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28.03.2022

06:00

Handelsblatt Rethink Work

Trumpf-Personalvorstand spricht über Diversität in Unternehmen – und sein Coming-out

Von: Kirsten Ludowig

Oliver Maassen findet, dass Firmen mit Regenbogen-Symbolen sparsamer umgehen sollten und dafür mehr für echte Vielfalt tun müssen.

Diversität

Oliver Maassen

„Heute haben wir bei Trumpf eine Frauenquote von 14 Prozent. Hätten wir eine Diversitätsquote und ich würde mitzählen, dann wären es 28 Prozent.“

Düsseldorf Mit Diskriminierung im Job ist Oliver Maassen nie direkt in Berührung gekommen. Aber es gab ein „schockierendes“ Erlebnis, das mit dafür gesorgt hat, dass er sich jahrelang nicht geoutet hat. Damals, so erzählt der 57-Jährige, war er als junger Mann in einer Bank für die Personalentwicklung zuständig, und es ging um den Sprung eines Mitarbeiters ins Top-Management.

„Ein Vorstand sagte dann: ‚Aber er lebt doch mit einem Mann zusammen‘“, erzählt Maassen im Handelsblatt-Podcast Rethink Work. „Und dann hieß es, verkürzt gesagt: ‚Ach ja, dann nicht.‘“

Das hat ihn geprägt. Er habe lange Zeit ein „verdecktes Leben“ geführt und Privatleben und Beruf strikt voneinander getrennt. Heute geht der Personalchef des schwäbischen Maschinenbauers Trumpf offen damit um, dass er mit einem Mann verheiratet ist.

Irgendwann spürte Maassen „dieses Verantwortungsgefühl“, selbst mehr für die Förderung von Vielfalt zu tun – wenn auch dosiert und vor allem breit betrachtet. Schließlich ist zum Beispiel der Produktionsbereich des Familienunternehmens Trumpf, das Nicola Leibinger-Kammüller in zweiter Generation führt, eine eher männerdominierte Welt, in der auch viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund arbeiten. Deswegen dürfe man das Thema Vielfalt nicht nur auf Frauen oder sexuelle Orientierung reduzieren.

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    Maassen ist zwar grundsätzlich gegen Quoten, würde sich aber, wenn überhaupt, eine Diversitätsquote für Vorstände wünschen, bei der auch weitere Aspekte wie Internationalität, Qualifikation oder Alter eine Rolle spielen. „Heute haben wir bei Trumpf eine Frauenquote von 14 Prozent. Hätten wir eine Diversitätsquote, und ich würde mitzählen, dann wären es 28 Prozent“, sagt er nicht ohne Humor.

    Wunsch, dass der Begriff „Outing“ verschwindet

    Öffentlich bekunden viele Unternehmen, Vielfalt in der Belegschaft und in der Chefetage zu fördern. Aber: Die zahlreichen Maßnahmen bringen nicht die gewünschten Fortschritte, zeigt eine im März veröffentlichte Umfrage der Strategieberatung Bain & Company unter weltweit rund 10.000 Angestellten.

    Danach geben nur rund 30 Prozent an, sich in ihrem Unternehmen voll einbezogen und geachtet zu fühlen, ganz gleich, welche Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben, welcher ethnischen Herkunft sie sind oder welcher sozialen Schicht oder Altersgruppe sie angehören.

    Klar positioniert sich Maassen auch, wenn es um den inflationären Gebrauch von Regenbogen-Symbolen in der Selbstdarstellung der Wirtschaft geht, vor allem in LinkedIn-Profilen von Unternehmen. Darüber hat er im vergangenen Jahr bereits einen Gastkommentar im Handelsblatt verfasst.

    Er vermutet dahinter nicht selten „billige Marketing-Gags“, gerade wenn es sich um Firmen handelt, die in der Vergangenheit nicht besonders viel für „seine“ Community getan hätten. „Für mich ist diese Flagge Ausdruck eines Bekenntnisses, und ich habe über viele Jahre am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie schwer es ist, dieses Bekenntnis in alle Öffentlichkeit zu bringen.“

    Und Maassen hat den Wunsch, dass der Begriff „Outing“ in den nächsten fünf bis zehn Jahren verschwinden wird – weil es egal ist, ob ein Mensch schwul, lesbisch, transsexuell oder Sonstiges ist. Aber: „Wir sind noch nicht da. Wir müssen mehr tun.“

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