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09.05.2022

08:20

Handelsblatt Rethink Work

„Wenn wir zu viel erwarten, ist das Unglück programmiert“ – Coach über den Purpose-Hype

Von: Charlotte Haunhorst

Klaus Eidenschink sieht den Trend, dass Arbeit heutzutage stets Sinn ergeben soll, kritisch. Aber was wäre die Alternative?

Unternehmenscoach und Psychologe Klaus Eidenschink im Podcast Handelsblatt Rethink Work.

Klaus Eidenschink

Unternehmenscoach und Psychologe Klaus Eidenschink im Podcast Handelsblatt Rethink Work.

Düsseldorf „Purpose“, also die Aufladung der eigenen Arbeit mit Sinn, ist in vielen Unternehmen derzeit ein großes Thema. Da ist die heranwachsende Generation Z, die mehr von ihrer Arbeit erwartet, als „bloß“ Geld zu verdienen. Die Start-ups, die mit „Impact“ werben, den der Job bei ihnen habe – sei es gesellschaftlich oder dass man selbst im Unternehmen einen Unterschied machen könne. Und auch die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen dazu geführt, dass sie ihre Arbeitszeit nicht mehr einfach verschwenden wollen – wenn schon arbeiten, dann bitte mit Sinn.

Klaus Eidenschink ist studierter Theologe, er berät zudem seit vielen Jahren Unternehmen und Paare als Coach. Im Handelsblatt-Podcast Rethink Work erzählt er, warum der Hype um „Purpose driven organisations“, also vom Sinn getriebene Organisationen, aus seiner Sicht eine Beratermode ist. Daran sei zwar nicht alles schlecht, aber „wenn wir zu viel erwarten, ist das Unglück programmiert“, sagt Eidenschink.

So beobachtet der Coach in seiner Arbeit, dass der Purpose von Unternehmen oft als Führungs- und Marketinginstrument genutzt werde – die von ihrem eigenen Sinn getriebenen Unternehmen dabei allerdings oft nicht konfliktfähig seien.

„Das ist wie in einer Paarbeziehung, wo jeder am Anfang im Handumdrehen verspricht, der Traumprinz oder die Traumprinzessin zu sein. Und nach und nach trübt sich das etwas.“ Wenn diese Organisationen dann auf einmal ihren Mitarbeitern kommunizieren müssten, dass etwas nicht funktioniert oder der Purpose sich geändert habe, entstünden direkt Glaubenskrisen. Gleichzeitig hätten „Andersgläubige“ es in diesen Organisationen oft schwer, Kritik zu äußern – da ihnen direkt vorgeworfen würde, nicht genügend für die Sache zu brennen.

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    Als studierter Theologe sieht Eidenschink in der Suche nach sinnstiftender Arbeit vor allem ein Zeitgeistthema. „Vor 100 Jahren wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, dass Organisationen Sinn stiften sollen. Da hat man den Sinn am Sonntag im Kirchgang erlebt.“

    Gleichzeitig erlebten wir auch gerade jetzt, wie schnell ein Purpose sich ändern kann. So erzählt Eidenschink von der Beratung eines Rheinmetall-Mitarbeiters, der früher seine Arbeit am liebsten verschwiegen habe. „Nur weil der Kontext sich verändert hat, klopfen ihm jetzt plötzlich Leute auf die Schulter, die ihm vorher das moralische Abitur verweigert haben.“

    Was ist die Alternative zum Purpose-Hype?

    In Bezug auf Chefs in Purpose-getriebenen Organisationen sagt Eidenschink: „Für die Führungskräfte ist es natürlich super, weil zum Führen nichts attraktiver ist als ein vollkommen intrinsisch aus sich heraus motivierter Mitarbeiter, dessen einziges Gefährdungspotenzial ein Maß an Selbstausbeutung ist, dass er gewissermaßen Tag und Nacht durcharbeitet und irgendwann zusammenbricht.“ Es sei dann der Job der Führungskräfte, die Mitarbeiter daran zu hindern, sich derart auszubrennen – was nicht immer funktioniere, Stichwort Konfliktbereitschaft.

    Inwiefern Eidenschink selbst als Berater von ebenjener „Beratermode“ rund ums Thema Purpose profitiert und was aus seiner Sicht eine Alternative wäre zu sinnhafter Arbeit, hören Sie in der aktuellen Folge von Handelsblatt Rethink Work.

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