständnis von Gastgebertum.

    (Foto: Breidenbacher Hof)

    Vor dem Hintergrund von Covid-19 erfüllen die neuen City-Resorts aber noch eine zweite Aufgabe. Sie sind perfekte Ziele für Staycations. Stay (at home) und Vacation. Man muss die englische Sprache für die Möglichkeit, Begriffe pragmatisch zu verschmelzen, einfach lieben. Staycation beschreibt einen Urlaub in der eigenen Stadt. Fern von Flughafen, Risikogebieten und Schnelltests genießt man lieber ein Hotel in der Nähe des eigenen Zuhauses.

    In Deutschland gibt es bereits mehrere Hotels, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und neue Konzepte nicht nur testen, sondern schon auf allerhöchstem Niveau anbieten. Zwei stechen dabei besonders hervor:

    Breidenbacher Hof in Düsseldorf

    Ich habe bereits in anderen Kolumnen aus meiner Begeisterung für dieses Hotel aus der Capella-Gruppe keinen Hehl gemacht. Und wenn ein Kölner ein Kompliment gen Düsseldorf schickt, dann will das etwas heißen. Hier bedeutet es, dass man sich neben einer wirklich exzellenten Hardware und erstklassigem Interieur vor allem auf ein neues Verständnis von Gastgebertum freuen darf.

    Bestes Beispiel dafür ist in meinen Augen die Abschaffung von Check-in- oder Check-out-Zeiten. Ich kann an- und abreisen, wie es in meine Planung passt und nicht in die des Hotels. Das ist 100-prozentige Fokussierung auf den Gast. Ein Ansatz, der hier in jedem Aspekt des Hauses durchscheint. Es geht immer um mich, nie um vordefinierte Prozesse.

    Der Aufenthalt im Breidenbacher Hof ist dazu geprägt von Persönlichkeiten und individueller Ansprache. Das beginnt mit Chef-Concierge Simon, der mich schon vor meiner Anreise zwei- oder dreimal anruft, um Präferenzen abzufragen, und meinen Aufenthalt organisiert. Als echte Seele des Hauses arbeitet er unter der Prämisse „Unmögliches wird möglich gemacht“.

    Den Resort-Charakter des Düsseldorfer Hauses unterstreicht auch das Preventicum: ein fachärztliches Vorsorgezentrum auf einer ganzen Etage. (Foto: Breidenbacher Hof)

    Spa-Bereich im Breidenbacher Hof

    Den Resort-Charakter des Düsseldorfer Hauses unterstreicht auch das Preventicum: ein fachärztliches Vorsorgezentrum auf einer ganzen Etage.

    (Foto: Breidenbacher Hof)

    Ein weiteres Kompliment geht an Martina. Sie wacht seit vielen Jahren über die Lobby, kennt nicht nur jeden Namen, sondern weiß auch um alle Befindlichkeiten ihrer Gäste. Und auch Guest-Relation-Managerin Nathalie reiht sich in die Liga der perfekten Gastgeber ein. Mein geschätzter Kollege Cyrus Heydarian hat hier ein Team aus Vollprofis versammelt, die das allerbeste Gesicht der Grand Hotellerie präsentieren.

    Der Breidenbacher Hof bietet einen hervorragenden Spa. Eine Besonderheit, die den Resort-Charakter in meinen Augen aber noch viel deutlicher unterstreicht, ist das neue Preventicum, ein fachärztliches Vorsorgezentrum unter der Leitung des Essener Professors Dietrich Baumgart. Auf einer ganzen Etage bietet der Breidenbacher Hof hier ein hochmodernes, diagnostisches und therapeutisches Zentrum mit interdisziplinärem Facharztteam, wie ich es sonst nur in großen Uniklinken gesehen habe.

    Gäste können ihren Aufenthalt im Breidenbacher Hof so für einen umfassenden Check-up und individuelle Beratung in nur einem einzigen Besuch nutzen. Der auch in der Travel-Branche immer wichtiger werdende Gesundheitsgedanke wird so auf Lifestyle-Art mit dem Hotelerlebnis verknüpft.

    Doch auch der außerhäusliche Freizeitfaktor findet besondere Beachtung im Gesamtkonzept. Mit speziellen Packages, den Capella Curates, werden Anreize geschaffen, Düsseldorf und die Region zu entdecken. Wer „Himmel & Ähd“ bucht, wird von Koch Philipp Ferber mit auf eine kulinarische Reise zum Gut Diepensiep vor den Toren der Stadt genommen. „Street Art Delights“ führt auf Foto-Tour in die Szeneviertel der Stadt.

    Und auch lokale Bäckereien und Brauereien – nebst hoteleigenem Pop-up Tasting-Store für Kaviar – lassen sich auf geführten Touren erkunden. Gäste von außerhalb hängen einige Tage Aufenthalt an, oder Düsseldorfer gönnen sich einen luxuriösen Staycation, um ihre Stadt in einer neuen Facette kennen zu lernen. Für mich ein vielversprechender, zukunftssicherer Ansatz. 

    Mandarin Oriental in München

    Das zweite City-Resort, dass mich restlos begeistert, ist das Mandarin Oriental in München. Hier beginnt der Erholungsaufenthalt schon vor der Tür: Der Doorman kennt nicht nur jeden Gast mit Namen. Ist kein Parkplatz direkt vor dem Haus frei, blockiert er kurzerhand die Straße, um stressfreies Einparken zu ermöglichen.

    Im Inneren des Hauses setzt sich das Luxuserlebnis nahtlos fort. Das Mandarin hat die Corona-Zwangspause zur Renovierung genutzt. Jetzt erstrahlt die bayerische Grandezza in neuem Glanz – umgesetzt in einer handwerklichen Perfektion, wie ich sie bisher selten gesehen habe. Hohe Decken, edles Holz und viel Licht vermitteln überall die Großzügigkeit, die dieses Hotel ausmacht. Frische Blumen, kleine Aufmerksamkeiten sowie eine fein bestückte und im Preis enthaltene Minibar vermitteln mir direkt das Gefühl, nicht nur angekommen, sondern über die Maßen willkommen zu sein.

    Das Münchener Haus hat die Corona-Zwangspause zur Renovierung genutzt. Jetzt erstrahlt die bayerische Grandezza in neuem Glanz. (Foto: Mandarin Oriental)

    Tower Suite im Mandarin Oriental

    Das Münchener Haus hat die Corona-Zwangspause zur Renovierung genutzt. Jetzt erstrahlt die bayerische Grandezza in neuem Glanz.

    (Foto: Mandarin Oriental)

    Die herrliche Dachterrasse mit Pool versetzt mich sofort in Urlaubsstimmung. Und auch technisch hat das Mandarin Oriental aufgerüstet und lässt auch hier die Ausrichtung auf mehr Wohlfühlatmosphäre und weniger Business-Charakter erkennen. Ich kann zwischen verschiedenen Lichtstimmungen wählen, und es gibt zahlreiche Gadgets, die den Komfort erhöhen. Die komplette Zimmertechnik kann ich vom Bett aus kontrollieren. Ein ganz klarer Verweis darauf, dass hier nicht nur Geschäftsreisende müde ins Bett fallen sollen, sondern sich durchaus ein ganzes Wochenende mit Ausschlafen, Spa-Besuch und Serienmarathon auf den zwei Fernsehern der Suite füllen ließe.

    Das gastronomische Angebot zieht durch die neue Dependance von Star-Gastronom Nobu Matsuhisas mit seiner einzigartigen Interpretation japanisch-peruanischer Fusion-Küche Gastro-Touristen und Foodies aus München gleichermaßen ins Haus.

    Außerdem bin ich geneigt, für die Mitarbeitenden des Mandarin Oriental den Begriff Wellness-Mitarbeiter einzuführen. Der Topservice ist ohne Frage der großartigen Führung von General Manager Dominik G. Reiner geschuldet. Für mich neben Ingo C. Peters aus dem Vier Jahreszeiten in Hamburg einer der führenden Grand-Hoteliers in Deutschland. Genau wie im Breidenbacher Hof bietet auch das Mandarin ein weitverzweigtes Netzwerk in die Stadt, um jeden Aufenthalt zu etwas Besonderem zu machen. Das betrifft die lokale Kunst- und Kulturszene genauso wie Medical Treatments. 

    Auch in diese Städte lohnt sich ein Abstecher

    Ein Hotel, das sich überraschend immer weiter Richtung Spa und Freizeiterlebnis orientiert, ist das Grand Elysée in Hamburg. Mit über 500 Zimmern eigentlich als großes Bankett- und Tagungshotel fest etabliert, hat man es hier nicht versäumt, den Spa-Bereich kontinuierlich auszubauen und gleichzeitig eine exzellente Gastronomie anzuschließen. Für mich ist das THEO’S inzwischen das beste Steakrestaurant Deutschlands – Steakhouse wäre bei der gebotenen Qualität und Atmosphäre nun wirklich despektierlich.

    Auch das Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch meistert den Spagat zwischen Business und Leisure. Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel liegt unmittelbar vor den Toren Frankfurts. 20 Minuten Autofahrt nehmen auch Geschäftsreisende gern in Kauf, um die Hektik der Finanzmetropole hinter sich zu lassen. Am Wochenende locken dann Wellness-Packages und spezielle Arrangements für kleine Auszeiten die Kurzurlauber aus Frankfurt und Umgebung in den frisch renovierten 2000 Quadratmeter Spa oder den 15 Hektar großen Park mit Tennisplatz und Joggingstrecke.

    Gleiches gilt für den Nassauer Hof in Wiesbaden, ein Traditionshaus, das mit seinem Angebot bestens für die Zukunft aufgestellt ist. Gäste kommen zum einen sicherlich auch für die Küche von Michael Kammermeier. Das Gourmetrestaurant Ente ist seit vier Jahrzehnten eine kulinarische Institution in Wiesbaden und zählt mit einem Michelin-Stern und 16 Punkten bei Gault & Millau zu den bekanntesten Gourmetrestaurants in Deutschlands. Aber auch die angeschlossene Therme lockt Gäste an, die hier eine urbane Oase finden. 

    Fazit: Ein Trend, der uns noch länger begleiten wird

    Reisende suchen mehr und mehr nach neuen Erfahrungen durch Wellness oder Gastronomie, nach Persönlichkeit und lokalen Erlebnissen. Das neue Konzept der City-Resorts zeigt, warum es für Hoteliers so wichtig ist, sich vom allzu Traditionellen freizumachen, wenn sie ein gesundes Geschäft aufrechterhalten wollen. Schubladendenken und einseitige Ausrichtung sind keine Lösungen. Es wird selbstverständlich immer einen Platz für herausragende Gastfreundschaft und Luxus geben, aber die Art und Weise, wie diese Qualitäten erbracht werden, wird sich weiterentwickeln. Einige dieser Hotels finden Sie auch unter den „101 besten Hotels Deutschlands“ wieder.

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des neuen Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

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