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10.06.2021

11:24

Ex-CDU-Generalsekretär

Peter Tauber: „Ich war so schwach, dass ich nicht wusste, woher die Kraft zum Weiterleben kommt“

Von: Carina Kontio

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht im Mindshift-Podcast über die Schattenseiten der Politik, Scheitern, Schmerzgrenzen und sein vorzeitiges Karriereende.

Düsseldorf Als Generalsekretär unter Angela Merkel managte Peter Tauber mehrere Jahre die CDU. Der promovierte Historiker, Autor und passionierte Marathonläufer hielt sich für unbesiegbar – ein Mann, der jahrelang sein Hamsterrad zum Glühen brachte. Der mit 16-Stunden-Tagen, vielen Gummibärchen und wenig Schlaf im Epizentrum der Politik wunderbar funktionierte.

„Ich habe gar nicht gefragt, wo meine Grenze ist, sondern mir meine Umgebung angeschaut und mir gesagt: Wenn die Grenze bei derjenigen oder demjenigen so ist, muss sie bei mir auch so sein“, erzählt Tauber in der neuen Podcast-Folge von Handelsblatt Mindshift.

„Also wenn die Kanzlerin nach einer Nacht in Brüssel und einer Pressekonferenz um drei Uhr um acht Uhr schon wieder in der Morgenlage sitzt und fragt: ,Käffchen?', dann denkt man: Oh Gott, wie geht das? Und: Ich muss das auch können.“

Bis ihm vor drei Jahren, auf dem Zenit seiner Karriere, eine Darmerkrankung den Boden unter den Füßen wegzieht. Tauber wählt im November 2017 den Notruf und lässt sich nachts um halb drei ins Krankenhaus einliefern. „In dieser Nacht hatte ich Schmerzen, wie ich sie in meinem Leben noch nicht hatte“, erzählt der gebürtige Frankfurter in Handelsblatt Mindshift.

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    Er entkommt nur durch eine Notoperation knapp dem Tod. „In diesem Moment war nicht nur die Hilflosigkeit so schlimm, sondern im Nachhinein wahrscheinlich auch dieses völlige Zusammenbrechen meines Selbstbildes“, erinnert sich der Politiker.

    Ich möchte meine Gesundheit nicht noch einmal zugunsten des Jobs riskieren. Peter Tauber

    Karriereende als Spitzenpolitiker

    Es folgt ein monatelanger Kampf zurück ins Leben, mit Blutvergiftung, Bauchfellentzündung, zwölf Tagen Intensivstation und Reha. Tauber: „Bei mir ist alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte, und danach haben die Ärzte alles richtig gemacht, was man richtig machen muss, und deswegen reden wir jetzt noch.“

    Für den Arbeitsjunkie eine Zäsur, die nicht nur Auswirkungen auf seinen Lebensstil hat, sondern auch auf seinen Job als Politiker. „Ich war fertig. Ich war so schwach, dass ich mich ernsthaft gefragt habe: Kann ich das jetzt eigentlich noch? Wo kommt denn jetzt die Kraft her zum Weiterleben?“

    Gute Führung hat etwas mit dem Selbstbild zu tun. Bin ich der Typ, dem alle nachlaufen und der alleine sagt, wie es zu sein hat oder bin ich jemand der anders führt, indem er Leute mitnimmt und einbezieht! Ich glaube, der letzte Weg ist gesünder – für einen selbst, aber auch für die Mitarbeiter und am Ende ist er auch erfolgreicher. Peter Tauber

    Aber die Kraft kommt zurück und mit ihr ein Comeback im März 2018 als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Trotzdem entscheidet Tauber im Oktober vergangenen Jahres, aus dem Polit-Betrieb auszusteigen und zur Bundestagswahl 2021 nicht mehr zu kandidieren. „Dann kommt dieser Moment, wenn Sie angehalten haben, da werden Sie auf sich selber zurückgeworfen, und dann merken Sie: Was mache ich hier eigentlich gerade?“

    Gute Führung kennt Grenzen

    Doch Peter Tauber ist längst dabei, neue Pläne zu schmieden – was genau jetzt kommt, mag er noch nicht verraten. Aber er weiß jetzt, worauf es ihm wirklich ankommt. Sein Learning und gleichzeitig auch Titel seines Buches, das er über seine Erlebnisse geschrieben hat: Du musst kein Held sein!

    „Das heißt ja nicht, dass man sich davon verabschieden soll, sich anzustrengen, auch mal an die eigene Grenze zu gehen, sich etwas zuzumuten, sich einzusetzen für eine Sache, von der man wirklich überzeugt ist“, erklärt Tauber im Mindshift-Podcast.

    „Das will ich alles nicht in Abrede stellen. Ich bin ein großer Freund des Leistungsgedankens. Aber das hat Grenzen, und im Idealfall muss ich die selber erkennen.“ Für sich selbst, aber auch für andere, etwa für seine Mitarbeiter. „Wenn ich Menschen führe, muss ich sehen, wo deren Grenze ist. Und ich darf sie nicht permanent überfordern, sonst können sie auch nicht gut sein.“

    Peter Tauber: Du musst kein Held sein. Spitzenpolitiker, Marathonläufer, aber nicht unverwundbar.
    bene!, 224 Seiten, 18 Euro

    Für Peter Tauber ist die Grenze nach zwölf Jahren in der Spitzenpolitik erreicht. Aber wie geht es einem Workaholic, wenn er nicht mehr gebraucht wird und der Laden auch ohne ihn funktioniert? Wie hat er im einsamen Berlin seine Seele geflickt, um die Strapazen und Angriffe von politischen Gegnern aushalten zu können? Und warum ist Aufgeben vor allem für viele Männer keine Option? Das erklärt Peter Tauber im Gespräch.

    Außerdem wollten wir von Peter Tauber wissen:

    • Muss man als Mann immer als Gewinner vom Platz gehen?
    • Hatten Sie Angst vor dem Tod?
    • Was fasziniert Sie an Politik?
    • Würden Sie noch mal in die Bundespolitik zurückkehren?

    Unser Partner von Handelsblatt Mindshift

    Wenn Sie nach dem Hören Lust auf noch mehr Denkanstöße haben und vielleicht auch selbst aktiv werden wollen, möchten wir Ihnen die LinkedIn-Gruppe von The Shift ans Herz legen – die Diversity-Initiative der Handelsblatt Media Group und unser Partner für diese Podcast-Folge.
    Dort finden Sie nicht nur alles Wichtige über die Initiative, sondern auch Neuigkeiten, Interviews und Tipps rund um das Thema Diversity. Knüpfen Sie neue Kontakte, und tauschen Sie sich zu aktuellem Diskussionsstoff aus – wir freuen uns auf Sie.

    Weitere Folgen finden Sie hier:

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