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08.03.2015

13:12

Relax for Success

Lanzarote verhindert Öl und setzt auf Kunst

Von: Inge Hufschlag

Die Insel Lanzarote kann aufatmen. Die umstrittenen Öl-Bohrungen vor der Küste sind eingestellt. Stattdessen bestückt der Künstler Jason de Caires Taylor jetzt das Tauchparadies mit Skulpturen von Inselbewohnern.

Blick auf Lanzarote: Eine Frau liegt am Strand der kleineren Nachbarinsel La Graciosa und schaut auf Lanzarote. Angelika Herrmann-Meyer PR

Blick auf Lanzarote

Blick auf Lanzarote: Eine Frau liegt am Strand der kleineren Nachbarinsel La Graciosa und schaut auf Lanzarote.

Lanzarote/Düsseldorf Sonntags ist auf Lanzarote Markt in den alten Straßen der ehemaligen Inselhauptstadt Teguise. Im Schuh-Shop grinst eine Schaufensterfigur über einem Schild: „Bye, bye Repsol“. Das Logo mit dem teerschwarzen Händeabdruck ist keine Sportschuhmarke.

Repsol ist ein Petrochemie-Konsortium (20 Prozent hält der deutsche RWE, 20 Prozent das australische Unternehmen Woodside). Dem wurde vor vier Jahren nach einem königlichen Erlass erlaubt, vor der Küste Lanzarotes nach Öl zu bohren. Was dem Pauschal-Touristen ziemlich egal sein dürfte. Der denkt bei Öl eher an Sonnenmilch, vielleicht noch an seinen eigenen Schutzfaktor, kaum jedoch an den der 1993 von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärten Ferieninsel. Schließlich haben die meisten „all inclusive“ gebucht. Da sind Probleme nicht mit drin.

Geheimtipps auf Lanzarote: Die schönsten Strände

Strände auf Lanzarote

Die Kanaren-Insel Lanzarote ist mit einem hartnäckigen Klischee behaftet: Viele glauben, auf dem Vulkan-Eiland gäbe es ausschließlich schwarze Strände. Einige bestehen tatsächlich aus fein gemahlener Lava, die sich wie ein Kunstwerk zwischen steile Felsen und sanfte Wellen schmiegt. Zum Baden aber finden Urlauber vor Ort auch eine große Vielfalt an Küstenabschnitten mit weißem Sand und hellen Kieseln.

Naturschönheiten im Süden

Die bis zu 400 Meter langen Playas de Papagayo nahe des Touristenorts Playa Blanca im Süden von Lanzarote sind zwar kein echter Geheimtipp mehr, gelten aber nach wie vor als die schönsten der Insel. Die sieben windstillen Buchten, umrahmt von mächtigen Felsen, stehen allesamt unter Naturschutz.

Traumhaftes Wasser

Glasklares, türkisfarbenes Wasser von bester Qualität und heller, sauberer Sand zeugen vom Umwelt-Engagement rund um das Gebiet Monumento Natural de los Ajaches, in dem sich die Strände befinden. Da für den Parkplatz eine Gebühr zu entrichten ist, sind sie nicht allzu überlaufen.

Wilder Westen

Zu den Strand-Highlights im Südwesten Lanzarotes zählt die Bucht von El Golfo unterhalb des gleichnamigen Fischerdorfs. Aufgrund starker Strömungen sollte man hier nicht schwimmen gehen, sondern stattdessen die einmalige Aussicht auf die berühmte neongrüne Lagune inmitten des pechschwarzen Lavasands genießen. Der einstige Vulkankrater ist eine der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten der Insel.

Der Surfer-Strand

Die Playa de Famara weiter nordwestlich ist mit über sechs Kilometern der längste Strand Lanzarotes. Dass sich hier vor allem Surfer tummeln, hat einen guten Grund: Schwimmer sollten im flachen Wasser bleiben und sich vor Unterströmungen in Acht nehmen. Für lange Spaziergänge bei Ebbe und ausgedehnte Sonnenbäder aber gibt es kaum bessere und vor allem entspanntere Plätze auf der Insel.

Der beschauliche Norden

Beim Caletón Blanco ist der Name Programm: Der etwa einen halben Kilometer lange Strand beim Fischerdorf Órzola zeichnet sich durch schneeweißen Sand aus, im Kontrast dazu stehen schwarze Lavafelsen. Er befindet sich in ländlicher Gegend, verfügt aber auch über Parkplätze und Strandbars.

Der „hintere Strand“

La Cantería oder Playa de Atrás bedeutet soviel wie „hinterer Strand“ und liegt verborgen unter den Klippen von Órzola. Aufgrund der starken Brandung treffen sich hier vor allem Surfer.

Nur mit dem Boot erreichbar

Nur zu Fuß oder mit dem Boot gelangt man zur Playa El Risco unterhalb des Aussichtspunkts Mirador del Río. Der etwa einstündige Abstieg von César Manriques in den Berg integrierter Plattform ist schweißtreibend, lohnt sich aber: Besucher werden mit einem fast menschenleeren, hellen Strand und grandiosen Aussichten belohnt.

Inselhopping

Und auch jene Naturschönheiten sollten sich Urlauber nicht entgehen lassen: Beim Inselhopping auf Lanzarotes kleine Schwester La Graciosa, nur 20 Schiffsminuten von Órzola entfernt, warten einige herrlich ruhige, weiße Strände auf Beach-Aficionados: So etwa Las Conchas, einsam gegenüber der Insel Montaña Clara gelegen, die eineinhalb Kilometer lange Playa El Salado, die Playa Francesa sowie die Strände La Cocina, Lambra und Caleta de Arriba. Sie alle kann man nur zu Fuß erreichen.

Familienstrände im Osten

Die erstaunlich wenig überlaufenen Strände in den Touristenzentren der Ostküste hingegen bieten mit ihrem feinen hellen Sand, den geschützten Buchten und – wo notwendig – Wellenbrechern beste Voraussetzungen für Familienurlaub mit Kindern. Zu den schönsten zählen Playa Grande/Blanca, Playa de Matagorda, Playa Chica, Playa de los Pocillos und El Baranquillo in Puerto del Carmen, El Reducto (Hauptstrand von Arrecife) sowie Las Cucharas, Ensenada de las Caletas, Los Charcos und zahlreiche weitere weiße Strände an der Costa Teguise.

Die Argmente von Repsol: Wenn man auf Öl stieße – vermutet wurde das größte Vorkommen in Spanien überhaupt – könne man bis zu zehn Prozent des Bedarfs im eigenen Land aus eigenen Lagerstätten decken. Darüber hinaus würden tausende neue Arbeitsplätze geschaffen auf den Inseln, deren Arbeitslosenquote über 30 Prozent liegt.

Doch von Anfang an gab es heftige Proteste, nicht nur von den Inselregierungen, auch von Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace oder der internationalen Union für die Erhaltung der Natur. Aus der Bevölkerung beteiligten sich mehr als 40.000 Personen aus Lanzarote und Fuerteventura, darunter auch viele Residents, vor allem Briten und Deutsche, die weiterhin ungestört auf ihren „Inseln des ewigen Frühling“ ihren Lebensabend genießen wollen. Die Inselregierung organisiert regelmäßig Info-Abende für ihre ausländischen Mitbürger. Dazu läuft weltweit eine Unterschriftenkampagne .

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    Unterstützung erhielt die Protestbewegung auch mehr oder weniger von deutschen, britischen und skandinavischen Reise-Agenturen. Der Tourismus ist die Haupteinkommensquelle der Kanaren. Für die Agenturen sind die Kanaren auch eine wichtiges Ausweich-Ziel, wenn es woanders zu ungemütlich wird, etwa in Ägypten oder Griechenland.

    Die Sorge gilt nicht nur der touristischen Infrastruktur (mehr als zwölf Millionen Touristen im Jahr besuchen pro Jahr die Inseln), sondern vor allem der Meeresfauna, den Lebensräumen von Walen und Delphinen. Der von der kanarischen Regierung beauftragte Experte Ezequiel Navio Vasseur mahnt: „Wir sprechen von Inseln, die in ihrer Gesamtheit zu Biosphärenreservaten erklärt, in deren Gewässern mehr als die Hälfte der Meeressäuger der Welt beheimatet sind.“

    Nicht zu vergessen die Wasserversorgung. Lanzarote und Fuerteventura beziehen ihr Nutzwasser aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Eine Ölkatastrophe wäre immer auch Wasserkatastrophe. Die Lanzarotenos verweisen dabei auf den Öl-Unfall im Golf von Mexiko im April 2010. Dabei flossen 700 Millionen Liter Öl ins Meer, weite Teile der Küsten wurden verschmutzt, elf Menschen starben.

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