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28.10.2021

09:05

Podcast „Mindshift“

Psychologin Stefanie Stahl: „Ein guter Ratgeber hilft besser als eine schlechte Therapie“

Von: Carina Kontio

Stefanie Stahl ist Deutschlands bekannteste Psychotherapeutin. Sie weiß, wieso wir uns im Job oft anders verhalten, als wir sollten – oder wollen.

Düsseldorf Es fällt Ihnen schwer, Aufgaben an Kollegen abzugeben? Sie verharren in einem Job, der Sie langweilt, und sitzen Konflikte mit der narzisstischen Chefin lieber aus, als sie anzusprechen? Sie fragen sich, wie Sie mit Misserfolg besser umgehen können?

Psychologie-Ratgeber, Podcasts und Youtube-Therapeuten bringen Licht in den dichten Wald der Emotionen und erleben gerade einen regelrechten Boom. Vor allem in der Pandemie sind sie für viele Menschen zu einem „akustischen Antidepressivum“ geworden und eine Art Seismograf gesellschaftlicher Bedürfnisse.

Expertin Stefanie Stahl weiß zu vielen derartigen Fragen Rat – die Diplom-Psychologin und Autorin ist Deutschlands bekannteste Psychotherapeutin. Seit über fünf Jahren hält sich ihr Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ auf der Spiegel-Bestsellerliste. Mehr als 1,8 Millionen Exemplare sind verkauft, der Ratgeber wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und ist für viele Menschen ein echter Rettungsanker. Was die Menschen so an Psychologie fasziniert? Stahl: „Ich finde, die Frage müsste eher lauten: Wie kann ein Mensch auf die Idee kommen, sich nicht dafür zu interessieren, wie er tickt und welche Muster er hat?“

Seit ich lebe, sind bestimmt schon 250 Säue durchs Dorf getrieben worden, was jetzt wieder der neuste Gesundheitstrend ist, dem alle hinterherlaufen. Aber die Psyche wird immer furchtbar vernachlässigt. Dabei ist das der Grund, warum wir das ganze Elend in der Welt haben. Es kommt aus einem Mangel an Selbstreflektion und einem Mangel an Mitgefühl. Beides hat psychologische Ursachen! Und wer sich darum nicht kümmert, nimmt sich natürlich die Chance, innerlich zu reifen und irgendwann mal weise zu werden. Stefanie Stahl

Schon Stefanie Stahls Vater Walter Stahl war Bestseller-Autor, denn er hat den legendären Ausgehführer „Hamburg von 7 bis 7“ geschrieben – in der Erstausgabe von 1966 noch mit vielen Striptease-Schuppen, Musik-Clubs und Kult-Kneipen auf St. Pauli – da hat die Recherche vermutlich mehr Spaß gemacht als die Schreibarbeit. Etwas, was der Psychologin überhaupt nicht leichtfällt. „Schreiben ist einfach anstrengend, das sagen ja auch ganz viele Journalisten, dass das der lästigste Part in ihrem Beruf ist“, erzählt Stahl in der neuen Folge von Handelsblatt Mindshift.

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    In ihren millionenfach abgerufenen Podcasts „So bin ich eben“ und „Stahl aber herzlich“ verhandelt sie große Fragen und kleinere Alltagsprobleme. Auch bei konkreten Problemen im Job, die meistens mit den Gespenstern unserer Kindheit zu tun haben, gibt sie nützliche Kniffe an die Hand, mit denen man schnell wieder „aus dem Sandkasten“ herauskommt.

    Stefanie Stahl, Christian Bernreiter : So bin ich eben! im Job
    Kailash, 240 Seiten, 17 Euro, ISBN 978-3-424-63199-9

    Ihre eigene Kindheit war geprägt von Weltpolitik, denn ihr Vater war über 30 Jahre lang Geschäftsführer der Atlantik-Brücke in Hamburg und Bonn. Stefanie Stahl musste als Kind zu Hause bei Partys mit prominenten Gästen Zigaretten an Leute wie Altkanzler Helmut Schmidt und US-Außenminister Henry Kissinger verteilen – da würde sich heute vermutlich das Jugendamt einschalten.

    „Das war damals ja ein völlig anderer Zeitgeist. Es gehörte einfach zum guten Ton, dass auf einer Party auch Zigaretten rumstehen und verteilt werden“, erinnert sich Stahl. „Es waren die wilden Sechziger- und Siebzigerjahre. Da wurde auch getrunken, und die haben sich normalerweise nicht bei einem Gläschen Wein aufgehalten.“ Inwiefern diese Treffen der Alpha-Männer, die im Hintergrund beim Whisky ihre Strippen ziehen, ihre eigene politische Weltsicht („Donald Trump ist schwer gestört“) geprägt haben, verrät sie in Handelsblatt Mindshift.

    Wir sprechen heute mit Stefanie Stahl darüber, wie sie über Umwege zur Psychologie gekommen ist („Ich fand Jura nach kürzester Zeit grottenlangweilig“), ob man sich mit einem Buch selber therapieren kann („Ein guter Ratgeber hilft besser als eine schlechte Therapie“), und warum wir uns im Job oft anders verhalten, als wir eigentlich sollten – oder wollen. Viel Spaß beim Zuhören.

    Außerdem wollten wir von Stefanie Stahl wissen:

    • Warum sind manche im Job erfolgreich und andere nicht?
    • Wie können wir unsere Stärken im Job optimal einsetzen?
    • Weshalb können viele Chefs so schlecht delegieren?
    • Wieso gönnen Sie sich keinen Ghostwriter?
    • Welchen bekannten Menschen aus der Wirtschaft hätten Sie gern auf Ihrer Couch?

    Mehr:

    „Positives Denken kann tödlich sein“ – Ex-Geisel über den Umgang mit Krisen. Marc Wallert überlebte 140 Tage als Geisel unter Extrembedingungen im philippinischen Dschungel. Heute berät er Unternehmen dazu, wie sie durch schwierige Zeiten kommen.

    Blinde Anwältin Pamela Pabst: „Selbst Mörder können sympathisch sein.“ Sie verteidigt Mörder, Räuber und Vergewaltiger – gesehen hat Pamela Pabst ihre Klienten noch nie. Sie ist Deutschlands erste blinde Strafverteidigerin.

    Adesso-Manager Rüdiger Striemer: „Für mich hat eine psychiatrische Klinik jeden Schrecken verloren.“ Der Adesso-Manager litt unter Depressionen und Angstattacken. Im Mindshift-Podcast spricht er über seinen Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück.

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