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23.04.2021

10:56

Mindshift-Podcast

Lasse Rheingans: „Es arbeitet doch niemand acht Stunden im Büro“

Von: Carina Kontio

Der Unternehmer hat sich jahrelang zwischen Beruf und Familie aufgerieben. Heute lässt er kürzer, aber effizienter arbeiten – von 8 bis 13 Uhr, bei vollem Gehalt.

Düsseldorf Wäre das nicht toll: jeden Tag schon um 13 Uhr Feierabend und das bei gleichem Gehalt und vollem Urlaub? Was fast zu schön klingt, um wahr zu sein, gibt es tatsächlich – in Bielefeld wagte der Unternehmer Lasse Rheingans als erstes deutsches Unternehmen diesen Schritt.

In der neuen Folge von Handelsblatt Mindshift erzählt der zweifache Vater, wie er sich jahrelang zwischen seinem Job als Geschäftsführer einer Werbeagentur und der Familie bis zur Erschöpfung aufgerieben hatte. 2017 zog er die Reißleine, kaufte eine kleine IT-Consulting-Agentur und startete ein Experiment: die 25-Stunden-Arbeitswoche.

Was verrückt klingt, funktionierte schon in kürzester Zeit so gut, dass er dabeiblieb – bis heute gibt es bei Lasse Rheingans den Fünf-Stunden-Arbeitstag. Denn Rheingans ist überzeugt: „Es arbeitet doch niemand acht Stunden im Büro.“

Zeitfresser Meetings, Slack und Social Media

Die schlimmsten Zeitfresser wurden ausfindig gemacht („Slack ist ein Produktivitätskiller!“) und gemeinsame Regeln definiert, etwa nur noch 15-Minuten-Meetings. „Da war der Standard früher eine Stunde“, erzählt Rheingans im Podcast, „aber heute müssen wir uns darin trainieren, dass wir ganz klar und schnell zum Punkt kommen. Und es darf auch nur zum Meeting kommen, wer eine aktive Rolle hat, sonst brauchen wir denjenigen nicht.“

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    Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind jetzt nicht nur produktiver, sondern auch kreativer und innovativer. Lasse Rheingans: „Da haben alle etwas davon. Die Menschen leisten das Gleiche wie vorher, sind aber dabei noch zufriedener, bilden sich freiwillig fort und sind glücklich beim Arbeiten.“

    Slack ist ein Produktivitätskiller, weil da so viel Geschnatter ohne Regeln und ohne Kontrolle ist. Das ist ja auch toll, vor allem für Leute, die gut und gerne mit Menschen arbeiten. Aber es ist eben auch oft der Grund, warum man wesentlich länger arbeitet, als man eigentlich müsste. Lasse Rheingans

    Das klingt auf den ersten Blick nach dem perfekten Job – fünf Stunden arbeiten, aber für acht Stunden bezahlt werden. Die Wahrheit ist aber auch, dass man in fünf Stunden alles erledigen muss. Ein Rennen gegen die Zeit, das durchaus Stress und Druck verursachen kann. „Das ist enorm anstrengend und es gehören eine ganze Menge Selbstdisziplin, Selbstorganisation und Reflexionsfähigkeit dazu“, erklärt der Bielefelder. „Und es braucht Konfliktfähigkeit im Team.“

    New Work in der Krise

    Wenn dann noch etwas Unvorhergesehenes wie die Corona-Pandemie dazukommt, gerät auch das beste New-Work-Modell ins Wanken. „Aktuell läuft es bei uns ein bisschen anders. Wir haben viele Methoden neu eingeführt, ganz viele Dinge über Bord geworfen und wieder hinterfragt“, erzählt Rheingans. Zum Beispiel gibt es seit der Pandemie eine Zeiterfassung. Nicht, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kontrollieren, sondern, „um zu überprüfen und zu validieren, dass niemand zu lange arbeitet und jeder vor Überlastung geschützt wird“.

    Wissenschaftliche Ergebnisse zum 5-Stunden-Tag

    Nur zwei Drittel...

    Zwei Drittel (66,67 Prozent) gehen montagmorgens gerne zur Arbeit. "Nur zwei Drittel?", sagen Sie? Hallo - es ist immernoch Montagmorgen.

    Wertschätzung

    73,33 Prozent fühlen sich von den Kollegen:innen wertgeschätzt, mehr als 20 Prozent fühlen sich sogar sehr wertgeschätzt.

    Teamzusammenhalt

    87 Prozent registrieren einen starken Teamzusammenhalt und fühlen sich aufgrund der guten Stimmung im Team wohl.

    Kommunikation

    73 Prozent bezeichnen die Kommunikation im Team als reibungslos.

    Führungskompetenz

    86 Prozent loben die Führungskompetenz der Vorgesetzten.

    Arbeitsaufgaben

    100 Prozent stimmen dem Konzept des Fünf-Stunden-Tages zu, aber nur 80 Prozent geben an, ihre Arbeitsaufgaben in dieser Zeit bewältigen zu können.

    Weiterbildung

    93 Prozent bekunden ihre Bereitschaft, die gewonnene Zeit für Weiterbildungs- und Teammaßnahmen zu nutzen.

    Quelle

    Lasse Rheingans, "Die 5 Stunden Revolution" - Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken, Campus 2019. Wissenschaftlich evaluiert wurde das Experiment von der FH Bielefeld.

    Aber wie funktioniert das alles ganz konkret? Welche Regeln müssen eingehalten werden und wie schafft man in nur fünf Stunden dieselbe Arbeit wie sonst in acht Stunden? Wie lässt sich der Austausch der Kollegen sichern, wenn keine Zeit mehr für den kurzen Schwatz bleibt? Das erklärt uns heute Lasse Rheingans im Gespräch. Und er zeigt, wo die Fallstricke des Modells liegen und wozu er und seine Mitarbeiter jetzt die zusätzliche Freizeit nutzen.

    Außerdem wollten wir von dem Fünf-Stunden-Chef wissen:

    • Warum ist der Fünf-Stunden-Tag vor allem für den Mittelstand nötig?
    • Wieso eigentlich genau fünf Stunden und nicht sechs oder vier?
    • Wie haben die Corona-Pandemie, Homeoffice und Homeschooling euer Arbeitsmodell verändert?
    • Was sind deine negativen Glaubenssätze?
    • In welchen Branchen funktioniert das Modell?
    • Wie wirkt sich der Fünf-Stunden-Tag auf die Gesundheit aus?
    • Was würdest du, mit dem Wissen von heute, anders machen, wenn du dein Experiment noch mal neu starten könntest?

    Lasse Rheingans: Die 5-Stunden-Revolution - Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken
    Campus
    ISBN: 9783593510729
    224 Seiten, 24,95 Euro


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