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22.10.2021

21:00

Gala im Rahmen der Frankfurter Buchmesse

Markus K. Brunnermeier erhält den Wirtschaftsbuchpreis 2021

Von: Claudia Panster

PremiumDie Jury lobt den Ökonomen dafür, die Krise nicht nur beschrieben, sondern auch Lösungen aufgezeigt zu haben. Bill Gates erhält einen Sonderpreis für das „Unternehmerbuch des Jahres“.

Brunnermeiers Werk stach für die Jury aus den bisherigen Corona-Analysen heraus. (c) Uta Wagner

Markus K. Brunnermeier und Hans-Jürgen Jakobs

Brunnermeiers Werk stach für die Jury aus den bisherigen Corona-Analysen heraus.

Frankfurt Für das Buch „Die resiliente Gesellschaft. Wie wir künftige Krisen besser meistern können“, erschienen im Aufbau Verlag, hat Markus K. Brunnermeier den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2021 gewonnen. Die Jury wählte das Buch aus einer Shortlist von zehn Titeln. Der Preis wurde am Freitagabend im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bei einer feierlichen Gala überreicht.

Nach einem Jahr der coronabedingten Pause hatte das Handelsblatt gemeinsam mit seinen Partnern, der Frankfurter Buchmesse und der Investmentbank Goldman Sachs, in den Frankfurter Hof geladen. „Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis hat sich mittlerweile als einer der wichtigsten Literaturpreise in diesem Genre etabliert", sagte Wolfgang Fink, Vorstandschef von Goldman Sachs Europe, an dem Abend. "Alle Wirtschaftsbücher, die im vergangenen Jahr in Deutschland veröffentlicht wurden, spiegeln, dass die Themen Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung vor dem Hintergrund der Coronakrise mehr denn je im Fokus stehen.“

Die zehn nominierten Autoren - oder ihre Vertreter aus dem Verlag - stellten in kurzen, teils sehr engagierten Pitches ihre Bücher vor.

Etwa Alexander Roesler, Programmleiter Sachbuch im S. Fischer Verlag: "2,6 Milliarden Menschen sind auf Facebook, das ist etwa ein Drittel der ganzen Menschheit. Über diese Menschen weiß Facebook alles, wirklich alles. Was sie anklicken, was sie interessiert, wen sie kennen, was sie morgens machen, was sie mittags machen, was sie abends machen", sagt er. "Und was wissen diese 2,6 Milliarden Menschen über Facebook? Praktisch nichts." So intonierte Roesler das nominierte Buch "Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit" der US-Journalistinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang.

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    Oder die Autorin Julia Friedrichs, die von Menschen berichtete, denen das System vorgegaukelt habe, sie könnten es aus eigenem Antrieb, durch harte Arbeit, nach oben schaffen. Aber: "In der Realität sehen wir, dass das nicht klappt". Menschen, die Friedrichs für ihr Buch "Working Class" begleitet hat.

    Eine nötige Änderung im System machten wie Friedrichs oder auch Preisträger Brunnermeier gleich mehrere der Bücher aus. Handelsblatt-Autor Felix Holtermann macht in seinem "Geniale Betrüger" Vorschläge, wie das System Deutschland sich ändern muss, damit sich ein Fall wie Wirecard nicht wiederholt. Und der Volkswirt Moritz Schularick hatte den Tiefpunkt der Coronapolitik, Angela Merkels Rücknahme der Osterruhe im März 2021 als Ausgangspunkt genommen, um aufzuzeigen, in welchen Punkten der Staat handlungsfähiger werden muss.

    „Die diesjährige Shortlist versammelte zehn sehr empfehlenswerte Titel, die die verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen analysieren und sich allesamt durch realistische Bestandsaufnahmen und frische Denkansätze auszeichnen", sagte Goldman-Sachs-Europe-CEO Fink, der auch Mitglied der Jury ist. "Jetzt ist die Zeit, den Übergang hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten und dafür bieten insbesondere die Preisträger 2021 sehr fundierte Analysen und Lösungskonzepte.“

    Beim Siegertitel "Die resiliente Gesellschaft" handele es sich um ein Buch, welches das Thema Zukunftsbewältigung wegweisend behandelt und einen fundierten Debattenbeitrag zu einer der bestimmenden Fragen unserer Zeit liefert, urteilte die Jury: Wie schaffen es Gesellschaften, anpassungsfähiger und flexibler gegenüber künftigen Krisen zu sein?

    Markus Brunnermeier: Die resiliente Gesellschaft. Wie wir künftige Krisen besser meistern können.
    Aufbau Verlag
    Berlin 2021
    336 Seiten
    24 Euro

    Brunnermeiers Werk steche aus den bisherigen Corona-Analysen heraus. Aber, so urteilt die Jury weiter: „Markus Brunnermeier hat kein reines Corona-Buch geschrieben, sondern eine Anleitung für Krisen jeglicher Art. Er bietet viele Anregungen, die der Leser mitnehmen kann, und das auch noch gut und verständlich geschrieben.“

    Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das aus der Sicht eines Ökonomen die verschiedenen Ansätze beim Management der Coronakrise analysiert und aufzeigt, wie die Pandemie die Welt verändert hat und wie wir für ähnliche Fälle Vorsorge treffen müssen. Und es liefert darüber hinaus eine Analyse, welche Konsequenzen Gesellschaften daraus insgesamt für den Fall großer Störungen von außen ziehen sollten.

    „Markus Brunnermeier beschreibt die Krise nicht nur, er setzt sich auch mit Lösungsmöglichkeiten auseinander“, sagte Hans-Jürgen Jakobs, Senior Editor des Handelsblatts und Vorsitzender der Jury. Er führte durch den Abend. Resilienz sei derzeit „ein großes Schlagwort“ in Politik und Wirtschaft. Brunnermeier nehme es als Bezugspunkt, um von dort eine ganze Theorie zu entwickeln.

    Resilienz sei „der Polarstern, der bei der Gestaltung einer Post-Corona-Gesellschaft zur Orientierung dienen kann“, lautet Brunnermeiers Kernthese. Er ist einer der renommiertesten deutschen Volkswirte und lehrt an der Princeton University in den USA. Eigens aus den USA angereist, nahm er den Preis persönlich entgegen. "Den Preis zu bekommen, ist für mich eine große Ehre", sagte Brunnermeier.

    Damit reiht er sich ein in eine Riege namhafter Preisträger, darunter der israelische Historiker Yuval Noah Harari der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček oder die US-Wirtschaftswissenschaftler Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo.

    Eine besondere Aufgabe übernahm in diesem Jahr der erste Gewinner des Wirtschaftsbuchpreises, Daniel Schäfer. Der ehemalige Journalist, heute Partner bei der Beratung Finsbury Glover Hering, hielt die Keynote zum Thema "Die Zukunft des Journalismus". Darin machte er der Branche Hoffnung: "Qualitätsjournalismus ist so präsent wie eh und je und hat glänzende Zeiten vor sich", sagte Schäfer.

    Anne Stadler nimmt den Sonderpreis für Bill Gates entgegen.

    Anne Stadler, Verena Pausder und Hans-Jürgen Jakobs

    Anne Stadler nimmt den Sonderpreis für Bill Gates entgegen.

    Bill Gates' Buch gewinnt den Sonderpreis

    Zum zweiten Mal nach der Premiere 2020 vergab die Jury auch einen Sonderpreis für das „Unternehmerbuch des Jahres“. Er geht an „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern: Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind“ von Bill Gates, erschienen im Piper Verlag. Den Preis nahm stellvertretend für Gates Anne Stadler, die Programmleiterin Sachbuch, entgegen.

    Die Laudatio auf den Microsoft-Gründer, der dem Handelsblatt zuvor ein Videointerview gegeben hatte, hielt die letztjährige Preisträgerin des Sonderpreises, Verena Pausder. "Den Klimaaktivisten wird oft vorgeworfen, sie würden nur moralisch argumentieren, sie wollten Menschen und Unternehmen gängeln, würden Horror-Szenarien entwerfen, würden komplett übertreiben mit ihrer Furcht, die Erde werde unbewohnbar", sagte sie. "Bill Gates macht das alles in gewisser Weise auch. Aber, und das ist der entscheidende Punkt: Er sagt es aus Sicht des Unternehmers, er argumentiert pragmatisch, zielstrebig und lösungsorientiert. Und das macht sein Buch so beeindruckend."

    Bill Gates: Wie wir die Klimakatastrophe verhindern.
    Piper Verlag
    München 2021
    316 Seiten
    22 Euro

    Die Jury hatte in eine ähnliche Richtung argumentiert: „Bill Gates, einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt, nimmt sich eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit vor, und zwar sehr lösungsorientiert, auf Beispiele heruntergebrochen und damit sehr allgemeinverständlich.“ Der Schlüssel zum erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel bestehe für Gates darin, „saubere Energie ebenso billig und zuverlässig zu machen wie das, was wir jetzt durch fossile Brennstoffe bekommen“.

    Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis wird verliehen vom Handelsblatt, der Frankfurter Buchmesse und der Investmentbank Goldman Sachs, die das Preisgeld von 10.000 Euro stiftet. Die Partner wollen mit der Auszeichnung die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der Gesellschaft liefern. Das Motto des Preises lautet daher „Wirtschaft verstehen“.

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