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31.07.2022

10:36

Die Lage direkt am Genfer See ist unübertroffen. (Foto: The Woodward)

The Woodward

Die Lage direkt am Genfer See ist unübertroffen.

(Foto: The Woodward)

Rath checkt ein: The Woodward

Kosmopolitisches Flair und ein grandioses neues Grandhotel in Genf

Von: Carsten K. Rath

Seit Jahrzehnten ist Genf unter den Top-Ten-Städten mit der höchsten Lebensqualität der Welt zu finden. Dazu trägt auch ein Haus der Oetker Collection bei.

Ich bin auf dem Flug nach Genf und sehr gespannt auf meine aktuelle Hotel-Exkursion: „The Woodward“ ist das neue Genfer Hotel der Oetker Collection, das erste und bisher einzige in der Schweiz. Die Reputation, der Ruf des Luxushotels ist bereits großartig, es soll kurzfristig eines der besten Hotels in Europa werden

Die Abholung am Flughafen Genf ist schon mal große Klasse: Mein Fahrer ist pünktlich und bester Laune zur Stelle. Für die standesgemäße Fahrt in die Genfer Innenstadt steht für mich eine deutsche Luxuslimousine bereit.

Nach einer Viertelstunde Fahrt laufe ich bereits durch mein Domizil der nächsten Tage und bin schon nach den ersten Minuten im Hotel beeindruckt: Wenn Luxus einen Namen hat, dann heißt der ab heute für mich Woodward, Pardon „The Woodward“.

Das Hotel, ursprünglich erbaut 1901, eröffnete erst im September vergangenen Jahres wieder, erfährt nach wenigen Monaten aber bereits große Bekanntheit und Aufmerksamkeit. Vor allem das außergewöhnliche Interieur des weltberühmten Design-Papstes und Architekten Pierre-Yves Rochon erregt Aufsehen – nicht nur in der Hospitality-Branche. 

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    Das erste All-Suite-Hotel im Herzen von Genf liegt feudal und perfekt am Quai Wilson, direkt am Ufer des Genfer Sees. Montblanc-Panoramablick inklusive.

    The Woodward: Edles Suitenhotel mit nur 26 Zimmern

    Das Woodward verkörpert für mich hinter der historischen Fassade, die sehr aufwendig restauriert wurde, und jenseits der klassischen Gebäudestruktur und der Belle-Époque-Architektur eine direkt und überall im Haus spürbare Modernität. Nur wenige Schritte von der kleinen Rezeption (die nur 26 Zimmer erfordern keinen großen Empfangsbereich) entfernt befindet sich die Hauptlounge. Mir fallen die edlen Samtsofas und der große, handgeknüpfte Teppich auf, ich fühle mich sofort wohl in dieser, das englische Wort trifft es, „cosy“ Atmosphäre.

    Aus allen Suiten des Hauses bietet sich eine faszinierende Aussicht. (Foto: The Woodward)

    Suite Montblanc

    Aus allen Suiten des Hauses bietet sich eine faszinierende Aussicht.

    (Foto: The Woodward)

    Kunst spielt im Woodward überall eine zentrale Rolle: Das abstrakte Gemälde in der kleinen, edlen Hotelbar zum Beispiel setzt einen kunstvollen Akzent. In der Lobby spiegeln Blattgoldgemälde das überall wahrnehmbare opulente Innendesign wider. Ich fühle mich wie in einem privaten Herrenhaus und empfinde, wie wirklich selten zuvor in einem Hotel, die Atmosphäre von echtem wohnlichem Luxus.

    Die mit Ebenholz verkleideten Wände geben der Lobby ein Gefühl tiefer Wärme, ein prächtiger Kronleuchter (ich frage mich spontan, welche Unsumme er verschlungen haben muss) und das Fresko, das einen stürmischen Himmel darstellt, untermalen das zusätzlich. Die antiken Möbel kontrastieren mit eleganten modernen Elementen wie einem wertvollen Bronzetisch. Mir gefallen auch die Sessel von Ralph Lauren, die zudem sehr bequem sind.

    Opulent und doch gemütlich

    Auf dem Weg zu meiner Suite fasziniert mich die abwechslungsreiche Kunst, zum Beispiel die Schwarz-Weiß-Fotografien im Treppenhaus. Die wertvollen Bilder und Skulpturen in den Gängen bilden einen perfekt inszenierten Kontrast zu den klassischen, mit aufwendigem Stuck besetzten Wänden. Wann immer ich mit den Händen über Oberflächen streiche, spüre ich die Qualität und Wertigkeit der verwendeten Materialien. Im Gang zu meinem Zimmer bin ich von den mit Echtholz getäfelten Wänden angetan, überall stehen frische Orchideen.

    Jede Suite im Haus ist anders. Meine hat beruhigende Beige-Töne, die durch einen Hauch von Blau eine sehr harmonische Einheit ergeben. Die Helligkeit und Tiefe der Farben in meiner Suite verändert sich – je nachdem, wie sich das Sonnenlicht auf dem Genfer See im Laufe des Tages spiegelt.

    Mir gefällt das raffinierte Dekor, von Schiebetüren und Schränken mit Stroheinlegearbeiten bis hin zu den handgefertigten Tapeten und Teppichen, in denen ich bei jedem Schritt einsinke. Kunstvolle Lalique-Türgriffe, dazu ein majestätischer Marmorkamin und wunderschöne Bücherregale vervollständigen den Eindruck. Auch sehr gelungen: die Beleuchtung, die von der japanischen Firma Akari-Lisa Ishii entworfen wurde und die die Kunstwerke, die für jede Suite extra ausgewählt wurden, dekorativ in Szene setzt.

    Am nächsten Morgen laufe ich früh um den Genfer See und mir fällt auf: Natürlich ist Genf in erster Linie bekannt für Big Business, Big Politics und Big Diplomacy. Aber Genf ist so viel mehr: Am allgegenwärtigen See fühle ich mich, vor allem jetzt im Sommer, wie an der Côte d’Azur.

    Die 140 Meter hohe Wasserfontäne gilt als eines der Wahrzeichen von Genf. (Foto: The Woodward)

    Jet d´Eau

    Die 140 Meter hohe Wasserfontäne gilt als eines der Wahrzeichen von Genf.

    (Foto: The Woodward)

    Die besten Restaurants und Grandhotels haben auch hier Historie und Klasse und reihen sich am Seeufer wie eine Perlenkette aneinander: das Four Seasons, das Beau-Rivage, ein opulentes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert und das älteste Genfer Hotel, das Bergues, ein klassizistisches Juwel aus dem Jahr 1834 mit einer wahrhaft glanzvollen Vergangenheit.

    Genf hat also beide Seiten. Das große Geschäft, viele Gäste aus dem Nahen Osten, aber auch ein sehr sicht- und spürbares Lokalkolorit, einschließlich der Nähe zum wunderschönen Wallis und – direkt hinter dem Flughafen nur einen Steinwurf entfernt – zu Frankreich.

    Ich komme vom Joggen zurück in mein Hotel und treffe auf den Woodward-Doorman, den ich vorher noch nie gesehen habe, er mich auch nicht. Er spricht mich freundlich an: „Hallo Herr Rath, das war aber eine anstrengende Stunde, oder? Ich habe hier Wasser für Sie, möchten Sie es gekühlt oder lieber in Zimmertemperatur?“ Eine Top-Performance. Respekt!

    Rath checkt ein: Video

    Carsten K. Rath in Genf: Französisch-schweizerisches Savoir-Vivre im neuen Grandhotel „The Woodward“

    Rath checkt ein: Video: Carsten K. Rath in Genf: Französisch-schweizerisches Savoir-Vivre im neuen Grandhotel „The Woodward“

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    Zwei Restaurants und Designwelten

    Zum Kulinarischen: Das Woodward bietet mit seinen beiden Restaurants L’Atelier Robuchon und Le Jardinier gleich zwei kulinarische Erlebnis- und Designwelten, die bewusst eine völlig unterschiedliche Atmosphäre erzeugen.

    L’Atelier Robuchon ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und besticht durch gedämpftes Licht und eine für mich spontan sehr wohltuende warme Farbpalette. Die angenehme Atmosphäre des Restaurants erinnert mich spontan an einen stylischen Privatclub. Am Tresen des Küchenchefs können Gäste auf 36 Plätzen dinieren.

    Im Le Jardinier, auf Deutsch: der Gärtner, sitze ich auf der prächtigen Terrasse und überblicke den See. Mein erster Eindruck: Hier hat alles Stil. Das Restaurant ist in mintgrünen Farbtönen äußerst stimmig und mit Detail-Sinn eingerichtet. Selbst die Vasen und Blumen auf den Tischen passen farblich perfekt. Ich mag die sommerlichen Farben und die Atmosphäre wie in einem Garten. Ich finde: Das ist große Kunst.

    Hotels leben ja bekanntlich vor allem von Menschen und Persönlichkeiten. Mein Kellner des Abends stellt sich vor: „Mein Name ist Christian, ich komme übrigens von den Philippinen und bin sehr dankbar, dass Sie heute Abend hier sind.“ Ich bin baff und fühle mich wohl und wertgeschätzt. Mehr geht nicht als Gast. 

    Selbst die Vasen und Blumen auf den Tischen sind farblich perfekt aufs Interieur abgestimmt. (Foto: The Woodward)

    Restaurant Le Jardinier

    Selbst die Vasen und Blumen auf den Tischen sind farblich perfekt aufs Interieur abgestimmt.

    (Foto: The Woodward)

    Mein Gefühl, dass hier im Restaurant alles richtig gemacht wird, verdichtet sich: Man bietet mir einen Rosé als Aperitif an. Aber eben nicht irgendeinen, hier gibt’s heute Abend Whispering Angel, nicht weniger als den besten Rosé aus der Provence, den man hier und jetzt im Sommer trinken kann.

    Und es geht kreativ und speziell weiter: Statt ein Amuse-Bouche kommt ein Amuse-Juice. Cool und erfrischend für diesen Sommerabend gemacht mit Karotte und Ingwer. Ich bestelle Penne mit Lobster und erlebe wahre Sinnesfreuden: Die Penne müssen den ganzen Tag mit dem Lobster irgendwie und irgendwo gebadet haben, so eine harmonische Einheit auf dem Teller (und am Gaumen) erlebe ich selten.

    Im Aufzug später fühle ich mich dann wie in einer Mischung aus Moulin Rouge und plüschigem Himmel, die Lift-Kabine ist komplett in rotem und goldenem Lack gehalten und mit Samt ausgeschlagen. Ich gleite nach oben in meine Suite und schlummere zufrieden ein.

    Am nächsten Morgen wache ich perfekt erholt auf und habe spontan große Lust, den unter meinen Suitenfenstern verführerisch in der Morgensonne funkelnden Genfer See zu erobern. Der sichelmondförmige, über 70 Kilometer lange See ist der größte, tiefste und vor allem blaueste aller Schweizer Seen. Die Dichterin Mary Shelley hat die fast tropische Farbe des Genfer Sees einst als „so blau wie der Himmel, der sich darin spiegelt“ beschrieben. Am Seeufer beeindruckt mich, wie wohl alle Touristen, das Genfer Wahrzeichen: der Jet d’Eau, die 140 Meter hohe Fontäne, die zu jeder Zeit sieben Tonnen Wasser mit einer unglaublichen Gewalt von fast 1400 PS und 200 Stundenkilometern in den Himmel schießt.

    Die Kabine ist komplett in rotem und goldenen Lack gehalten und mit Samt ausgeschlagen. (Foto: Carsten K. Rath)

    Plüschiger Aufzug

    Die Kabine ist komplett in rotem und goldenen Lack gehalten und mit Samt ausgeschlagen.

    (Foto: Carsten K. Rath)

    Ich gehe an Bord der „La Suisse“, dem grandiosen Flaggschiff der Belle-Époque-Schaufelraddampfer-Flotte der CGN-Gruppe. Die etwa 10.000 Aktionäre der Compagnie Générale de Navigation stammen aus privaten und öffentlichen Bereichen. So haben Kantone und Gemeinden am Genfer See als Mehrheitsgesellschafter einen maßgeblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Tätigkeit der Gesellschaft.

    „Mein“ altehrwürdiges Schiff, 2009 vollständig und liebevoll renoviert, gilt als schönstes Dampfschiff der Welt. Erst vom See aus bemerke ich die malerische Umgebung von Genf so richtig. Steile Weinberge, an denen der Schweizer Sauvignon Blanc reift, historische Bauwerke, prächtige Villen und in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Alpen, unter denen der majestätische Montblanc natürlich heraussticht.

    Wohlfühlen mit Stil: Guerlain-Spa im The Woodward

    Die Winter hier im Westen der Schweiz rund um den Genfer See sind eher mild, die Sommer warm und trocken, was dem Nordufer des Sees, also die Schweizer Seite, den Beinamen „Schweizer Riviera“ eingebracht hat. Am östlichen Ende des Sees, so erzählt mir eine Touristin aus Paris auf dem Oberdeck begeistert, wachsen sogar Palmen.

    Der Club Woodward erstreckt sich über 1.200 Quadratmeter und umfasst neben dem Spa unter anderem ein hochmodernes Fitnesscenter und den mit 21 Metern längsten Indoor-Pool der Stadt. (Foto: The Woodward)

    Rekordmaße

    Der Club Woodward erstreckt sich über 1.200 Quadratmeter und umfasst neben dem Spa unter anderem ein hochmodernes Fitnesscenter und den mit 21 Metern längsten Indoor-Pool der Stadt.

    (Foto: The Woodward)

    Am Nachmittag bin ich nach einem glücklichen Tag auf See zurück in meinem Hotel und freue mich jetzt sehr, die Spa-Welt im Woodward zu erkunden. Im Wellness-Bereich findet sich das einzige Guerlain-Spa in der Schweiz. Ansonsten gibt es die exklusive französische Spa-Marke nur in den Cheval-Blanc-Hotels, zum Beispiel in Paris oder in Courchevel. Die Dekoration hier gefällt mir ungemein: farbenfroh, mit viel Power, nicht schüchtern, und vor allem: superelegant. 

    Entspannung, aber auch gezielte Regeneration, das kenne ich aus anderen Häusern der Gruppe, gehört zur Philosophie der Oetker-Collection-Hotels. Das Guerlain-Spa hier im The Woodward gilt bereits jetzt als beste Wellness-Adresse in Genf. Ich zähle sechs Spa-Suiten, darunter eine speziell für Paare, die mit weißen Onyx-Waschbecken und Duschen aus italienischem Marmor ausgestattet ist. Die Massagen und Behandlungen wurden von Maison Guerlain speziell für das Woodward entwickelt.

    Der Club Woodward, der Hotelgästen und ausgewählten Mitgliedern offensteht, erstreckt sich über 1200 Quadratmeter und umfasst neben dem Spa unter anderem ein hochmodernes Fitnesscenter und den mit 21 Metern längsten Indoor-Pool der Stadt.

    Ich bin nach dem traumhaften Sommertag auf See und aufgrund der meditativen, irgendwie Zen-artigen Stimmung im Spa schnell tiefenentspannt und verdränge den aufkommenden Gedanken an mein Reisebudget. Hier in Genf ist eben fast alles extrem teuer.

    Ein Satz, den ich mal irgendwo gelesen habe, kommt mir in den relaxten Sinn: Wer Geld in die Schweiz schaffen will, braucht kein Nummernkonto. Man kann es hier auch einfach ausgeben.

    Raths Reiserating (aktuelle Wertung gefettet):

    1. Ausdrückliche Reisewarnung
    2. Besser als unter der Brücke
    3. So lala, nicht oh là là
    4. Meckern auf hohem Niveau
    5. Wenns nur immer so wäre
    6. Ganz großes Kino

    Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber einer Reiseplattform ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für das Handelsblatt schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. Rath ist Ideengeber des Rankings „Die 101 besten Hotels Deutschlands“, zu dessen Partnern auch das Handelsblatt gehört.

    Carsten K. Rath, Rolf Westermann: Die 101 besten Hotels Deutschlands.
    Institute for Service- and Leadership Excellence AG
    521 Seiten
    34,90 Euro
    ISBN: 978-3033088719

    Rath ist zudem Autor des Buchs zum Ranking. Die nächste Ausgabe des Buchs erscheint unter Mitarbeit des Handelsblatts Ende November im Rahmen der Veröffentlichung des nächsten Rankings der 101 besten Hotels Deutschlands.

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