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05.06.2022

09:13

Buchkritik

Versicherungen: Annäherung an eine oft unnahbare Branche

Von: Christian Schnell

Versicherungen sind für viele ein leidiges Thema. Bastian Kunkel ist mit seinem Buch eine lockere Mixtur aus Einstiegs- und Hintergrundwissen gelungen.

Bastian Kunkel schafft es, beim Thema Versicherungen Barrieren abzubauen. dpa

Pärchen mit Regenschirm

Bastian Kunkel schafft es, beim Thema Versicherungen Barrieren abzubauen.

München Viele Leser dürfte Bastian Kunkel bereits auf den ersten Zeilen in ihrer Einstellung zum Thema Versicherung abholen. Niemand wache morgens auf und sage: „Geil! Heute habe ich so richtig Bock darauf, mich mit meinen Versicherungen auseinanderzusetzen“, schreibt er im Vorwort seines Buchs „Total verunsichert“.

Aber auch, wenn sich verständlicherweise niemand gern um seine Versicherungen kümmert, so herrscht doch überwiegend die Meinung, dass es sich bei diesem Thema um ein zwangsläufiges Übel handelt, das erledigt werden muss. Anschließend werden die Policen in einem Ordner im Arbeitszimmer oder im Keller abgelegt. Ob Mann oder Frau damit wirklich gut versichert sind, kann aber auch dann noch niemand mit Gewissheit sagen.

Dem Autor Bastian Kunkel ist in den vergangenen Wochen mit einem Ansatz aus lockerer Schreibe, verständlichen Erklärversuchen und reichlich Werbung in eigener Sache ein Bestseller gelungen. Der schafft es, die Barrieren beim leidigen Thema Versicherungen auch für die Menschen abzubauen, die zur anfangs beschriebenen Gruppe gehören.

Damit setzt Kunkel in Buchform den Weg fort, der ihm davor schon auf Social-Media-Kanälen wie Youtube, Instagram oder Tiktok eine hohe Zahl an Followern beschert hat. Dort erklärt er ebenfalls in launigen Worten und ohne den üblichen Fachjargon, was für den Normalkunden in den Versicherungsbedingungen oftmals wie Fachchinesisch klingt. Für das Geschäft seiner Agentur „Versicherungen mit Kopf“ dürfte solch ein niedrigschwelliger Zugang sicher zuträglich sein.

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    Im Buch stellt Kunkel in den einzelnen Kapiteln die richtigen Fragen und liefert auch gleich die passenden Antworten dazu. Dabei entsteht kein Ratgeber, wie es sie in diesem Bereich bereits zuhauf gibt. Stattdessen versucht der Autor, den Blickwinkel des Kunden einzunehmen und setzt deutlich niedriger an.

    Bastian Kunkel: Total ver(un)sichert.
    Finanzbuch Verlag
    München 2022
    240 Seiten
    15 Euro

    Dabei geht es um einfache, aber durchaus berechtigte Fragen wie „Welche Versicherungen sind (grundsätzlich) sinnvoll?“ oder „Wie du einen Schaden richtig meldest?“ bis hin zu häufigen Fehlern, falschen Erwartungshaltungen oder gar Mythen, die sich auch dann noch halten, wenn sie als längst widerlegt gelten.

    Beispielsweise sollte man beim Thema Versicherungen nicht auf Eltern, Großeltern oder Freunde hören. Entweder gebe es von dort gefährliches Halbwissen wie „Die Versicherung zahlt eh nie“ oder es wird so womöglich die eigene Entscheidung sabotiert, zu der man sich gerade erst nach längerer Einarbeitung in die Materie und reiflicher Überlegung durchgerungen hat.

    Kritik an der eigenen Branche

    Dass sich grundsätzlich kaum jemand gern mit Versicherungen beschäftigt, liegt aber auch am seit Jahrzehnten herrschenden schlechten Ruf, den sich die Branche zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben hat. Bastian Kunkel nimmt die eigene Branche nicht in Schutz, sondern spricht offen an, dass sie ihm manchmal selbst peinlich ist.

    Es geht um schwarze Schafe, unter denen im Umgang mit Kunden das Motto „Anhauen, umhauen, abhauen“ herrscht – was nichts anderes bedeutet, als dass es vielen Vertretern nur um den schnellen Vertragsabschluss geht, um anschließend nie mehr gesehen zu werden. Dann schämt auch Kunkel sich für die eigene Branche, wie er in seinem Buch beschreibt. Seinem eigenen Ruf dürfte ein solches Eingeständnis sicher nicht schaden.

    Dennoch überrascht Kunkel an etlichen Stellen auch mit unerwarteter Tiefe. Immer dann, wenn aus dem lockeren Erzählstil doch ein Ratgeber wird, der Tipps gibt, wie es sie beim schnellen Online-Abschluss nicht gibt.

    Dann erklärt er das Wortungetüm Best-Leistungs-Garantie, womit der Kunde einer Haftpflichtversicherung die bestmögliche Leistung erhält, die es in Deutschland gibt. Auch wenn die bei einem anderen Anbieter zu finden ist. Oder er erklärt Begriffe wie den „Verzicht auf eine abstrakte Verweisung“ bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Damit weiß sicher auch kein Kunde etwas anzufangen. Doch stünde die Klausel nicht im Vertrag, könnte der Versicherer seinen Kunden auch bei nachgewiesener Berufsunfähigkeit an einen anderen Beruf verweisen, den er womöglich noch ausüben könnte.

    Es ist die Mixtur aus Einstiegsinformationen und Hintergrundwissen, die „Total verunsichert“ lesenswert macht. Dabei geht es vermutlich aus Sicht der Branche etwas durcheinander, wenn beispielsweise zwischendurch gefragt wird, was passiert, wenn der Versicherer pleitegeht. Genau das aber sind die Fragen, die sich Kunden während eines Beratungsgesprächs stellen. Bastian Kunkels Buch ist somit auch eine Annäherung der Kunden an eine manchmal unnahbare Branche.

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