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25.04.2022

06:02

Handelsblatt Rethink Work

Psychologin zu Belastungen durch Corona und Krieg: „Kontrolle ist für Menschen ganz wichtig“

Von: Kirsten Ludowig

Hanne Horvath ist Mitgründerin der Online-Therapieplattform HelloBetter. Sie erklärt, wie man psychische Probleme bei Kollegen und Mitarbeitern erkennt – und was dann zu tun ist.

Die Psychologin ist überzeugt: „Arbeit ist nicht nur die Quelle von Belastung, sondern auch ein wichtiger Stabilitätsfaktor.“

Hanne Horvath

Die Psychologin ist überzeugt: „Arbeit ist nicht nur die Quelle von Belastung, sondern auch ein wichtiger Stabilitätsfaktor.“

Düsseldorf Die Coronakrise und der Ukrainekrieg haben viel gemeinsam, findet Hanne Horvath. „Da passiert etwas, das ich nicht kenne, nicht einschätzen und auch schwer kontrollieren kann – und Kontrolle ist für Menschen ganz wichtig“, sagt die promovierte Psychologin im Handelsblatt-Podcast „Rethink Work“. „Wenn einem das Gefühl genommen wird, etwas kontrollieren zu können, dann begünstigt das psychische Beschwerden stark.“

Für viele sei die Pandemie der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen bringt – das hätten sie bei HelloBetter deutlich gespürt, erzählt Horvath. Die 36-Jährige hat die Online-Therapieplattform mitgegründet, die digitale Kurse – zum Teil auf Rezept – gegen Burnout und Stress anbietet, aber auch gegen Depressionen und chronische Schmerzen.

Der Bedarf ist da: Laut dem bekannten „Engagement Index 2021“ des Marktforschers Gallup gab Ende vergangenen Jahres mehr als ein Drittel der befragten Mitarbeiter in Deutschlands Unternehmen an, sich in den letzten 30 Tagen aufgrund von Arbeitsstress innerlich ausgebrannt gefühlt zu haben. Und die jährliche Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe kam 2021 zu dem Ergebnis, dass bei jedem fünften Beschäftigten schon einmal eine Depression diagnostiziert wurde.

 

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    Aber woran erkennt man, ob eine Kollegin oder ein Mitarbeiter psychisch belastet ist? „Daran, dass sich etwas geändert hat, dass jemand anders ist als vorher“, erklärt Horvath. Das könne in beide Richtungen gehen. Jemand, der vorher eher zurückhaltend war, dann aber einen starken Drang nach Austausch hat – oder andersherum. „Das kriegt man, zum Beispiel als Führungskraft oder auch als Kollegin, aber nur dann mit, wenn man mit jemandem auch vorher schon in einem guten und regelmäßigen Austausch war.“

    Horvath rät daher dazu, in jedem Unternehmen eine Kultur zu schaffen, in der sich jeder auf die Frage „Wie geht es dir?“ offen mitteilen kann, sozusagen einen „Safe Space“, wie sie es nennt. Einen Rahmen, in dem Wertschätzung gelebt wird und jeder seinen Handlungsspielraum hat, der ihm bestimmte Kontrollerfahrungen wieder ermöglicht. „Arbeit ist ja nicht nur die Quelle von Belastung, sondern auch ein wichtiger Stabilitätsfaktor.“

    „Wer gibt mir eigentlich Wertschätzung?“

    Und man müsse als Führungskraft auch selbst ab und an über eigene Schwächen oder Belastungen sprechen, glaubt Horvath. „Das öffnet die Möglichkeit für andere, das auch zu tun.“ Dazu kommt ein Aha-Erlebnis, das sie in Zusammenarbeit mit einem Coach hatte, der das achtköpfige HelloBetter-Management berät.

    „Wir beschäftigen uns sehr viel mit dem Thema Wertschätzung für das Team, und irgendwann habe ich mich gefragt: Wer gibt mir eigentlich Wertschätzung?“, erzählt Horvath. Um gegenseitiges Feedback sei es im Management nie gegangen. „Das zu ändern ist unheimlich schwer. Und wir sind auch noch nicht da, wo wir gerne sein würden.“

    Die Psychologin ist überzeugt, dass sich heute kein Unternehmen mehr erlauben kann, die Themen Stress, Burnout, Depressionen und Co. zu ignorieren. Aber häufig werde unterschätzt, wie viele Mitarbeiter betroffen seien. „Dann macht man ein Angebot für einen kleinen Kreis, und alle sind danach überrascht, wie viele Leute es interessiert.“

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