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14.10.2021

09:46

Podcast „Mindshift“

Ex-KFC-Chefin Insa Klasing: „Wer mehr als zwei Stunden am Tag führt, ist übergriffig“

Von: Carina Kontio

Insa Klasing brach sich bei einem Reitunfall die Arme – und änderte ihre Einstellung nach wochenlangem Ausfall radikal. Heute berät sie Unternehmen zum Thema Führung.

Düsseldorf Früher managte Insa Klasing die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC). Nun macht sie mit ihrem eigenen Start-up TheNextWe aus anderen gute Chefs. Warum sie das kann? Zweimal in ihrer Karriere musste sie unfreiwillig lernen, zu delegieren und ihren Führungsstil radikal anzupassen.

Das erste Mal im Jahr 2016. Damals war Insa Deutschlandchefin von KFC und brach sich bei einem Reitunfall beide Arme. Sechs Wochen konnte sie nicht ins Büro, verbrachte die Zeit im Krankenhaus und in der Reha. Danach konnte sie erst mal nur für zwei Stunden am Tag zurück – für sie als Workaholic der Horror.

Wertschätzung ist am Ende ein Mindset, mit dem man morgens aufsteht und der Welt begegnet. Das fällt bei vielen einfach unter dem Druck des Tagesgeschäfts hinten runter. Dann ist man schnell nur noch bei sich, statt zu schauen: Was wird mir da entgegengebracht? Und das eben auch mal wahrzunehmen und wirklich wertzuschätzen. Insa Klasing

Vier Jahre später, im März 2020, steckte sich Klasing bei einer Chorprobe in Berlin in der Frühphase der Pandemie mit dem gefährlichen Coronavirus an. Es folgten: Lungenentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung und dann noch eine Krankenhauskeiminfektion. „Der Effekt war am Ende, dass ich wirklich innehalten musste.“

Heute sagt die Unternehmerin: „Wer mehr als zwei Stunden am Tag führt, ist übergriffig.“ Sie entwickelte und fordert mittlerweile ein radikal anderes Führungsverständnis. Statt alles kontrollieren zu wollen, sollten Chefs ihren Mitarbeitern viel mehr Freiheiten geben. Ansonsten gehe es bergab mit Deutschlands Unternehmen. Wichtig dabei laut Klasing: eine geteilte Vision. „Sonst wird Loslassen im Chaos enden, weil jeder das macht, was er glaubt, was richtig ist.“

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    Menschen sind wirklich Chefsache! In der Wissensgesellschaft sind Menschen die einzigen Produktionsfaktoren. Insa Klasing

    Die Ostfriesin, die in Oxford Volkswirtschaft, Politik und Philosophie studiert hat, spricht mit uns über die Stolpersteine von New Work, über die Ego-Falle („Zwischen Delegieren und Loslassen fließt der Mississippi“), ihre größten Lehren aus beiden Schicksalsschlägen („Feedback ist Liebe, auch wenn sich das nicht immer so anfühlt“) die Frage, wie lange eine gute Chefin arbeiten muss – viel Spaß beim Zuhören.

    Außerdem wollten wir von Insa Klasing wissen:

    • Was macht einen guten Chef aus und wie wird man das?
    • Wie kriegt man einen Kontrollfreak wie Tesla-Chef Elon Musk dazu, loszulassen?
    • Welche Chefin wärst du heute, wenn es den Unfall nie gegeben hätte?
    • Wie kritisiert man als Führungskraft richtig?

    Marc Wallert: Stark durch Krisen. Von der Kunst nicht den Kopf zu verlieren.
    Econ, 280 Seiten, 18 Euro, ISBN-13 9783843725453

    Mehr:

    „Positives Denken kann tödlich sein“ – Ex-Geisel über den Umgang mit Krisen. Marc Wallert überlebte 140 Tage als Geisel unter Extrembedingungen im philippinischen Dschungel. Heute berät er Unternehmen dazu, wie sie durch schwierige Zeiten kommen.

    Blinde Anwältin Pamela Pabst: „Selbst Mörder können sympathisch sein.“ Sie verteidigt Mörder, Räuber und Vergewaltiger – gesehen hat Pamela Pabst ihre Klienten noch nie. Sie ist Deutschlands erste blinde Strafverteidigerin.

    Adesso-Manager Rüdiger Striemer: „Für mich hat eine psychiatrische Klinik jeden Schrecken verloren.“ Der Adesso-Manager litt unter Depressionen und Angstattacken. Im Mindshift-Podcast spricht er über seinen Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück.

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