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16.09.2021

09:15

Podcast „Mindshift“

Gründerin Verena Hubertz: „Wir sind im Parlament kein Spiegelbild der Gesellschaft“

Von: Carina Kontio

MdB statt CEO: Warum die erfolgreiche Gründerin von Kitchen Stories für die SPD in den Bundestag will – und wie es ist, für den Wahlkampf wieder bei den Eltern zu wohnen.

Düsseldorf Heute sprechen wir bei Handelsblatt Mindshift mit Verena Hubertz: Sie gründete 2014 in Berlin die bekannte und preisgekrönte Koch-App Kitchen Stories. Eine Onlineplattform mit idiotensicheren Schritt-für-Schritt-Rezepten und Videoanleitungen zum Nachkochen.

Als Hubertz mit ihrer Mitgründerin Mengting Gao die Idee vor potenziellen Investoren pitchen musste, nahm sie keiner ernst. „Wenn du gefragt wirst: ‚Wie kriegst du das besser hin als Dr. Oetker oder Gruner + Jahr oder Pro Sieben?‘, und es spricht erst mal nichts für dich, wüsste ich nicht, wie der Pitch hätte besser sein können.“

Wenn sie heute zurückdenkt, sagt Hubertz ganz offen: „Ich hätte in dem Moment auch nicht in uns investiert.“ Die Idee habe mehr von sanften Faktoren wie Usability und Design gelebt und weniger aus dem Excel-Sheet heraus mit einer prognostizierten Super-marge oder einer schnellen Skalierung überzeugt. „Wir waren 25, kamen gerade von der Uni und wollten einfach die schönste Koch-App sein.“

Doch die beiden Tech-Gründerinnen ließen sich nicht entmutigen. Sie finanzierten ihre Idee aus der eigenen Tasche und trafen einen Nerv. Heute ist die Food-App in 150 Ländern verfügbar und wurde mehr als 21 Millionen Mal heruntergeladen. Sogar Apple-Chef Tim Cook ist ein Fan und besuchte vor vier Jahren das Start-up, um mit den Frauen Pfannkuchen zu backen.

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    Ende 2017 kaufte die Bosch-Tochter BSH, die unter anderem Haushaltsgeräte von Bosch, Siemens und Neff vertreibt, 65 Prozent der Anteile. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Der Unternehmenswert wurde auf 20 bis 25 Millionen Euro geschätzt. Heute hält Verena Hubertz zusammen mit ihrer Mitgründerin noch 25,1 Prozent am Unternehmen und Kitchen Stories ist eines der erfolgreichsten deutschen Start-ups.

    Ich hab auch gesagt, wenn es nicht klappt, dann bin ich jetzt nicht wieder bei Kitchen Stories da. Denn ich finde es ist ganz ganz wichtig, dass man sich selbstbestimmt im Leben überlegt: Bin ich gerade auf dem richtigen Platz zur richtigen Zeit mit den richtigen Fähigkeiten? Verena Hubertz

    Mit dem Geld könnte sich die 33-jährige Jungunternehmerin auch einen schönen Lenz machen – stattdessen hängt Hubertz Ende 2020 ihren Job als CEO an den Nagel und zieht wieder zu Hause bei ihren Eltern ein. „So konnte ich auch noch mal das gute Mittagessen mitnehmen, das jeden Tag frisch gekocht wurde“, sagt Hubertz in der neuen Folge von Handelsblatt Mindshift und lacht.

    MdB statt Start-up-CEO: Hubertz will aus der Politik heraus Gründerinnen unterstützen

    Im September will sie für die SPD im Wahlkreis Trier in den Bundestag. „Das war eine extrem schwierige Entscheidung, denn es gibt ja zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen“, erzählt Hubertz. „Aber ich habe mir sehr viele Sorgen um die Partei gemacht.“ Seit elf Jahren sei sie Mitglied in der SPD.

    Dass es ein schlechtes Signal ist für Gründerinnen, wenn ein Rolemodel wie Verena Hubertz der Wirtschaft den Rücken kehrt, findet sie nicht: „Ich wünsche mir auf jeden Fall viel mehr weibliche Führungspersönlichkeiten und Gründerinnen in der Wirtschaft. Aber ich glaube, dass ich genau dafür in der Politik ja die Rahmenbedingungen schaffen kann.“

    Außerdem könne der Bundestag durchaus auch mehr Vielfalt gebrauchen. „Wir sind leider kein Spiegelbild der Gesellschaft. Wir sind zu akademisiert, wir haben zu viele Juristinnen und Juristen, wir sind zu männlich, und das Durchschnittsalter ist 49,6 Jahre.“

    „Ich möchte mir auf jeden Fall treu bleiben. Aber mir ist durchaus bewusst, dass man in einer Fraktion nicht jedes Mal stimmen kann, wie es einem gerade lustig ist.“ Verena Hubertz

    Das Erste, was die ehemalige Messdienerin anpacken möchte, wenn es mit ihrem Einzug ins Berliner Parlament klappt: „Zum einen das Thema Zukunftsfonds 2.0, weil es wichtig ist, dass wir sowohl für die Rente als auch das Start-up-Ökosystem etwas tun.

    Und ganz konkret für meinen Wahlkreis, dass wir wieder einen ICE bekommen. Wir wollen ja alle, dass wir nicht mehr fliegen und auf die Bahn umsatteln. Aber wenn ich von Trier nach Berlin fahre, sind das mal gut und gerne siebeinhalb Stunden, und das muss einfach besser werden.“

    Was Verena Hubertz nach vielen schlaflosen Nächten geholfen hat, diese Entscheidung zu treffen, warum sie es sich antut, noch mal bei null anzufangen, und wie sie sich wappnet, um sich nicht an festgefahrenen Parteistrukturen die Zähne auszubeißen („Ich glaube schon, dass das durchaus dicke Bretter sind, die man da bohrt“), das verrät sie uns in dieser neuen Podcast-Folge. Viel Spaß beim Zuhören!

    Außerdem wollten wir von Verena Hubertz wissen:

    • Was waren die größten Zweifel, die du bei der Kündigung hattest?
    • Was macht einen guten Pitch aus?
    • Wie bringt man mehr Diversity in den Bundestag?
    • Was ist der USP von Verena Hubertz?
    • Was ist dein Plan B, wenn es am 26.09. nicht klappt?

    Blinde Anwältin Pamela Pabst: „Selbst Mörder können sympathisch sein“. Sie verteidigt Mörder, Räuber und Vergewaltiger – gesehen hat Pamela Pabst ihre Klienten noch nie. Sie ist Deutschlands erste blinde Strafverteidigerin.

    Adesso-Manager Rüdiger Striemer: „Für mich hat eine psychiatrische Klinik jeden Schrecken verloren.“ Der Adesso-Manager litt unter Depressionen und Angstattacken. Im Mindshift-Podcast spricht er über seinen Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück.

    Enise Lauterbach: „Als Migrantin fühlte ich mich wie ein Alien.“ Die ehemalige Chefärztin hängt mitten in der Pandemie ihren Job an den Nagel und gründet ein Unternehmen. Im Mindshift-Podcast spricht sie über Mut und digitalisierte Medizin.

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